NRW hat den Schlüssel zum Kohle-Ausstieg

Selbst sein Klimaziel für 2030 kann Deutschland nur erreichen, wenn der Kohleausstieg jetzt beginnt und in zehn bis 15 Jahren abgeschlossen ist, ergibt eine heute veröffentlichte Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Die Experten schauten vor allem auf Nordrhein-Westfalen, das hiesige Kernland der Kohleverstromung.

….

NRW blockiert mit landeseigenen Gesetzen den Erneuerbaren-Ausbau, das muss aufhören. Das Bundesland hat die besten wirtschaftlichen Chancen durch die Energiewende, schon heute arbeiten viele Beschäftigte in den Bereichen erneuerbare Energien, Energieeffizienz oder nachhaltige Mobilität.

 

Der Beitrag ist hier abrufbar: https://www.klimareporter.de/deutschland/selbst-der-hambacher-wald-koennte-bleiben

Jorg Staude
von Jorg Staude

 

 

Aktuelle Klima und Umweltnachrichten

klimareporter° klimareporter° ist ein unabhängiges Online-Magazin zu Klimawandel, Energiewende und Klimaforschung.

  • Erster Abschlussentwurf liegt vor
    on 13. December 2018 at 20:19

    Das Verhandlungsfinale der UN-Klimakonferenz in Katowice bei Klimareporter° im Ticker. Inzwischen liegt der erste Entwurf für ein Abschlussdokument vor, allerdings nicht als einheitliches Papier. […]

  • Polens falsche Liebe zum Wald
    on 13. December 2018 at 16:19

    Polen hat als Gastgeber des UN-Klimagipfels die Erklärung "Wald für das Klima" initiiert. Gemeint ist weniger der Schutz naturnaher Wälder, um das dort gebundene CO2 zu sichern, sondern das Anlegen von Plantagen. Nebenbei wird davon abgelenkt, dass Polen seine wirksamste Klimaschutz-Möglichkeit nicht anpackt: […]

  • Nur auswärts stark
    on 13. December 2018 at 12:40

    Deutschland hat in der Schlussphase der UN-Klimakonferenz eine Führungsrolle übernommen. Dass die Bundesregierung beim Klimaschutz zu Hause auf die Bremse tritt, spielt da keine Rolle. Bei der Kohle-Kommission rechnet Umweltministerin Schulze inzwischen nicht mehr mit einem Konsens beim Endbericht. […]

  • Auf der Jagd nach Lithium
    on 13. December 2018 at 10:03

    Ohne Lithium für die Batterien läuft fast nichts bei der E-Mobilität. Deutschland sichert sich den Rohstoff durch ein spektakuläres Joint Venture mit Bolivien – angeblich sogar für eine "grüne Batterieproduktion". Die gibt es nur, wenn die Auto-Zahlen insgesamt sinken, warnt eine Studie von […]


 

Warum sind wir unfähig, über die existenziellen Folgen des Klimawandels zu sprechen?

Ein interessanter Beitrag in piqd von Ralph Diermann:
piqd.de/klimawandel/

Schon den großartigen, schockierenden, deprimierenden Langtext „Losing Earth“ von Nathaniel Rich aus dem New York Times Magazine gelesen? Alexander Krützfeldt hat ihn vor ein paar Tagen hier gepiqt; Tanja Krämer hat heute früh in diesem Kanal einen Riffreporter-Artikel empfohlen, der zusammenfasst, was Klimaschützer an diesem Text kritisieren – und warum die Kritik nicht ganz nachvollziehbar ist.

„Spiegel“-Autor Georg Diez nimmt „Losing Earth“ zum Anlass, eine so irritierende wie naheliegende Frage zu stellen: Warum sprechen wir so wenig vom Klimawandel? Darüber, dass eine Erderwärmung von drei Grad die Küstenstädte der Welt ausradieren wird? Eine Erwärmung von vier Grad weite Teile der Erde unbewohnbar werden lässt?

