Götterdämmerung

Unter dem Titel „Der Erdöl-Schlussverkauf“ wird in der FAZ die Situation der Erdölindustrie analysiert.

FAZ: Kaum einer hat den Schwächeanfall der Ölindustrie im vergangenen Jahr kommen sehen. Doch der Klimawandel könnte das Billigöl zum Normalfall machen. Sind fossile Brennstoffreserven tatsächlich nichts mehr wert?

Bitteschön, jetzt aber.  Das zeigt nur wie vernagelt, gierig und unfähig zur Interpretation ihrer eigenen Daten diese Leute sind. Der Zusammenhang zwischen CO2 und katastrophalem Treibhauseffekt auf der Erde war im Detail schon Jahre vorher bekannt.

Iran
Wie hier im Iran, immer mehr Menschen begreifen: Die Zahl 350 steht für Klimasicherheit. Um einen bewohnbaren Planeten zu erhalten, so sagen uns Wissenschaftler, müssen wir die Menge an CO2 in der Atmosphäre von derzeit 400 ppm (Teilchen pro Million) auf unter 350 ppm verringern. Wir glauben, dass eine globale Graswurzelbewegung unsere Politiker mit den wissenschaftlichen Fakten und Prinzipien der Gerechtigkeit in die Verantwortung nehmen kann. Wenn wir das schaffen, können wir damit beginnen, die Lösungen, die uns allen eine bessere Zukunft garantieren, umzusetzen.

FAZ „Es ist derzeit eine der spannendsten Kontroversen der Klimaschutzpolitik: Die These von den „gestrandeten Vermögenswerten“ (stranded assets) hat binnen kurzer Zeit die Debatte um fossile Brennstoffe auf den Kopf gestellt. Viele Jahre lang drehte sich die Energiedebatte um die Frage, ob der Welt das Öl ausgeht (peak oil). Jetzt dagegen lautet die Warnung, dass womöglich viel mehr Öl da ist, als gebraucht wird.

Seit dem vergangenen Jahr haben sich die Ölpreise rund halbiert, kaum ein Energiefachmann hatte diesen Schwächeanfall kommen sehen. Doch die These von den gestrandeten Vermögenswerten legt nahe, dass der Klimawandel das Billigöl zum neuen Normalfall machen wird. Das Argument lautet: Ölquellen, Gasfelder und Kohleminen seien sehr viel weniger wert als bisher angenommen. Denn ein Großteil der noch vorhandenen Reserven an fossilen Brennstoffen könne nie verbrannt werden, weil dadurch viel mehr Kohlendioxid freigesetzt würde, als das Weltklima verkrafte. Früher oder später würden deshalb Klimaschutzmaßnahmen zwangsläufig die überschüssigen Reserven an Kohle, Öl und Gas wertlos machen.“

Hoffentlich werden dafür auf dem Weltklimagipfel im Dezember in Paris die richtigen Signale gesetzt.

Malaysia
Menschen in Malaysia unterstützen die Ziele von 350.org

FAZ: „Aus dieser Argumentation wird dann die Forderung an Konzerne wie Exxon-Mobil, Shell und BP abgeleitet, kein Geld mehr in die teure Suche nach neuen Ölquellen zu stecken. Wozu auch, denn die Welt habe ja schon heute mehr Öl, als sie gebrauchen könne. Die Unternehmen sollten die eingesparten Milliarden besser an ihre Aktionäre ausschütten und diese das Geld in erneuerbare Energien reinvestieren.“

Ausschüttungen finde ich verantwortungslos. Die sollen erst mal für die angerichteten Schäden haftbar gemacht werden. Natürlich muss auch den Mitarbeitern eine Alternative geboten werden, also in erneuerbare investieren.

FAZ „Die Internationale Energieagentur (IEA) schätzt, dass zwei Drittel der fossilen Brennstoffreserven in der Erde bleiben müssen, wenn der globale Temperaturanstieg auf die von Klimaforschern angemahnten 2 Grad Celsius begrenzt werden soll. Fachleute der amerikanischen Großbank Citigroup erwarten, dass deshalb bis zur Mitte des Jahrhunderts Kohle, Öl und Gas im Wert von rund 90 Billionen Euro „stranden“. Die britische Notenbank warnt schon, eine abrupte Abwertung von fossilen Brennstoffen könnte die Stabilität des globalen Finanzsystems bedrohen. Schließlich zählen die Ölriesen bisher zu den wertvollsten Unternehmen der Welt.“

Und dann können wir Steuerzahler diese Steuerflüchtlinge wieder retten.  Besonders heftig werden die Verwerfungen um die Ölstaaten. Saudi Arabien ohne Öl-Reichtümer? Ja, bitte schnell, das hilft sehr im Kampf gegen den IS Terror.

FAZ “ Viele Investoren haben sich der „Divest“ Bewegung angeschlossen

Im Ringen um den Klimaschutz entwickelt derzeit kaum ein Argument eine solche Durchschlagskraft wie dieses. Am Kapitalmarkt beginnen langfristig orientierte Investoren Geld aus fossilen Brennstoffen abzuziehen – aus Sorge um ihre Reputation, aber auch, weil sie das Entwertungsrisiko ernst nehmen. Bisher trifft dieser Anleger-Boykott vor allem die besonders klimaschädliche Kohle. Norwegens Staatsfonds, der größte der Welt, will nicht mehr in Kohleaktien investieren. Große Versicherungen und Banken wie Axa und Bank of America kündigten ähnliche Schritte an.

