Umweltbewusst einkaufen

14 Supermärkte und Discounter nahm das Unternehmen Rank a Brand unter die Lupe. Untersucht wurden die Nachhaltigkeit in den Bereichen Transparenz, Klima- und Umweltschutz sowie fairer Handel. Welche sind nachhaltig?markt_asd

Nachhaltigkeitsberichte gibt es nur von 4 der untersuchten Unternehmen

SupermarktRanking2015RankaBrand
Rank a Brand Supermarkt Bewertung 2015

Lediglich Alnatura, Rewe, inklusive Penny, sowie Real innerhalb der Metro Group veröffentlichen einen Nachhaltigkeitsbericht. Aldi Nord dagegen berichtet z. B. noch nicht einmal über Maßnahmen zum Klimaschutz.

Kein Unternehmen erhielt die Bestnote A in Sachen Nachhaltigkeit

Von B bis E wurden folgende Unternehmen eingestuft:

  • Note B: Alnatura, Denn’s, Bio Company
  • Note C: Rewe, Penny
  • Note D: Real, Netto und Edeka
  • Note E: Kaiser‘s, Spar, Kaufland und ganz am Schluss: Lidl, Aldi Nord und Aldi Süd.

Die Bio-Unternehmen mit der Note B werden von Rank a Brand als empfehlenswert eingestuft.

Fairness und Klimaschutz bringen Punkte

Solche Informationen wurden u. a. für das Ranking als positiv bewertet:

  • Bericht über Emissionswerte pro Quadratmeter Verkaufsfläche (Rewe: 224 kg CO2e je qm, Metro Group/Real: 273 kg CO2 je qm),
  • Veröffentlichung einer Klimabilanz (Rewe, Real),
  • Informationen zum Bezug von erneuerbaren Energien (Alnatura, Denn’s, Bio Company),
  • Bilanz über das Abfallaufkommen (Alnatura),
  • Angabe des Anteils an umweltzertifizierten Produkten am Gesamtsortiment (Rewe Group, Netto, Real),
  • Textilprodukte im Sortiment mit Global Organic Textile Standard (GOTS),
  • sozialzertifizierte Produkte wie Kaffee, Schokolade oder Tee im Sortiment (alle).
Berlin_bis_esmir_vom_Leibefaellt_2
“Bis es mir vom Leibe fällt” in Berlin entdeckt, weiß leider nicht mehr wo.

Ich habe noch als Kind Schnee gelutscht

Natürlich wussten wir: Nicht den gelben nehmen. Aber jetzt sagen Wissenschaftler aus Kanada auch: Lieber überhaupt keinen Schnee in den Mund nehmen – jedenfalls nicht in Großstädten und drumherum! Denn die Forscher haben in Experimenten festgestellt, dass die weißen Flocken erhebliche Mengen an Feinstaub aufnehmen und noch ein paar andere Schadstoffe zusätzlich.

Das haben die Forscher bei Tests in einer Schneekammer rausgefunden: Da haben sie frischgefallenen Schnee reingetan und Abgasluft zugepustet, um zu gucken, wie sich die Flocken dadurch verändern. Ergebnis: Schon nach einer Stunde hatten sich im Schnee etliche gesundheitsschädliche Substanzen angereichert – darunter Feinstaub und verschiedene Kohlenwasserstoffe, die zum Teil als krebserregend gelten.

Über diese schnelle Veränderung waren die Forscher erstaunt, aber sie erklären sie sich so: Die Schneeflocken haben eine vielfach gezackte Oberfläche – und damit bieten sie Schadstoffpartikeln eine riesige Fläche zum Andocken.

Die Studie ist im Fachmagazin Environmental Science erschienen.

DRAdio Wissen 26. Januar 2016

Foto:  Photo credit kidsblogs.nationalgeographic.com

Klima – sprechen wir darüber. Aber wie?

Eine neue Epoche der Klimapolitik beginnt nach der Pariser Konferenz. Für Dekarbonisierung und gesellschaftliche Transformation sind belastbare Tatsachen ebenso nötig wie eine breite Debatte. Dazu will das Portal klimafakten.de mehr als bisher beitragen und wagt am 29. Januar mit einer Veranstaltung in Berlin den Neustart.

20151210_ZAC_2
Naomi Klein diskutiert in Paris

Klimafakten.de, ein von der Stiftung Mercator und der European Climate Foundation initiiertes und finanziertes Projekt, gibt es seit 2011. Der Grund: Für die gesellschaftliche und politische Diskussion über den Klimawandel müssen zunächst einmal die Fakten stimmen. Ein Schwerpunkt von klimafakten.de ist deshalb die Auseinandersetzung mit irreführenden Behauptungen: Zu Aussagen wie “Den Klimawandel gibt es gar nicht” oder “Klimaschutz ist zu teuer” werden die Fakten geliefert. Dieses Standbein bleibt erhalten – und ebenso das zweite: wissenschaftlich gesicherte Informationen zum Klimawandel, speziell aufbereitet für einzelne Branchen und Wirtschaftssektoren.

20151210_solutions_8
Viele Menschen wollen einfache Antworten, in einer komplexen Welt

Doch wissenschaftliche Erkenntnisse allein ergeben noch keinen Klimaschutz. Und Informationen oder Medienberichte führen nicht automatisch zu praktischem Handeln. Gefragt ist auch intelligente und motivierende Klimakommunikation, die zugleich wissenschaftlich fundiert ist und ihre Zielgruppen erreicht. Wie gelingt das, ohne apokalyptische Szenarien zu malen? Wie erreicht man Menschen, wenn grüne Verheißungen und Rufe nach Konsumverzicht Skepsis und Abwehr auslösen?