Wie kann es sein, dass der Untergang der Menschheit so wenig Interesse erweckt und die Titelseiten sich in dieser Woche, wie in den Wochen und Jahren zuvor, eher mit der Partymetropole Berlin oder dem Elend der Patchwork-Familie beschäftigen als mit der im Grunde einzigen und überwölbenden und schrecklichen Realität unserer Zerstörung des Planeten?

Diez führt drei Erklärungen an, ganz knapp zusammengefasst:

  • Die Komplexität des Themas überfordert uns dermaßen, dass wir nicht mal in der Lage sind, es zu benennen.
  • Der Neoliberalismus verhindert, Lösungen zu entwickeln.
  • Das Problem ist so existenziell, dass wir unfähig sind, es zu erfassen – denn uns fehlen Bilder, Visionen, Sprache und Geschichten dafür (dazu auch ein interessanter Text aus der SZ, €).

Diez verknüpft seine Thesen mit einer Kritik am Journalismus, der es von wenigen Ausnahmen (der “Guardian”) abgesehen nicht geschafft habe, Formen zu finden, die die Bedrohung durch den Klimawandel wenigstens teilweise erklären. Und liefert dafür gleich eine Erklärung: die Scheu der Journalisten, zu Aktivisten zu werden.

Der Sommer der Extreme

aus der klimafakten.de-Redaktion

Feuer, Hitze, Dürre überall. In Griechenland sterben mehr als achtzig Menschen, die von der Flammenwalze eines Waldbrandes eingeschlossen wurden. In weiten Teilen Europas gefährdet monatelange Trockenheit die Ernten.

Wetterextreme wie diese werden infolge des Klimawandels häufiger – und wie sehr die Erdüberhitzung voranschreitet, zeigt auch eine Infografik des britischen Meteorologen Ed Hawkins, von der wir erstmals eine Version mit Daten für Deutschland veröffentlicht haben.
Und dann sind da die riesigen Waldbrände in Schweden. Mehr als alle anderen Hitzenachrichten dieses Sommers sind es die Bilder aus Schweden, die mir Angst machen. Vielleicht weil sie meine private Vorstellung von dem skandinavischen Land als eines sicheren, stabilen Rückzugsortes, als einer Art sicherer Hafen in einer Welt zunehmender Wetterextreme in Frage stellen. Angst: Nach Jahren der intensiven, beruflichen Auseinandersetzung mit dem Klimawandel springt mich dieses dunkle Gefühl in diesem Extremsommer geradezu hinterrücks an. Davon zu sprechen, fällt mir nicht leicht. Auch der Ausweg, die Angst wie gewohnt rational einzuhegen, will mir diesmal nicht recht gelingen. Allerdings:  Ungute Gefühle zu benennen und darüber ins Gespräch zu kommen, erscheint mir als ein erster Schritt der Auseinandersetzung.

Diese Auseinandersetzung wollen wir künftig auch bei klimafakten.de in einem neuen Format führen: So wollen wir Menschen, die auf die eine oder andere Art in der Klimakommunikation aktiv sind, künftig regelmäßig zu ihren Erfahrungen und Erlebnissen – und auch zu ihren Gefühlen befragen. Den Anfang unserer neuen Rubrik „Sechs Fragen an …“ macht der ARD-Meteorologe Karsten Schwanke.
Dass das Gespräch eine geradezu therapeutische Funktion hat, weiß auch der Wiener Umweltmediziner Hans-Peter Hutter. Im Interview mit klimafakten.de-Autor Claus Reitan sagt er: Angesichts der drohenden Erdüberhitzung sollten Ärzte mit ihren Patienten über die Folgen des Klimawandels für die Gesundheit sprechen – und auch öffentlich, politisch Stellung beziehen. Nach der politischen Sommerpause wird also weiter über Klimapolitik zu sprechen sein.
Mit, trotz allem, guten Wünschen für den Sommer,

Carel Carlowitz Mohn
aus der klimafakten.de-Redaktion

ARD Brennpunkt Klimawandel Sven Plöger und Prof. Lesch

Im ARD Brennpunkt zur Sommerhitze 2018 erklärt Sven Plöger den Einfluss des Klimawandels.
Anschließend ein Schnappschuss aus einem Vortrag von Harald Lesch zu dem Thema.