Schätzungen zufolge haben sich mittlerweile Investoren mit einem verwalteten Vermögen von 2,3 Billionen Euro dieser „Divest“-Bewegung angeschlossen. Damit hat sich das Volumen binnen eines Jahres mehr als verfünfzigfacht. Sollten die Staats- und Regierungschefs auf dem Klimagipfel der Vereinten Nationen im Dezember in Paris energischere Maßnahmen gegen den Klimawandel beschließen, könnte sich dieser Trend verstärken.“

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Bill Mc Kibben, Foto Jennifer Esperanza

…. hat die globale Klimabewegung auch hart für gekämpft, speziellen Dank an 350.org Bill McKibben.

FAZ „Die These der gestrandeten Vermögenswerte ist allerdings umstritten. Einerseits könnte der technische Fortschritt in Zukunft doch eine klimaschonende Nutzung fossiler Brennstoffe möglich machen. Andererseits wischen Ölmanager die Bedenken bisher als unrealistische Gedankenspiele zur Seite mit der Begründung, der globale Energiehunger sei schlicht zu groß, als dass fossile Brennstoffe wertlos werden könnten. Sie verweisen auf Prognosen der IEA, nach denen die Welt auch im Jahr 2040 noch drei Viertel ihres Energiebedarfs mit fossilen Brennstoffen decken werde.“

… noch ein allerletzter Versuch der Realitätsverweigerung.  Leute, dieses Risiko wollen wir für unseren Planeten nicht eingehen, denn wir haben keinen Plan B.

FAZ “ Doch auch wenn der Verbrauch so schnell nicht verebben sollte, ist eine frühzeitige Reserven-Entwertung vorstellbar, denn schon die Angst vor einem künftigen Wertverlust könnte dazu führen, dass fossile Brennstoffe in einer Art Schlussverkauf zu Niedrigpreisen verramscht werden. Mehr als 70 Prozent der Ölreserven werden vom Ölstaatenkartell Opec kontrolliert. Beim heutigen Förderniveau würde es bis ins Jahr 2105 dauern, bis das Kartell seine Reserven vollständig ausgeschöpft hätte. Es wäre deshalb nur vernünftig, dass sich die Opec schon heute Gedanken darüber macht, ob es im nächsten Jahrhundert noch einen Ölmarkt gibt.

Der Schlussverkauf fängt also womöglich an, lange bevor das Erdölzeitalter zu Ende geht. Denn folgen die Ölstaaten der These der gestrandeten Vermögenswerte, müssen sie alles daransetzen, ihre Fördermengen zu steigern, um ihren Ölschatz zügig in Einnahmen umzumünzen. Zwar würde das höhere Angebot wohl rasch den Preis deutlich drücken, aber es wäre immer noch besser, jetzt Abschläge in Kauf zu nehmen, als später womöglich ganz auf dem Öl sitzenzubleiben, weil es keinen Markt mehr dafür gibt. Die Klimadebatte wird die Spielregeln in der Ölindustrie radikal verändern und das Geschäftsmodell der Konzerne in Frage stellen. Nicht von heute auf morgen, aber auch nicht erst am Sanktnimmerleinstag, wie die Ölmanager glauben machen wollen.“

FAZ 15.10.2015, Markus Theurer, aus dem Herzen des europäischen Turbokapitalismus, London

Wir müssen verhindern, dass diese skrupellosen Menschen noch schnell alle Kohle-, Öl- und Gasreserven raushauen, weil sie sich in ihren teuren Villen, hinter hohen Mauern sicher fühlen.

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„Ende Gelände“ fordert die deutsche Klimabewegung von der RWE

 

Die Zukunft schmilzt

Ich habe gerade des Buch von Nick Reimer „Schlusskonferenz – Geschichte und Zukunft der Klimadiplomatie“  gelesen.  Franz Alt schreibt dazu auf seiner SONNENSEITE:

Summa Summarum: Dieses „Schluss-Konferenz“ -Buch „packt“ einen! Jeder, der sich wirklich für den Klimaschutz engagiert, sollte es unbedingt lesen! Es ist eines der, nein DAS spannendste Sachbuch, das der Rezensent je gelesen hat!

Ein Beitrag von Nick Reimer, erschienen im FREITAG, Ausgabe 30/15.

Erderwärmung Die Daten sind eindeutig. Bald könnte der Punkt erreicht sein, an dem der Klimawandel unumkehrbar wird. Doch die internationale Politik findet bisher keine Antwort

Der 9. Mai 2013 war ein gewöhnlicher Donnerstag. Der ADAC und die Post gaben den Start ihrer ersten Fernbuslinie von München nach Köln bekannt, der Aufsichtsrat des zukünftigen Hauptstadtflughafens BER verlangte „endlich ein realisierbares Eröffnungskonzept“. Kanada besiegte Schweden im Eishockey.