Wissenschaftlich fundiert und Tagesschau-kompatibel – geht das?

“Zu dieser Frage wollen wir künftig die zentrale Plattform im deutschsprachigen Raum werden”, sagt Projektleiter Carel Mohn. “Als Problem ist der Klimawandel in den Köpfen fest etabliert. Doch was folgt daraus?” Wie Klimaschutz über Expertenzirkel hinaus wirksam werden kann, soll die Portalmacher künftig beschäftigen.

unterwasserDazu bringt die Rubrik “Aktuelles” künftig Nachrichten aus Forschung und Praxis. Etwa über kanadische Wissenschaftler, die untersuchen, unter welchen Bedingungen Medienberichte über Klimawandel zu Fatalismus führen – oder aber zu Engagement ermutigen. Oder über die Inszenierung der “Klima-Verhandlungen” am Hamburger Schauspielhaus. Dabei werden die Zuschauer selbst zu Delegierten der UN-Verhandlungen – und verlassen so die Zuschauerperspektive.

Daneben wird klimafakten.de auf praktische Handreichungen für gute Klimakommunikation hinweisen und vorbildhafte Institutionen vorstellen.Arte_Klima

Abendveranstaltung am 29. Januar in Berlin

Über diesen Neustart will klimafakten.de diskutieren. Mit Ihnen – sowie mit:

  • Karin Kortmann, Vizepräsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, sie sagt: “Beten allein reicht nicht.”
  • Immanuel Schipper, der mit die Welt-Klimakonferenz im Deutschen Schauspielhaus Hamburg auf die Bühne gebracht hat.
  • Frank Böttcher, Meteorologe, Veranstalter des Extremwetterkongresses und Ko-Autor des Buches Klimafakten.
  • Professorin Daniela Jacob, Klimaforscherin und Leiterin des GERICS-Instituts Hamburg. Sie sagt: “Die Auswirkungen des Klimawandels sind bereits spürbar.”
  • Dirk C. Fleck, Journalist und Autor (Die vierte Macht, GO! Die Ökodiktatur). Er meint: “Medien sollten darstellen, was an positiven Zukunftsentwürfen längst angedacht und möglich ist.”

Die Veranstaltung findet am 29. Januar 2016 von 18.30 bis 21.30 Uhr im Projektzentrum Berlin der Stiftung Mercator, Neue Promenade 6, 10178 Berlin-Mitte statt.

Anmeldung ist erwünscht – unter diesem Link.


Dieser Beitrag wurde nicht von der Redaktion erstellt sondern von  klimafakten.de in der Rubrik Verlagssonderveröffentlichungen.

Höhenwind mit Soulfood

Der 15. Januar war für mich der faszinierendste Tag im noch neuen Jahr 2016. Werner Vogt, Geschäftsführer der Höhenwind-Park GmbH hatte eine unverfängliche Einladung geschickt: „seit diesem Jahr wirken wir in unserem Repräsentanz Büro im historischen Dreikönigenhaus in Koblenz, welches nun komplett fertiggestellt worden ist. Dies` möchten wir gerne mit Ihnen feiern.“ Na ja, ich hatte in Koblenz studiert, der Intercity ist von Mainz in 51 Minuten am Koblenzer Hauptbahnhof und ich war neugierig auf unser „Repräsentanz Büro“. Die Erwartungen waren nicht sehr hoch “halt auch nur ein Büro” – dachte ich.

Hoehenwind_2015_01_15_d
Koblenzer Höhenwind Repräsentanzbüro im Dreikönigenhaus, in der Kornpfortstraße 15, ganz in der Nähe des “Deutschen Ecks”, der künstlich aufgeschütteten Landzunge an der Mündung der Mosel in den Rhein.

Im kalten Januar rechnete ich mit vielleicht zwanzig Interessierten, die den Weg dorthin finden würden. Dann einige Tage vor dem Termin neue Mail von der Höhenwind Projektassistentin Heike Gilles: „auf Grund erfreulich vieler Anmeldungen findet der Auftakt zu unserer Einweihungsfeier im Gewölbekeller des alten Kaufhauses statt. Später werden wir ins Dreikönigenhaus wechseln.“

Hoehenwind_2015_01_15_B
Im Gewölbekeller des alten Koblenzer Kaufhauses. Eines von fünf Gebäuden in diesem Nachhaltigkeitsprojekt

Locker gekleidet in Jeans und Pullover kam ich im Gewölbekeller des alten Kaufhauses in der Koblenzer Altstadt an. Werner Vogt und Rudi Dick begrüßten mich in feinem dunklen Jacket, Clemens Ronnefeldt kann aus München angereist und es versammelten sich so nach und nach an die hundert Menschen, von denen ich nur wenige kannte. Mir war noch nicht klar, dass Gewölbekeller, Dreikönigenhaus und einiges mehr engstens miteinander verknüpft sind.