Christoph Albuschkat, in der Mainzer Urstrom Genossenschaft engagiert: “Zur Veranschaulichung: Wir müssen runter von 11 auf 3 Tonnen CO2 pro Kopf und Jahr in Deutschland. Also etwa -75 %. Im Durchschnitt! Sehr schnell!”

Handlungsroutinen
Aufbau neuer Handlungsroutinen

Der volle Vortrag von Harald Lesch.

Hitzewelle in Deutschland erklärt

Diese Hitzewelle über weite Teile der nördlichen Hemisphäre könnte wochen- und möglicherweise sogar monatelang anhalten. Und die beschleunigte Erwärmung in der Arktis im Vergleich zum Rest des Planeten könnte einen wichtigen Beitrag leisten. Jennifer Francis (Rutgers University), spricht im März 2018 über Wetteränderungen. Und wie hängen diese mit dem Klimawandel zusammen?

Übersetzt mit www.DeepL.com/Translator

This heatwave across much of the northern hemisphere could continue for weeks, and possibly even months. And accelerated warming in the Arctic compared to the rest of the planet could be a key contributor. https://www.newscientist.com/article/… Jennifer Francis (Rutgers University), speaks March 2018 about weather changes. And how are those related to climate change? Full talk https://www.youtube.com/watch?v=U2FxJ… Kai Kornhuber (Climate Analytics) 2016, explains Rossby waves, full release https://www.youtube.com/watch?v=MzW5I… WAPO News article https://www.washingtonpost.com/news/c… Jet stream https://en.wikipedia.org/wiki/Jet_stream Rossby wave https://en.wikipedia.org/wiki/Rossby_…

jet-stream
Unser CO2 Ausstoß destabilisiert das Klima, mit dem sich die Menschheit entwickelt hat.

Klimawandel in amerikanischen Medien

Deutsch Übersetzung eines Artikels von Lisa Hymas, Leiterin des Klima- und Energieprogramms bei Media Matters im GUARDIAN.

Welche Geschichten hast Du mehr in diesem Jahr gehört – wie der Klimawandel Katastrophen wie Hurrikane verschlimmert, oder wie Donald Trump Papierhandtücher nach Puerto Ricanern geworfen hat?

Wenn Du letzteres bejaht hast, hast Du viel Gesellschaft.  Die Wissenschaftlerin Jennifer Good analysierte zwei Wochen Hurrikan Abdeckung während der Höhe der Hurrikan Saison in acht großen TV-Netzwerken und fand heraus, dass etwa 60% der Geschichten das Wort Trump enthielten und nur etwa 5% den Klimawandel erwähnten.portugal-wildfire3

Trump saugt nicht nur den Sauerstoff aus dem Raum, er saugt das Kohlendioxid aus dem nationalen Dialog. Selbst in einem Jahr, in dem wir eine Reihe von Hurrikanen, Hitzewellen und Waldbränden erlebt haben, die dem Buch der Offenbarung würdig sind – genau das, was Klimawissenschaftler uns gesagt haben -, ist der Einfluss des Klimawandels auf extreme Wetterlagen dramatisch unterrepräsentiert. Einige von Trump Tweets erzeugen mehr nationale Reichweite als verheerende Katastrophen.

Good’s Analyse deckt sich mit der Forschung meiner Organisation Media Matters for America, die herausgefunden hat, dass die TV-Nachrichtenagenturen viel zu wenig über die gut dokumentierten Zusammenhänge zwischen Klimawandel und Hurrikanen berichten. ABC und NBC haben es beide völlig versäumt, den Klimawandel während ihrer Berichterstattung über Harvey anzusprechen, einem Sturm, der die schwersten Niederschläge verursachte, die jemals in den kontinentalen USA verzeichnet wurden. Als Irma kurz darauf zuschlug und den Rekord für Hurrikan Intensität brach, machte ABC nicht viel besser.

Noch schlimmer war die Berichterstattung über den Hurrikan Maria, den dritten Hurrikan, der in diesem Jahr in den USA landete. Nicht nur, dass die Medien den Klimaverbund weitgehend nicht abdeckten, sondern in vielen Fällen auch den Hurrikan selbst.