Ein ziemlich normaler Tag also. Und doch wird dieser Donnerstag in die Geschichte eingehen. Zum ersten Mal nämlich haben die Wissenschaftler der Forschungseinrichtung Mauna Loa auf Hawaii in der Luft eine Treibhausgaskonzentration von 400 pro Million Teile gemessen. „Was wir heute sehen, ist zu 100 Prozent von Menschen verursacht“, erklärte Pieter Tans von der US-Behörde für die Ozeane und die Atmosphäre, NOAA. So hoch wie an diesem 9. Mai sei die Treibhausgasbelastung der Atmosphäre zuletzt vor zwei Millionen Jahren gewesen.

Menschheit_Ausrottung

Die Bedingungen für atmosphärische Untersuchungen sind ideal auf dem 4.170 Meter hohen Vulkan Mauna Loa, die Höhenluft unterliegt kaum lokalen oder von Menschen verursachten Einflüssen – die nächsten Industrieschlote sind tausende Kilometer weit weg. Seit Beginn der Messreihe 1958 hat sich an der Ausrüstung und den Messmethoden nichts wesentlich verändert, die Wissenschaftler um Pieter Tans nehmen vier Proben pro Stunde. 1958 waren darin 315 Teile Kohlendioxid pro Million Teile Luft enthalten, 1970 waren es 324 „parts per million“, abgekürzt ppm.

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NOAA CO2 Oktober 2015

Als die Staatschefs der Welt 1992 auf dem Gipfel von Rio de Janeiro die Klimarahmenkonvention beschlossen, registrierten die Wissenschaftler bereits 354 ppm. Man wolle „gefährliche Störungen“ des Klimasystems der Erde vermeiden, heißt es in der Konvention. Seit 20 Jahren treffen sich jährlich die 195 Staaten, die unterschrieben haben, zur Vertragsstaatenkonferenz COP. Doch statt der klimatischen Entwicklung Einhalt zu gebieten, steigt Jahr für Jahr die Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre weiter an. In diesem Frühjahr registrierten erstmals alle Messstationen dieser Welt Werte oberhalb von 400 ppm.

Kipp-Elemente

Die Wissenschaft hat ziemlich genau berechnet, ab welchem Punkt „gefährliche Störungen“ eintreten werden. Jenseits von einer Konzentration von 450 ppm wird die globale Oberflächentemperatur um zwei Grad im Durchschnitt steigen – ein Punkt, ab dem sich die Erderwärmung aller Voraussicht nach verselbstständigen wird. Die Forschung hat sogenannte Kipp-Elemente ausgemacht, die Permafrostböden zum Beispiel. Unter der dauergefrorenen Erde Sibiriens und Nordamerikas sind Abermilliarden Kubikmeter Methan eingesperrt. Wenn es austritt, heizt es den Klimawandel zusätzlich an. Der Effekt ist bei Methan 21 Mal so stark wie bei Kohlendioxid.

Tipping Point

An den Polen verläuft die Erderwärmung deutlich stärker als am Äquator, eine um zwei Grad gestiegene Globaltemperatur bedeutet dort fünf bis sechs Grad mehr. Deshalb ist dort ein zweiter Kipp-Punkt zu befürchten. Durch die Erwärmung schmelzen die „schwimmenden Spiegel“, das Eis auf dem Nordpol. Die unbedeckte Wasseroberfläche reflektiert aber die Sonnenenergie nicht mehr, das dunkle Meerwasser schluckt die Energie, speichert sie und beschleunigt so die Erderwärmung weiter. Mehr als zehn solcher Kipp-Elemente hat die Wissenschaft lokalisiert.

Die Klimadiplomaten haben auf ihrer Vertragsstaatenkonferenz im Jahr 2010 deshalb das Zwei-Grad-Ziel beschlossen. Dazu müssen die Emissionen spätestens 2020 jährlich sinken. 2050 sollen die Emissionen dann 80 Prozent unter dem Niveau von 1990 liegen und in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts muss die Wirtschaft praktisch ohne fossile Rohstoffe auskommen.

Deshalb – das ist Beschlusslage der Weltklimadiplomatie – sollen ab 2020 alle Staaten Klimaschutz betreiben. Das wird nur mit einem neuen Weltklimavertrag gehen: Im bestehenden Regime, dem Kyoto-Protokoll von 1997, müssen nämlich nur die Industriestaaten ihre Emissionen reduzieren. Sie sind für 80 Prozent aller Treibhausgase verantwortlich, weshalb sie sich im Kyoto-Protokoll verpflichteten, ihre Emissionen bis 2012 um 5,2 Prozent unter das Niveau von 1990 zu senken. Allerdings haben die USA als ehemals größter Kohlendioxid-Produzent das Protokoll nie in nationales Recht umgesetzt. China ist heute zum größten CO2-Verursacher aufgestiegen, Schwellenländer wie Brasilien, Indien, Saudi-Arabien oder Südkorea in die Top Ten der größten Klimasünder aufgerückt. Auch auf diese Veränderungen muss die Klimapolitik reagieren.

Seit Jahren wird nun um einen neuen Vertrag verhandelt, im Dezember findet der nächste große Klimagipfel in Paris statt. Er soll endlich eine Einigung bringen. Zugleich ist Paris aber auch die letzte Chance der Klimadiplomatie. Sollten die Staatsvertreter tatsächlich einen neuen Weltklima-Vertrag beschließen, blieben lediglich vier Jahre Zeit, um diesen zu ratifizieren, ihn also in nationales Recht umzusetzen. Beispielsweise muss der Deutsche Bundestag ein „Gesetz zur Ratifizierung des Paris-Protokolls“ beschließen. Der Bundesrat muss am Verfahren beteiligt werden. Die Erfahrung zeigt, dass dieser Prozess zeitraubend ist: Beim Kyoto-Protokoll dauerte es acht Jahre, bis genug Staaten an Bord waren und der Vertrag gültig wurde.