Hoehenwind_2015_01_15_C
Werner Vogt berichtet mit viel Humor über die Anfänge von Höhenwind im Hunsrück
Hoehenwind_2015_01_15_A
Martin Görlitz erläutert den Gebäudekomplex bis zu den historischen Ursprüngen in der Römerzeit und bauliche Abenteuer bei der Renovierung

Bei Sekt, Kaffee und den obligatorischen Windbeuteln war die Stimmung locker/feierlich und der Gewölbekeller machte mich neugierig. Nach einigen interessanten Gesprächen landete ich dann am Tisch von Martin-Görlitz, dem Initiator dieses wundervollen Projektes in der Koblenzer Altstadt. Aus dem kurzen Gespräch zur Umweltsituation frei zitiert: „Wenn ich so weitermache, weil ich nicht weiß was los ist, handele ich grob fahrlässig. Wenn ich es aber weiß, handele ich vorsätzlich – und wir müssen schon lange über die Konsequenzen unsere Lebensweise Bescheid wissen.“

Hoehenwind_2015_01_15_h
Standorte der Görlitz-Stiftung in der Koblenzer Altstadt.

Von dem was Martin Görlitz in Koblenz bisher schon geschafft hat, bin ich zutiefst beeindruckt. Kurzer Abriss: Martin Görlitz war Vorsitzender der von ihm gegründeten, später europaweit tätigen GÖRLITZ AG, die Datensysteme für den Energiebereich liefert. 2011 verkaufte er seine Anteile und brachte ein Vermögen in die von ihm 1995 gegründete Görlitz Stiftung ein. Sein Credo auf der Stiftungsseite: “Wir sollten unseren Kindern eine Welt hinterlassen, die lebenswert ist und in der die Grundlagen unserer Existenz nicht zerstört, sondern von uns verbessert wurden. Dieser Verantwortung stelle ich mich und möchte einen Beitrag leisten, gerade deshalb, weil sich unsere Gesellschaft von diesem Ideal immer mehr entfernt.”

Ich empfehle wärmstens auf Webseiten der Stiftung und ihren Ausgründungen zu schnuppern:
Martin-Görlitz-Stiftung für Energie, Umwelt und Soziales

In Zusammenarbeit mit allen Hochschulen der Region entsteht in der Koblenzer Altstadt ein Zentrum für Nachhaltigkeit und zukunftsfähiges Wirtschaften:

ISSO – Institute for Social and Sustainable Oikonomics

Jugendwerkstatt Energie&Technik

Nach den Vorträgen von Werner Vogt, Martin Görlitz und Clemens Ronnefeldt ging es vom Gewölbekeller zum Dreikönigenhaus. Hier gab es bei Soulfood leckeres Essen, Probefahrten mit Elektroautos von Tesla und BMW, den neuesten Stand zur Elektromobilität, die schönen Büros von Höhenwind und viele, viele interessante Gespräche.

Hoehenwind_2015_01_15_g
Die Höhenwind-Park Gmbh residiert ganz oben.

Nach diesen Eindrücken werde ich jedenfalls nun öfters mal wieder den Intercity von der Landeshauptstadt nach Koblenz buchen. Hier laufen spannende Projekte, die hoffentlich weit abstrahlen.

Nach den COP21 Klimaverhandlungen

Brot für die Welt in Klima Allianz: Die Verabschiedung des Klimaabkommens von Paris ist ein politischer Erfolg, auch wenn es allein die Welt nicht retten wird. Insbesondere der Schutz, den das Abkommen den ärmsten und verletztlichsten Menschen bietet, war ein Punkt, den Brot für die Welt und seine Partner während der Verhandlungen immer wieder gefordert hat, sagt Klimaexpertin Sabine Minninger von Brot für die Welt. Und Joachim Fünfgelt sieht im Abkommen ein Fahrplan für eine globale Energiewende.

Rheinland-Pfalz will starke Maßnahmen

Umweltministerin Ulrike Höfken und Klimaschutzministerin Eveline Lemke:

„Das 1,5-Grad-Ziel ist ein Weckruf, jetzt muss die Umsetzung folgen.” Nach Einschätzung der Ministerinnen wurden in Paris zwar starke Ziele verabredet, diese seien aber noch nicht mit starken Maßnahmen verbunden. Dies hänge jetzt von den einzelnen Vertragsstaaten ab.

„Ein wichtiges Ergebnis der Verhandlungen ist, dass die Entwicklungsländer in diesem Umsetzungsprozess unterstützt und entsprechende Finanzmittel von den Industrieländern bereit gestellt werden“, erklärte Höfken. Die breite Allianz für ein ambitioniertes Klimaschutzabkommen, die sich in Paris erstmals auch zwischen Industrie- und Entwicklungsländern bildete, mache deutlich: „Die Staaten wollen mit dem Klimaschutz ernst machen und sich nicht länger an den wenigen Bremsern ausrichten.“

Wirtschafts- und Klimaschutzministerin Eveline Lemke verwies auf die Beiträge von Rheinland-Pfalz in diesem Prozess: „Wir haben unsere Verantwortung erkannt und sind beim Klimaschutz gut vorangekommen.“ Als eines der ersten Bundesländer in Deutschland habe Rheinland-Pfalz ein Klimaschutzgesetz verabschiedet, in dem verbindliche Reduktionsziele gesetzlich verankert wurden. In einem breiten gesellschaftlichen Dialog wurde ein Klimaschutzkonzept erstellt. „Jetzt müssen wir alles dran setzen, diese Ideen in Rheinland-Pfalz auch im Alltag umzusetzen. Da geht es dann um ganz konkrete Dinge wie zum Beispiel die energetische Sanierung von Landesgebäuden, damit die Landesverwaltung bis 2030 klimaneutral wird. Oder um die energetische Verwertung von Abfällen. Nur wenn wir alle beim Klimaschutz anpacken, kommen wir voran“, so Lemke.