Am Wochenende, nachdem Maria in Puerto Rico eingedrungen war, widmeten die fünf großen politischen Talkshows am Sonntag insgesamt weniger als eine Minute dem Sturm und der dadurch ausgelösten humanitären Notlage. Und Maria bekam nur etwa ein Drittel so viele Erwähnungen in den großen Print- und Online-Medien wie Harvey und Irma, fanden Forscher des MIT Media Lab.

Als Trump Puerto Rico am 3. Oktober besuchte, fast zwei Wochen nachdem Maria die Insel überfallen hatte, erhielt er eine weitreichende Berichterstattung, in der Journalisten über seinen Papierhandtuchwurf und andere unerhörte Fehltritte berichteten. Aber nach diesem Trip stürzte die Berichterstattung über Puerto Rico in der Prime-Time Kabelnachrichten ein, wie Media Matters herausfand. Das, obwohl viele Bewohner bis heute unter Stromausfällen und einem Mangel an sauberem Wasser leiden, eine katastrophale Situation, die eine ernsthafte und nachhaltige Berichterstattung verdient.

Wissenschaftler haben uns gesagt, dass der Klimawandel Hurrikane intensiver und gefährlicher machen wird, eine unglückliche Realität, die nur allzu deutlich wird durch die rekordverdächtige Hurrikan Saison in diesem Jahr. Das sind genau die Dinge, die wir erwarten, wenn wir den Planeten weiter erwärmen”, sagte der Klimaforscher Michael Mann, ein angesehener Professor für Atmosphärenforschung am Penn State, zur Huffington Post.

Aber während fast drei Viertel der Amerikaner wissen, dass die meisten Wissenschaftler sich darüber einig sind, dass der Klimawandel stattfindet, glauben laut einer kürzlich durchgeführten Umfrage nur 42% der Amerikaner, dass der Klimawandel eine ernsthafte Bedrohung für sie während ihres Lebens darstellen wird. Zu viele glauben immer noch – zu Unrecht -, dass Klimakatastrophen nur etwas sind, was in Zukunft passieren wird. Sie geschehen jetzt.

In den ersten neun Monaten des Jahres 2017 wurden die USA von 15 Wetter- und Klimakatastrophen heimgesucht, die jeweils mehr als eine Milliarde Dollar Schaden anrichteten – im Falle der Hurrikane noch viel mehr. Der kombinierte Wirtschaftsschaden von Harvey, Irma und Maria könnte laut Moody’s Analytics 200 Mrd. Dollar oder mehr betragen. Und dann, im Oktober, haben noch nie dagewesene Waldbrände in Nordkalifornien geschätzte 3 Milliarden Dollar Schaden angerichtet.

Der Klimawandel kann schwer zu sehen und intuitiv zu erfassen sein. Es handelt sich um ein relativ langsames wissenschaftliches Phänomen, das durch Umweltverschmutzung aus aller Welt verursacht wird. Es ist normalerweise nicht dramatisch, wie eine Kandidatendebatte oder die Folgen eines Skandals im Weißen Haus zu beobachten.

Aber ein Extremwetterereignis ist ein Moment, in dem Menschen den Klimawandel sehen und fühlen können – und wenn sie Pech haben, werden sie ernsthaft verletzt. Wenn solche Katastrophen passieren, müssen die Medien sie als Geschichten über den Klimawandel berichten. Und wenn einige von ihnen, wie in diesem Jahr, in rascher Folge geschehen, haben die Medien eine noch größere Verantwortung, über die große Geschichte des Klimawandels zu berichten und der Öffentlichkeit zu helfen, die Unmittelbarkeit der Bedrohung zu verstehen.

Wenn wir die schlimmsten Folgen des Klimawandels abwehren wollen, müssen wir so schnell wie möglich zu einem saubereren Energiesystem übergehen. Wir könnten erwarten, dass mehr Amerikaner mit dieser Lösung mitgehen, wenn sie das Problem besser verstehen – und da kommt die kritische Rolle der Medien ins Spiel. Wenn das Wetter schlechter wird, brauchen wir unseren Journalismus, um besser zu werden.