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Wie schwierig internationaler Klimaschutz ist, verdeutlichen die nackten Zahlen: In der Erdkruste sind insgesamt noch 12.000 Gigatonnen fossiler Kohlenstoff vorhanden – genug, um die globale Oberflächentemperatur auf über 50 Grad anzuheizen. Immer tiefer dringen die Ölkonzerne in die schmelzende Arktis vor, um den Schmierstoff des Kapitalismus zu fördern, immer tiefer werden Bohrungen in den Meeresboden gerammt, immer euphorischer werden neue Technologien wie das Fracking propagiert. Soll der globale Temperaturanstieg aber auf zwei Grad begrenzt werden, müssen 11.770 Gigatonnen dieses Kohlenstoffvorrats in der Erde bleiben. Verbrannt, also zu Treibhausgasen umgewandelt werden dürfen lediglich noch 230 Gigatonnen.

Die fossilen Konzerne sind die wirtschaftlich potentesten der Welt. In Russland, Saudi-Arabien, Angola oder Venezuela sind sie Staatskonzerne. Regierungsamtlich auf die Förderung von Öl und Gas zu verzichten, käme da faktisch einer selbstorganisierten Staatskrise gleich. Nicht von ungefähr kommen die größten Bremser des Prozesses aus diesen Staaten. Gesellschaften, die wie die USA, Katar, Australien oder Kanada ihren Reichtum auf das Fördern von fossilen Brennstoffen gründen, haben ebenfalls kein Interesse an einem Rückgang. Und warum sollte Wladimir Putin den Kohlenstoff in der Erdkruste belassen, wenn dies nicht einmal die deutschen Sozialdemokraten bei der Brandenburger Braunkohle in Betracht ziehen?

Es geht in der Klimadiplomatie aber längst nicht mehr nur um Treibhausgase: Beschlusslage ist ebenfalls, dass die Industriestaaten ab 2020 jährlich 100 Milliarden US-Dollar in den globalen Süden transferieren. Denn dort sind die Folgen der Erderwärmung bereits heute zu spüren. Stürme, Dürren und Überschwemmungen nehmen zu. Den Ländern fehlt aber oft das Geld, sich daran anzupassen. Für die Jahre bis 2020 stellten die Industriestaaten jeweils 2,5 Milliarden zur Verfügung, woher die fehlenden 97,5 Milliarden2015-05-29_SilentClimateParadeMainz_3 kommen sollen, ist derzeit völlig unklar. „Wir verhandeln über ein Umweltabkommen. Finanztitel werden nicht in Umweltabkommen festgeschrieben, sondern in den dafür vorgesehenen Foren und Mechanismen“, sagte der Schweizer Verhandlungsführer Franz Perrez. Finanzfragen würden von den Finanzministern und den Parlamenten entschieden – und zwar innerhalb der jährlichen Haushaltsberatungen. Nur was sind die Absichtserklärungen dann überhaupt wert?

 

Ökodiktatur vs. Ökokratie

Auf dem Spiel steht aber noch mehr als nur die Stabilisierung des Weltklimas. Die Klimakonferenz COP 21 wird in Paris auch darüber entscheiden, ob die Vereinten Nationen in der Lage sind, Menschheitsprobleme des 21. Jahrhunderts zu lösen. Keine andere multilaterale Organisation hat sich demokratische Prinzipien in dem Maße zu eigen gemacht wie die UNO. Jeder Staat hat eine Stimme, beschlossen werden kann gemäß UN-Statuten nur, was alle Staaten mittragen.

Sogar die Diktatoren dieser Welt haben sich bei der Klimadiplomatie auf diese Prinzipien eingelassen. Zudem hat jede Interessengruppe Zugang zu den Verhandlungen, Greenpeace genau so wie Indigenen-Vertreter, die Weltbank, Wirtschaftslobbyisten oder Frauenrechtlerinnen. Kein anderer Prozess in der Menschheitsgeschichte ist über zwei Jahrzehnte je transparenter verlaufen als die Klimadiplomatie unter dem Dach der UNO.

Ein neuerliches Scheitern der Klimadiplomaten würde zeigen, dass die Rivalität der Staaten um den Lagerplatz in der Atmosphäre nicht gemeinschaftlich zu lösen ist. Hans Joachim Schellnhuber, Chef des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, hatte bereits vor dem Klimagipfel in Kopenhagen gewarnt, wenn die Treibhausgasemissionen nicht schnell verringert würden, sei Klimaschutz nur noch „im Rahmen einer Kriegswirtschaft zu leisten“. Die Klimadiplomaten verhandeln darüber, ob die Kriegserklärung noch vermeidbar ist.

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Seit zehn Jahren diskutieren die Klimadiplomaten über das neue Abkommen, im Fall eines Scheiterns wird das System der Klimagipfel jede Legitimität verlieren. Die UNO wäre als Anlaufort für Menschheitsfragen schwer angeschlagen. In Paris haben die Klimadiplomaten zum letzten Mal die Chance, zu beweisen, dass demokratische Prozesse und Strukturen am besten für die Entfaltung der menschlichen Spezies sind.