„Wir wollen, dass die Energiewende nachhaltig im Einklang mit Natur- und Umweltschutz vor sich geht und die Menschen in der Land- und Forstwirtschaft insbesondere im ländlichen Raum von den erneuerbaren Energien durch neue Arbeitsplätzen und höhere Einkommen profitieren“, ergänzte Umwelt- und Landwirtschaftsministerin Höfken. Die Ministerinnen wiesen darauf hin, dass sich der Klimawandel in Rheinland-Pfalz bereits bemerkbar mache. Die mittlere Jahrestemperatur im Land sei seit 1881 um 1,4 Grad gestiegen, damit liege Rheinland-Pfalz weit über dem Bundesschnitt. Für die Zukunft sei mit einem weiteren Temperaturanstieg, längeren Trockenperioden und häufigeren Extremwetterereignissen zu rechnen. Darunter leiden die Forstwirtschaft, die Landwirtschaft und der Weinbau. 73 Prozent der Waldbäume im Land sind vor allem aufgrund der Klimakrise geschädigt. Höfken und Lemke: „Um unsere Lebensqualität aufrecht zu erhalten und gleichzeitig die natürlichen Ressourcen für kommende Generationen zu bewahren, müssen wir unsere Klimaschutzziele erreichen. Rheinland-Pfalz soll in diesem Prozess eine Vorbildfunktion einnehmen.“ Quelle: Ministerium Mainz

Mitbringsel aus Paris

Alle Fotos zur freien Verwendung, 12.12.2015 Reinhard Sczech

Motivation und Erleichterung

Ich war drauf und dran zu verzweifeln. Kann die Menschheit denn wirklich so blöd sein? Jetzt bin ich wieder hoch motiviert. Das waren lehrreiche Tage in Paris.

ClimateJustice_2015_12_12_Paris_23Ein Gruß an alle Freunde der Hunsrücker Höhenwind Gesellschafter und Bertram Fleck: In einem Pariser Café habe ich einen tollen holländischen Aktivisten getroffen, der voller Begeisterung die Entwicklung im Hunsrück wahrgenommen hat. Eine Botschaft an alle die jetzt noch gegen die Windenergie kämpfen: Ja, es gibt Beeinträchtigungen, ja das Landschaftsbild ändert sich, ja es gibt Fehlplanungen. Aber ihr könnt euch überhaupt nicht vorstellen, mit wie vielen Hoffnungen Menschen aus aller Welt auf Deutschland schauen.

ClimateJustice_2015_12_12_Paris_24

Der Hunsrück exportiert erneuerbare Energie. Nachhaltig! Bitte macht mit, oder wenn ihr schon nicht mitmachen wollt, macht den Weg frei. Ihr wollt die Heimat erhalten wie sie ist – aber Zerstörungen währen die Folge, die unsichtbar für unsere Kameras und Reporter bei den ärmsten der Armen angefangen haben und auch uns erreichen werden.

Die Prinzen

Saudi-Arabien alimentiert 7000 (geldgierige?) Prinzen. Prinz al-Walid Bin Talil, seine Frau und seine Kinder wohnen in 320 Zimmern in einem sandfarbenen Palast, der mit italienischem Marmor ausgekleidet ist, mitten in Riad.

Kleine Umfrage

Sind Sie im Vergleich zu vor fünf Jahren mehr oder weniger optimistisch, dass es der Menschheit gelingen wird, den gefährlichen Klimawandel zu vermeiden?

ClimateJustice_2015_12_12_Paris_30

Dazu kommen drei Hallen-Schwimmbäder, Tennisplätze, 250 Fernseher, ein Kinosaal und fünf Küchen, die 2000 Gäste auf einmal beköstigen können. In der Garage des Prinzen stehClimateJustice_2015_12_12_Paris_31en 200 Luxusautos, darunter Rolls-Royce, Ferrari und Lamborghini. Dieser Reichtum wird von Öl gespeist. Könnt ihr euch vorstellen, welcher Kampf es war die Zustimmung der Saudis zu bekommen? Könnt ihr euch vorstellen, wie bitter die neusten Abschätzungen der Klimaforscher sind, um selbst ein Kopfnicken zu bekommen, das Saudi Arabiens Geschäftsmodell völlig in Frage stellt?

 

2050 “klimaneutral”

Die Koalition der “Ambitionierten” hat sich in Paris durchgesetzt. Beschlossen wurde, dass die Menschheit ab 2050 “klimaneutral” lebt. Ursprünglich sollte im Vertrag stehen, dass die Menschheit ab 2050 “Treibhausgas-frei” lebt. Aber das scheiterte an den erdölproduzierenden Ländern. “Treibhausgas-frei” hätte bedeutet, dass diese Länder bald kein Erdöl mehr fördern dürften. Der jetzige Beschluss besagt, dass die Treibhausgase, die nach 2050 noch entstehen, kompensiert werden müssen – etwa durch Aufforstung oder neue Technologien.