Scheitern die Diplomaten, kommt das, was am Ende einer jeden Epoche auf die Spezies zukam: Verteilungskämpfe, Überlebenskämpfe, kriegerische Auseinandersetzungen oder womöglich auch ein neuer Weltkrieg. Der Schriftsteller Dirk Fleck, von der taz einst als „Erfinder des Ökothrillers“ geadelt, entwarf in seinem Roman GO! Die Ökodiktatur von 1993 eine Welt im Jahr 2040, nach dem klimatischen Kollaps. Zur Linderung herrschen „Ökoräte“, die den Menschen den Speiseplan vegetarisch verordnen, Geld und Reisen abschaffen, Arbeitsdienste für das Überleben vorschreiben und Neubauten verbieten. Es ist eine Dystopie, die Hardcore-Variante einer möglichen Zukunft nach dem Kollaps.

Die andere Variante lieferte der Journalist und Autor Bernhard Pötter mit seinem Fragebuch: Ausweg Ökodiktatur? Pötter versucht der Diktatoren-Prophezeihung etwas entgegenzusetzen, er nennt es Ökokratie: „Die Ökokratie ist keine Ökodiktatur, die die individuellen Rechte grundsätzlich abschafft und alle Lebensbereiche autoritär gestaltet. Die Ökokratie fordert Beschränkungen, um die Freiheit zu erhalten. Denn die Freiheit in unserer Zeit ist nicht nur die Freiheit der Andersdenkenden. Heute ist sie auch die Freiheit der anderswo Lebenden und der Nachgeborenen.“

Nick Reimer ist Chefredakteur von klimaretter.info und Autor von Schlusskonferenz. Geschichte und Zukunft der Klimadiplomatie (Oekom)

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Was wenn das alles nur ein Scherz ist und wir bauen eine besser Welt für nix?

Hoffnungsschimmer

Der britisch-niederländische Ölkonzern Shell stoppt die Suche nach Öl in Alaska. Als Gründe nannte Shell mangelnden Erfolg und zu hohe Kosten. „Die Quelle wird versiegelt und verlassen.“ Weitere Bohrungen seien dort in „absehbarer Zukunft“ nicht geplant, teilte das Unternehmen in London mit.
Ein großer Erfolg der weltweiten Umweltbewegung. Am Samstag vorher noch hatte die Umweltschutzorganisation Greenpeace in mehr als 40 deutschen Städten gegen die Ölbohrungen von Shell in der Arktis protestiert. An den Tankstellen des Unternehmens klebten Aktivisten Protestaufkleber an Zapfsäulen und Werbeplakate.

Greenpeace-Klimaexperte Karsten Smid: „Wenige Wochen vor Beginn der UN-Klimakonferenz in Paris bohrt Shell nach Öl in der Arktis. Das zeigt die Rücksichtslosigkeit, mit der der Konzern an einem überkommenen Geschäftsmodell festhält.“ Shell müsse „die klimapolitische Amokfahrt“ stoppen.

Und jetzt ist STOPP.

Die finanziellen Belastungen für den Stopp bezifferte Shell auf etwa drei Milliarden US-Dollar, bezogen auf den Buchwert des Projektes. Weitere 1,1 Milliarden Dollar dürften für künftige Vertragsverpflichtungen anfallen.

Na also „geht doch“

Von Harpstedt nach Wildeshausen sind am Monatg, 5. Oktober 2015, knapp 50 Klimapilger gewandert. Die Wanderer wollen mit der Aktion „Geht doch! Ökumenischer Pilgerweg für Klimagerechtigkeit“ für Klimagerechtigkeit bei der UN-Klimakonferenz in Paris eintreten.

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Fotos: Ruth Kuczka

„Wenn jemand zu Fuß durch Länder wandert, will er sehen, was der Klimawandel mit dem Land und den Leuten macht und was getan werden muss“, erklärt Pastorin Elisabeth Saathoff. Das ist einer der Gedanken, die hinter der Aktion „Geht doch! Ökumenischer Pilgerweg für Klimagerechtigkeit“ stehen.

In Flensburg startete die Aktion am Sonntag, 13. September 2015. Zur UN-Klimakonferenz in Paris wollen die Wanderer am 28. November 2015 ankommen. Wolfgang Zarth aus Hamburg will den ganzen Weg zurücklegen: „Es bestärkt mich mit Gleichgesinnten zusammenzusein und nicht immer nur als Spinner zu gelten, weil ich Fahrrad fahre und im Winter auch Zuhause einen Pullover trage und dafür die Heizung nicht voll aufdrehe.“

Auf der Internetseite der Aktion „Geht doch!“ können sich Interessierte für einen Pilgertag oder längere Wegabschnitte anmelden.

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Science: Hilfe, es reicht bei weitem nicht

Quelle:Siencemag.org

Die internationale Staatengemeinschaft haben Verpflichtungen zur Reduzierung der Treibhausgase abgegeben. Viel zu wenig. Mit diesen schon sehr wackeligen Zusagen würde wahrscheinlich die globalen Durchschnittstemperaturen bis zum Jahr 2100 um 3,5 ° C steigen. Diese Modellierungsergebnisse wurden aktuell in Science veröffentlicht. Das ist weit mehr als die 2 ° C die von vielen politischen Entscheidungsträgern und Forschern als höchster Grenzwert nach gerade so verkraftbar angesehen werden.

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Die Analyse, ca. 2 Monate vor dem Treffen der Vereinten Nationen zu Verhandlungen für ein globales Klimaabkommen in Paris veröffentlicht, konzentriert sich auf die Emissionswerte, die die Staaten bisher zugesagt haben. Sie werden offiziell INDCs [intended nationally determined contributions] genannt. Bisher haben etwa 72 Staaten die für rund 65% der weltweiten Emissionen verantwortlich sind, INDCs eingereicht (mehr als 190 Nationen sollen sich beteiligen.) Größere Emittenten , die noch nicht abgegeben haben, sind Indien, Iran, Indonesien, Saudi-Arabien, Südafrika, Thailand, Türkei, Ukraine und Pakistan.

Mehr Infos auch bei  http://climateactiontracker.org/. Dort werden die INDCs mit Kriterien aus vielen unterschiedlichen Studien abgeglichen.

Das verändert Alles

Fossil Free und 350-org – hat sich mit Campact.de zusammengeschlossen um Naomi Klein’s „Die Entscheidung“, der Fim zum preisgekrönten Buch in Deutschland vorzustellen.

Termin: Sonntag 27.9.2015:

BABYLON

Rosa-Luxemburg-Str. 30, 10178 Berlin

 

Dieses Event wird eine exklusive Vorschau sein, bevor der Film in die Kinos kommt. Für alle unter Euch, die kein Englisch sprechen – der Film wird mit deutschen Untertiteln sein. Nach dem Screening werden wir eine Panel-Diskussion (mit Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung DIW und anderen) haben.

Wir freuen uns auf Euch!

Trailer:
http://www.youtube.com/watch?v=IpuSt_ST4_U

Über den Film:
„Was ist, wenn unsere Konfrontationen mit der Klimakrise die beste Chance ist, die wir jemals bekommen, um eine bessere Welt aufzubauen?“

Gefilmt an 211 Tagen in neun Ländern und fünf Kontinenten über vier Jahre hinweg – „Die Entscheidung“ ist ein epischer Versuch, sich der überwältigenden Herausforderung des Klimawandels auf einer neuen Art und Weise zu stellen.

Regie führte Avi Lewis, der sich von Naomi Klein’s internationalem Sachbuch-Bestseller „Die Entscheidung“ hat inspirieren lassen und sieben kraftvolle Portraits von Gemeinschaften aufzeigt, die an vorderster Front leben, von Montana’s Flußbett des Powder Rivers bis zu Alberta’s Teersand, von der Küste Südindiens bis nach Peking und darüber hinaus.

Verwoben mit diesen Geschichten ist Klein’s Erzählung, die den Kohlenstoff in der Luft mit dem wirtschaftlichen System verbindet, das ihn dort hingebracht hat. Durch den Film hinweg, schlägt Klein die Brücke zu ihrer kontroversesten und aufregenden Idee: Dass wir die existentielle Krise des Klimawandels ergreifen können, um unser gescheitertes Wirtschaftssystem umzuwandeln, in etwas fundamental Besseres.

10 Fakten zur UN-Klimakonferenz in Paris

Ein Beitrag von BIORAMA

1. Die UN-Klimakonferenz ist das Gipfeltreffen der internationalen Klimaschutzpolitik

Die UN-Klimakonferenz, auch COP21 genannt, findet bereits das 21. Mal statt und wird von der UNO organisiert. Sie bildet die jährliche Vertragsstaatenkonferenz der UNFCCC (United Nations Framework Convention on Climate Change), die sich zur Aufgabe gemacht haben, den anthropogenen Klimawandel zu verlangsamen und seine Folgen zu mindern. Die UN-Klimakonferenz ist deshalb dafür verantwortlich, völkerrechtliche Maßnahmen in Form von Protokollen festzusetzen und so Klimaschutzpolitik auf internationaler Ebene zu betreiben.

An das Klimaabkommen, das bald in Paris beschlossen werden soll, werden hohe Erwartungen geknüpft. Vorab wurde bereits ein 90-seitiger Verhandlungstext von den Mitgliedsstaaten verfasst, in denen alle gewünschten Punkte für das bevorstehende Klimaabkommen genannt werden. Die erste „Conference of the Partners“ (COP) fand 1995 in Berlin statt und verfolgte damals das Ziel, umweltschützende Verpflichtungen zu verschärfen.

Bundeshauptstadt Bonn 1995
Angela Merkel war bei der COP1 schon eine wichtige Akteurin © Wikipedia

2. Die UN-Klimakonferenz 2015 ist eine Massenveranstaltung

Auch 2015 nehmen alle 194 Mitgliedsstaaten der Klimarahmenkonventionen  an der Konferenz teil. Darunter befinden sich Politiker, Umweltaktivisten sowie Organisationen, die während der Verhandlungen jeweils ihre Interessen für das Klimaabkommen vertreten. Um sich besser zu organisieren werden die teilnehmenden NGOs in vier Gruppen geteilt, in Wirtschafts-, Wissenschafts-, Gewerkschafts- und Umweltorganisationen. Die Zivilbevölkerung soll von der Klimakonferenz nicht ausgeschlossen werden, deshalb werden jährlich tausende Plätze mit verpflichtender Anmeldung vergeben. Und der Andrang in diesem Jahr ist groß: Ingesamt werden heuer 196 Parteien, 40.000 Teilnehmer und 3000 Journalisten in Paris erwartet, die COP21 wird also ein richtiges Massenevent.