ClimateJustice_2015_12_12_Paris_34
Climate Justice! Now!ClimateJustice_2015_12_12_Paris_35

“Die Weltgemeinschaft hat verstanden, dass die Gefahren durch den Klimawandel viel größer sind als zuvor angenommen”, sagte Bill Hare, der Chef des Forschungsinstituts Climate Analytics. “Das Paris-Abkommen ist ein historischer Wendepunkt für die ganze Welt.”

ClimateJustice_2015_12_12_Paris_37
Die roten Linien werden gezogen: Clim Acts aus Australien

Ärmel aufkrempeln

“Wir sind extrem glücklich”, erklärte EU-Klimakommissar Miguel Arias Cañete. Die Schweizer Bundesrätin Doris Leuthard sagte: “Für die Schweiz war es wichtig, dass alle Verantwortung übernehmen und die Zweiteilung aufgehoben wird.” Aber auch Südafrikas Umweltministerin Edna Molewa sieht einen “Wendepunkt zu einer besseren und sichereren Welt”. ClimateJustice_2015_12_12_Paris_36

Frankreichs Präsident François Hollande sagte sogar: “Wir haben heute die beste und friedlichste Revolution geschafft – eine Revolution für den Klimaschutz”. Und Bubu Pateh Jallow, einer der Chefunterhändler der ärmsten Staaten, sagte: “Der Vertrag ist eine wirklich gute Arbeitsbasis”.

ClimateJustice_2015_12_12_Paris_38

“Die Unterschrift ist nur der Anfang, jetzt geht es darum, ihn auch umzusetzen.” Russlands Umweltminister Sergej Donskoj betonte: “Jetzt steht uns die Ratifikation bevor!” Der hintere Teil der Vereinbarung nämlich, zwölf der 31 Seiten, muss zu nationalem Recht werden. Und das in jedem der 195 Mitgliedsländer, ein Prozess, der im Falle des Kyoto-Vertrages acht Jahre gedauert hat. Aber diesmal soll der Paris-Vertrag bereits ab 2020 gelten – in vier Jahren.

ClimateJustice_2015_12_12_Paris_39Dass dieses Ziel nun benannt wird, bedeutet: Die Weltgemeinschaft hat endlich realisiert, wie ernst die Warnungen sind, die die Klimaforscher aufgestellt haben. So weit, so gut, aber auch so unzulänglich. Denn diese Erkenntnis wird – zumindest noch – nicht ausreichend in konkretes Handeln umgesetzt.

ClimateJustice_2015_12_12_Paris_40

Fakt ist: Die Treibhausgas-Limits, die die Länder der Erde sich gegeben haben und die die Basis des Paris-Vertrags bilden, bringen die Welt nur auf einen Drei-Grad-Pfad – also auf einen Kurs, bei dem Elemente des Klimasystems destabilisiert würden, darunter der Grönland-Eisschild, die Permafrostböden und die Regenwälder. Höhere Ansprüche trauten sich die Architekten des Paris-Deals nach dem Kopenhagen-Debakel nicht mehr zu stellen.

Gewaltfrei und ohne Presse

ClimateJustice_2015_12_12_Paris_22
Tolle Tage in Paris, mit Wechselbädern der Gefühle

Tja Leute, wir haben uns das Demonstrationsrecht erkämpft. Entschieden und gewaltfrei. In der deutschen Presse habe ich noch kein Wort darüber gelesen. Über die Demo am Eifelturm wurde bischen berichtet. Aber die vorhergehende und  aus meiner Sicht wichtigere in der Avenue de la Grande Armée vor dem Arc de Triomphe wurde  fast ausschließlich über soziale Medien, wie diesen Blog transportiert.

ClimateJustice_2015_12_12_Paris_41

Sind wir mal milde, das Demonstrationsverbot hat natürlich dazu geführt, dass auch die Presse nicht über die Details der Planungen informiert war.

ClimateJustice_2015_12_12_Paris_21

ClimateJustice_2015_12_12_Paris_42
Ein Tourist aus China macht auch spontan mit. “Very big problems in China”
ClimateJustice_2015_12_12_Paris_43
und Mainz trifft auf Oppenheim (on the left side Esmathe Gandi, Président ATTAC Togo)

 

ClimateJustice_2015_12_12_Paris_44
und Mainz trifft auf Oppenheim (on the left side Esmathe Gandi, Président ATTAC Togo)
ClimateJustice_2015_12_12_Paris_45
zum Abschluss wird ergreifend mitreißend gesungen

Quellen

Klimaretter.Info

Skeptical Science

350.org   

Video von der Demo

DemocracyNOW

ARD Tagesschau COP21 live Blog

SonnenSeite

germanwatch

Paris 2015 kann die Welt ändern

ClimateJustice_2015_12_12_Paris_12
Die Demonstranten sind entschlossen

Die politische Führung der Pariser Polizei hat die Situation richtig eingeschätzt. Die Demonstranten waren zwar nicht in riesengroßen Massen, aber dafür umso fester entschlossen ein Zeichen zu setzen.

ClimateJustice_2015_12_12_Paris_11

Es wurde klar gemacht, um 12 Uhr werden wir auf die Avenue de la Grande Armée strömen, den Verkehr stoppen und auf der breiten Prachtstraße vor dem Arc de Triomphe unsere roten Linien ziehen.

ClimateJustice_2015_12_12_Paris_10
1,5 Grad oder Chaos

Wir fordern Klimagerechtigkeit. Jetzt.

ClimateJustice_2015_12_12_Paris_02
Ami Goodman von Democracy Now interviewt ein Paar. Democracy Now hat eine fantastische Berichterstattung während des Gipfels gemacht.