Smog over Almaty
Smog in Almaty, Kasachstan © Wikipedia

3. Frankreich ist der diesjährige Gastgeber der 21. Klimakonferenz

Frankreich ist Austragungsort der UN-Klimakonferenz 2015. Die Verhandlungen werden von 30.November bis 11. Dezember in Bourget, nordöstlich von Paris, stattfinden. In der französischen Hauptstadt selbst werden ebenfalls sogenannte „Side Events“ für alle Teilnehmer der COP21 zum Thema Klimaschutz veranstaltet. Da Frankreich Schauplatz der Klimakonferenz ist, hat sich das ganze Land dem Klimaschutz verschworen. Als Vorsitz agiert der französische Außenminister Laurent Fabius. Gemeinsam mit anderen RegierungskollegInnen wie Laurence Tubiana, die französische Botschafterin für internationale Klimaverhandlungen, ist er für die Organisation und die Durchführung der Konferenz verantwortlich.

4. Das Kyoto Protokoll braucht dringend einen adäquaten Nachfolger

Das Kyoto-Protokoll gilt als erstes völkerrechtliches, verbindliches Klimaschutzabkommen, das 1997 bei der dritten Klimakonferenz in Kyoto beschlossen wurde. Darin wurden Industriestaaten zur Emissionsreduktion verpflichtet, um 5% weniger Treibhausgase zu produzieren. Wirklich in Kraft getreten ist das Abkommen erst 2005, als genügend Staaten den Vertrag unterzeichnet hatten. Die USA, einer der Big Player in Sachen CO2-Überschuss, sind dem Kyoto-Protokoll nie beigetreten. Der damalige President Bill Clinton hat zwar unterzeichnet, konnte das Umweltabkommen im Kongress nie durchsetzen. Schwellen-und Entwicklungsländer waren von diesen Emissionsgesetzen ausgeschlossen, was mittlerweile ein großes Problem darstellt. Das beste Beispiel dafür ist China, das mittlerweile die weltweite Emissions-Tabelle anführt.

Das Kyoto-Protokoll sollte eigentlich nur bis 2012 gültig sein. Da bis heute aber noch ein aktuelles Nachfolgerabkommen mit adäquaten Richtlinien  fehlt, wurde es bis 2020 verlängert. Große Erwartungen haben deshalb alle Teilnehmer an die  diesjährigen UN-Klimakonferenz, auf der ein neues Protokoll beschlossen werden soll.

5. Die COP21-Teilnehmer sind mit verschiedenen Problemen konfrontiert

Mit der UN-Klimakonferenz sind viele Schwierigkeiten verbunden. Zum einen gilt es Umweltprobleme, die jährlich drastisch zunehmen, mit völkerrechtlich verbindlichen Gesetzen in den Griff zu bekommen. Zum anderen versuchen aber vor allem Industrieländer, ihre wirtschaftlichen Interessen durchzusetzen und damit umweltschützende Vorkehrungen vornherein schon abzuschwächen. Ein weiteres Problem stellen Länder wie China und Indien dar, die weiterhin wirtschaftlich aufstreben und deshalb auch zunehmend CO2 emittieren. Sie zählen allerdings nach wie vor zu den Schwellenländern, weshalb bindende Beschränkungen zu erzielen in den Verhandlungen umso schwerer gelingt.

6. Das 2-Grad-Ziel hat oberste Priorität auf der Klimakonferenz in Paris

Was Umweltschützer schon lange prophezeien, begreifen langsam aber sicher auch immer mehr Nationen.  Aus diesem Grund soll das Klimaabkommen Ende 2015 klare Lösungsvorschläge zur Minderung der globalen Erderwärmung vorlegen. Der diesjährige  COP21-Schwerpunkt ist deshalb das sogenannte 2-Grad-Ziel. Bis 2050 sollen weltweite Emissionen um 40% bis 70% reduziert werden, damit der kritische Temperaturwert von 2 Grad Celsius nicht überschritten wird. Ein Ansteigen der Erdmitteltemperatur über diese 2-Grad-Grenze ist mit unvorhersehbaren Umweltfolgen verbunden.

Kleine Inselstaaten wie die Marshallinseln befürchten allerdings, dass das Reduktionsziel bis 2050 zu wenig ist. Sie sind von den Folgen des Klimawandels besonders betroffen und fürchten einen hohen Anstieg des Meeresspiegels. Kritik hagelt es auch von Umwelt-NGOs, die Angst vor einem zu lockeren Abkommen haben, indem nur die einzelnen Interessen der Industriestaaten verfolgt werden.