Ich saß schon eine Stunde vorher am vereinbarten Treffpunkt unserer Gruppe im Café Victor Hugo. Schnell erkannte ich an den roten Utensilien wer wohl noch alles zu bereit ist, sich über das Demonstrationsverbot hinwegzusetzten.

ClimateJustice_2015_12_12_Paris_07
Wir brachen auf. In den Nebenstraßen viel Polizei, alle schwer bewaffnet aber entspannt. Wir wussten: diese Auseinandersetzung haben wir gewonnen. Auf der Avenue de la Grande Armée angekommen, war ich einfach nur überwältigt. Die Straße war uns.

ClimateJustice_2015_12_12_Paris_01
Die Straße gehört uns
ClimateJustice_2015_12_12_Paris_14
Vorne ringen Clowns den Polizisten ein lächeln ab.

 

ClimateJustice_2015_12_12_Paris_09 ClimateJustice_2015_12_12_Paris_08

ClimateJustice_2015_12_12_Paris_06 ClimateJustice_2015_12_12_Paris_05 ClimateJustice_2015_12_12_Paris_04 ClimateJustice_2015_12_12_Paris_03

… jetzt bin ich etwas schlapp und trinke mal zur Feier des Tages einen guten Rotwein.

Blockade bei den Klimaverhandlungen in Paris

20151211_Tag_vor_D12_5
Broschüren mit Gesundheitshinweisen und rechtlichen Infos werden verteilt

Ich bin völlig fasziniert mit welcher Entschlossenheit, Mut, sozialer Kompetenz und vor allen Dingen Phantasie und Intelligenz hier in kleinen Gruppen die Aktionen für morgen vorbereitet werden.

20151211_Tag_vor_D12_3
An alle Aktivisten wird eine rote Blume verteilt

Ich habe aber auch Angst vor der französischen Polizei. Tipps wie „wickele dir Zeitungen ums Schienbein, da hauen die gerne drauf“ beunruhigen mich Schisser eher. Es wird ein Aktionsbereitschaft ermittelt. In die eine Ecke des Raumes gehen die, die sich zutrauen vorne mit dabei zu sein, in die zweite Ecke die, die mehr zuschauen. Dann können sich auch Kleinstgruppen auf dieser Raumachse dazwischen positionieren. Ich stehe im Raum, aber sehr nahe an Ecke zwo.

20151211_Tag_vor_D12_1
Tag der Vorbereitungen, durchdacht und klasse organisiert

Was ist eine Demonstration?

Demonstrationen sind morgen in Paris strengstens verboten. Was ist eine Demonstration? Wenn mehr als zwei Menschen die gleiche politische Meinung kundtun. Deshalb werden wir alle nur zu zweit losschwärmen.

20151211_Tag_vor_D12_8
Neben den roten Blumen wird es morgen viele rote Regenschirme, Jacken und Schals geben, um die symbolischen roten Linien zu ziehen.

Zum Abschluss der Klimaverhandlungen werden also Tausende von Menschen paarweise auf die Straßen ziehen, um das letzte Wort zu haben und um zu zeigen, dass wir unsere Zukunft selbst in die Hand nehmen. So schaffen wir die Voraussetzungen für weitere Aktionen im Jahr 2016.

20151211_Tag_vor_D12_2
So soll es ablaufen: Gegen 11:45 Uhr treffen wir uns auf den Bürgersteigen entlang der Avenue de la Grande Armée zwischen der Place de Etoile und Porte Maillot. (nicht am Arc de Triomphe — dort werden Versammlungen sofort aufgelöst).

 

20151211_Tag_vor_D12_21
Folgen den roten Pfeilen entlang der Straße, um zum Veranstaltungsort zu gelangen

12:00 Uhr sollen Signale eines Nebelhorns ertönen, dann schlendern wir paarweisen Fußgänger auf die Avenue de la Grande Armée bis es anfängt zu strömen. Dort den roten Schirmen und Pfeilen die uns leiten hinterher. Auf der Straße, so der Plan, Tausende roter Tulpen verteilen, riesigen Transparente entrollen und eine lange „rote Linie” bilden.

Wenn die Nebelhörner ein zweites Mal ertönen, heißt es zwei Minuten lang schweigend innehalten, bis Blaskapellen anfangen zu spielen. Danach legen wir unsere Blumen zum Gedenken an die Opfer des Klimawandels auf die Straße.

20151211_Tag_vor_D12_9
Hochkonzentriert werden im Plenum Fragen gestellt und beantwortet
20151211_Tag_vor_D12_4
Der Plan für morgen: Wie auch immer das Gipfeltreffen ausgehen mag, Folgendes gilt weiterhin: Es sind nicht Politiker*innen die Bewegungen anführen – sondern die Menschen.

Der Veranstaltungsort wurde bis jetzt geheim gehalten, damit  effektiv mobilisiert werden kann. Nachdem jetzt alle Details feststehen und noch 24 Stunden bleiben, ist es an der Zeit, dass die Öffentlichkeit über die Aktionen informiert wird.

Die Lösungen liegen auf der Hand: Wir müssen aufhören, fossile Brennstoffe zu fördern und zu verbrennen. Stattdessen, wo immer möglich, erneuerbare Energien ausbauen und Sorge tragen, dass die am schlimmsten vom Klimawandel betroffenen Regionen über die nötigen Ressourcen verfügen um der Krise zu begegnen. Dies könnte ein Wendepunkt sein – dafür kämpfen die Demonstranten in Paris.

 

20151211_Tag_vor_D12_7
noch einige juristische Hinweise zum mitschreiben

ARD-Reporter Werner Eckert hat beim Klimagipfel eine Veranstaltung von Wissenschaftlern besucht, die Auswirkungen des künftigen Klimavertrags untersuchen. Hier sind seine Eindrücke: „Gefährlich bis tödlich nennt Professor Kevin Anderson vom “Tyndall Center for climate change” den derzeitigen Verhandlungsstand. Fünf wissenschaftliche Institute sind sich einig: dass darin maximal 1,5 bis zwei Grad Erderwärmung als Ziel festgeschrieben werden, ist gut, aber für sich genommen nur eine Hausnummer. Alle konkreten Vorgaben für die Staaten sind bereits aus dem Entwurf gestrichen. Das ist alles vage und setzt keine klaren Signale, sagt Professor Johan Rockström von der Universität Stockholm. Er rechnet vor: Wenn nur die bereits eingereichten, freiwilligen Selbstverpflichtungen der Länder umgesetzt werden, dann führt das die Welt auf mehr als drei Grad zu. Und da es bis 2030 auch keine Verbesserungen geben muss, wird bis dahin so viel Co2 ausgestoßen, dass damit auch die Chance vertan ist, jemals unter zwei Grad zu bleiben.

20151211_Tag_vor_D12_6
Die Zukunft des Kindes dass dieses Bild zum Klimagipfel gemalt hat, steht auf der Kippe. Bitte auf das Bild doppelt klicken um es zu vergrößern.

Ungenügend nennt auch Professor Hans Joachim Schellnhuber vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung die konkreten Vorgaben für den Klimaschutz. Er vertritt allerdings die Auffassung, dass die Atmosphäre vorübergehend mehr CO2 vertragen würde, wenn man es anschließend – durch Aufforstung zum Beispiel – wieder herausholt. 1,5 Grad erscheinen nach Angaben der Wissenschaftler unrealistisch. Dazu müsste der Kohle-, Öl- und Gasverbrauch der gesamten Welt schon 2020 seinen Höhepunkt erreichen und danach stark sinken, spätesten 2050 “0” sein. Die Wissenschaftler sind auch enttäuscht davon, dass von “Dekarbonisierung”, also vom Abschied von fossilen Brennstoffen, nicht mehr die Rede ist. Stattdessen ist nun von “Treibhausgas-Neutralität” die Rede. Das unterstellt nämlich, dass Wälder und Ozeane CO2 aufnehmen. Steffen Kallbekken von der Universität Oslo nennt das riskant. Bislang speichere der Ozean nämlich 55 Prozent der Treibhausgase. Aber erstens wird er dadurch immer saurer und zweitens werde das nicht unbeschränkt weiter so gehen.“

 

 

Climate Action Zone ZAC

Fotos: Reinhard Sczech, 10.12.2015

Wie bei allen meinen Reisen: etwas abgehetzt und vermutlich was Wichtiges vergessen, Einstieg in den IC, Mainz Hauptbahnhof Richtung Mannheim, von dort mit dem französischen TGV weiter. In Schnellzugsteige n in Saarbrücken fünf fett bewaffnete französische Polizisten ein. Sofort Unruhe, kurz darauf Schreie und Sc20151210_solutions_3himpfen. Dann Ruhe. Auf dem Sitz links vor mir, schläft ein junger Mann. Ich wundere mich, warum er trotz dem Lärm nicht einmal den Kopf hebt. Dann kommen drei Beamte zu uns. Sehen mich kurz an, rütteln an dem jungen Mann: „Passport?“. Der etwa 19-jährige schüttelt den Kopf. „Nationality?“ „Afghanistan“. Routiniert zieht einer den Jungen aus dem Sitz, mit traurigem Gesicht und stumm lässt er es geschehen, alle verschwinden im nächsten Wagen. Eine Frau schimpft auf französisch. Zwei Minuten später „außerplanmäßiger Halt in Forebach“. Die Polizisten und sechs junge Männer verlassen den Zug. Die verbleibenden schauen sich betroffen an.
So verlaufen die ersten Stunden meiner Reise zum Klimagipfel nach Paris. Wir fahren gerade 311 Kilometer pro Stunde.

20151210_solutions_6

Solutions COP21

Nachmittags besuche ich das offizielle Rahmenprogramm für den Weltklimagipfel: „Solutions COP21“ im Grand Palais. Wegen Kontrollen wie am Frankfurter Flughafen eine Stunde Wartezeit, obwohl nicht besonders viel los ist. Das Programm finde ich großenteils enttäuschend. 20151210_solutions_2Einige Firmen sind echt bemüht, aber beispielsweise bei Coca Cola werde ich reflexartig misstrauisch. Von einem Schweizer Forscher der „Horizon Social Media Analytics“ nehme ich am meisten mit. Darüber werde ich einen eigenen Beitrag schreiben.

20151210_solutions_1
Viele Kameras, viele Reden, wenig Publikum bei den Solutions COP21
20151210_solutions_8
Bei der Rheinland-Pfalz Ausstellung in Mainz war deutlich mehr los als bei den Lösungen für die Weltrettung in Paris 2015
20151210_solutions_7
Ein spannendes Gespräch, wie man die Stimmungen in den Social Media analysiert
20151210_ZAC_5
In der ZAC war nun aber richtig was los

Climate Action Zone (ZAC)

In der ZAC sollte eigentlich von den Umweltgruppen die gr20151210_ZAC_6oße Klimaschutzdemonstration am Ende des Klimagipfels vorbereitet werden. Bündnisse aller Schattierungen rund um den Globus hatten ihre Mitarbeit angekündigt. Dann kamen die Terroranschläge am 13. November wie eine Seuche über Paris. Vollständiges Demonstrationsverbot.

20151210_ZAC_4
Überwiegend junge Menschen interessiert die Rettung der Zivilisation, die anderen kämpfen mit den Alltagsproblemen

Als Alternative werden nun fantasievolle, gut organisierte, gewaltfreie aber entschiedene Aktionen geplant. Als ich ins ZAC komme, ist die Plenumshalle rappelvoll. Es wird diskutiert was zu tun ist und wie die Lage politisch einzuordnen ist. Im Plenum sitzt auch Naomi Klein. Die anderen kenne ich nicht, viele der Redebeiträge sind in französisch. Sprachbegabung hat man mir leider nicht mit in die Wiege gelegt.

20151210_ZAC_3
Diese Menschen zu erleben…. ich bin froh, doch nach Paris gefahren zu sein

Naomi Klein räumt freimütig ein, dass auch sie erst vor 10 Jahren die volle Brisanz des Klimawandels begriffen hat.

Klick gemacht

Wenn ich tief in mich gehe, muss ich gestehen bei mir sind es weniger als fünf Jahre her bis es „klick“ machte. Was eigentlich schon beschämend ist, da ich als Ingenieur sowohl mit Regelkreisen wie auch Statistik und nichtlinearen Simulationsverfahren reichlich Erfahrung sammeln durfte. Aber trotz vielfältiger Literatur hat mein Gehirn sich einfach geweigert die bittere Wahrheit voll zu realisieren. Wie auch. Da liest du eine alptraumhafte Analyse, die menschliche Zivilisation ist dabei sich auszulöschen, das sechste große Massensterben auf dem Planeten hat begonnen, du schaltest den Fernseher an, „und nun die Lottozahlen“.

Sicher, ich war schon viele Jahre vorher umweltbewusst, habe in Windenergie investiert (und damit sehr gut verdient), Müll getrennt, dicke Autos vermieden, Greenpeace unterstützt, die Grünen (oft sehr zähneknirschend) gewählt und nur Ökostrom durch die Steckdosen gejagt. Aber begriffen hatte ich es nicht wirklich.
Jetzt bin ich in Paris, um die Luft um den Weltklimagipfel einzuatmen und ein Gefühl dafür zu bekommen: Wie groß sind die Chancen der Menschheit die Kurve zu bekommen?
Es muss zweifellos eine sehr scharfe Kurve sein, eine Revolution. Die Zeit zum herumzackern haben wir nun wirklich nicht mehr.

20151210_Zz_6
Etwas wehmütig kommt mir der Eiffelturm vor

Klimaschutz und Gerechtigkeit

Du hast einen schrulligen Onkel der immer noch sagt “Hör’ mir auf mit Klimawandel, die Wissenschaftler sagen jedes Jahr was anderes? Einen Kollegen,  der kundtut “alles halb so schlimm, was geht mich der Klimawandel an”?  Einen Chef der ruft: “Wachstum ist am wichtigsten für uns, später werden wir schon was gegen den Klimawandel erfinden”?

Der RBB Film Klimaschutz und Gerechtigkeit ist bestens geeignet für Aufklärung zu sorgen.

Klimaschutz und Gerechtigkeit

16.11.2015 | 28:53 Min. | UT | Verfügbar bis 16.11.2016 | Quelle: Rundfunk Berlin-Brandenburg

KlimaschutzUndGerechtigkeit3Trotz der blutigen Anschläge will Frankreich Ende des Monats Gastgeber des Klimagipfels in Paris bleiben. Die hohen Kohlenstoffwerte in der Atmosphäre und die Erderwärmung zwingen zum Handeln. Der heißeste Sommer seit Beginn der Messungen brachte Deutschland Tornados, brennende Getreidefelder und einen riesigen Flüchtlingsstrom. Gibt es da Zusammenhänge?

KlimaschutzUndGerechtigkeit2
Öl-Lobby sponserte Kriegsverbrecher

Klasse Beiträge gibt es von der RBB OZON Redaktion.

Populäre Wissenschaft
Auf allen weiteren Montags-Sendeplätzen setzt die Redaktion Wissenschaft/Bildung populäre Wissenschafts-, Tier- und Naturfilme ein, die selbst produziert oder von anderen ARD-Anstalten übernommen werden.

WissensZeit im rbb
Das Bildungsangebot des rbb Fernsehens, montags bis freitags, 6:20 Uhr bis 6:50 Uhr.

nano
Die Redaktion arbeitet am 3sat-Wissenschaftsmagazin “nano” mit, das gemeinsam von ARD, ZDF, ORF und dem Schweizer Fernsehen produziert wird. Das rbb Fernsehen sendet  “nano” montags bis freitags um 6:50 Uhr.

 

Birgit Berg: “Wer sich das Denken abnehmen läßt, darf sich nicht wundern, wenn man ihm bald auch den Kopf abnimmt.”