7.  Der Clean Power Plan soll die USA aus der Emissionskrise helfen

Wenn sich kleine Nationen um mehr Umweltschutz auf staatlicher Ebene bemühen, ist das schön und gut – und natürlich auch wichtig – aber um eine längerfristige, globale Veränderung zu erzeugen, braucht es ebenfalls die Unterstützung der Hauptakteure: An zweiter Stelle der Top-Umweltverschmutzercharts, direkt nach China, sind die USA. 2012 waren die United States allein für 12,64 Prozent der weltweiten Emissionen verantwortlich. Eine unvorstellbare Zahl, die ein einziger Staat nicht tragen dürfte. Um die CO2-Emissionen zu minimieren, hat Präsident Barack Obama deshalb im August den Clean Power Plan veröffentlicht. An oberste Stelle steht dabei die landesweite Reduktion von Kohlekraftwerke, die immerhin noch 37% des gesamten Stroms in den USA herstellen. Erneuerbare Energien sollen in Zukunft die passende Alternative bieten. Der Power Plan gilt damit als schärfste Klima-Maßnahme, die jemals von den USA vorgeschlagen wurde.

Mit folgendem Video wird der Clean Power Plan beworben – laut Obama „für unsere Kinder, für die Gesundheit und die Sicherheit von allen Amerikanern“.

8. Der Klima-Beitrag der EU liefert Stoff für Kritiker

Die Europäische Union legte bereits am 6. März 2015 Vorschläge zu emissionsreduzierenden Maßnahmen vor. Das Ziel, das die EU dabei vor Augen hat, sieht folgendermaßen aus: Bis 2030 sollen 40% weniger Treibhausgase, verglichen mit dem Stand 1990, in die Atmosphäre gelangen. Gegen den vorgelegten Klimabeitrag gibt es aber seitens Umweltschützern heftig Kritik: Die Perioden, in denen die Vorschriften aktualisiert und geändert werden sollen, dürften nicht in Zehn-Jahresschritten festgesetzt werden.  Viel eher sollten diese alle fünf Jahre überarbeitet werden. Außerdem seien 40% laut Umweltschützern noch zu wenig, um eine positive Veränderung der umwelttechnischen Situation zu bewirken.

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9. Abseits der Verhandlungen gibt es auch was fürs Auge 

Im Zuge der Klimakonferenz wird es nicht nur hitzige Diskussion geben, sondern auch eine eigens dafür veranstaltete Ausstellung. „Solutions COP21“ heißt sie und wird unter dem Motto „L’expérience climat“, also „Erfahrung Klima“, im Grand Palais in Paris stattfinden. Von 4. bis 10. Dezember werden dort Innovationen rund ums Thema Klimawandel ausgestellt und präsentiert. Über 100 Aussteller finden sich im Palais, darunter internationale NGOs, Forschungsinstitute, öffentliche Organisationen und Firmen. Der Eintritt ist frei und für jeden zugänglich.

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10. Es gibt keine Klimakonferenz ohne Demonstration

Im Zuge der Klimakonferenzen, wie auch der Gipfeltreffen kommt es immer wieder zu Demonstrationen. Klimaschutz geht eben alle was an –das wollen auch bei der diesjährigen UN-Klimakonferenz viele aus der Zivilbevölkerung wieder zum Ausdruck bringen. Deshalb findet am 12. Dezember, am Tag nach dem offiziellen Ende der Konferenz, eine weltweite Großdemonstration statt.

 

Syrisches Elend: Ursachen

Klimawandel, Dürre, Bush, IS, Assad, Bürgerkrieg

Den Irakkrieg von Georg W. Bush, IS und Assad, diese Ursachen des Elends sind mittlerweile weitläufig bekannt. Wie die Erderwärmung politische Konflikte befeuert, erklärt Klimaforscher Stefan Rahmstorf im Interview mit der Frankfurter Rundschau.

Syrien wurde in den Jahren 2007 bis 2010 von der schlimmsten Dürre in der mehr als 100-jährigen Geschichte der dortigen Wetteraufzeichnungen heimgesucht. Die Folgen: Ernteausfälle, verendetes Vieh, Armut.  Wohlhabende Staaten kämen mit einer Dürre zurecht, so der Experte.

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Veränderungen der Niederschläge im Mittelmeerraum. „Climate scientists have been warning for over a decade that global warming is going to produce environmental stresses and severe weather patterns that will have devastating impacts on countries that are none too stable to begin with.“

Professor Rahmstorf, der Bürgerkrieg in Syrien eskaliert und erzeugt immer mehr Flüchtlinge. Der Konflikt begann jedoch schon vor vier Jahren, nach einer schweren Dürreperiode im Land. Haben Dürre und Gewalt etwas miteinander zu tun?
Der Ausbruch von Unruhen und Gewalt hat natürlich immer eine ganze Reihe von Ursachen, darunter vor allem politische und gesellschaftliche Voraussetzungen. Eine wohlhabende, stabile Demokratie wie die USA kommt auch mit einer Dürre zurecht. Leider gibt es auf der Erde aber auch viele verletzliche und schwache Staaten, wo Naturkatastrophen oder Ernteausfälle durchaus ein Auslöser für Instabilität sein können – insbesondere wenn die Regierung bei der Bewältigung der Situation versagt oder überfordert ist. Ein 2013 in der Fachzeitschrift Science publizierter Überblick über 60 einzelne Studien zeigte, dass Abweichungen von normalen Niederschlägen und erhöhte Temperaturen systematisch die Gefahr von Konflikten erhöhen.

Gibt es konkrete Hinweise zu Syrien?
Eine weitere Studie hat belegt, dass zahlreiche gewaltsame Proteste in Nordafrika und dem mittleren Osten in den Jahren 2008 und 2011 gerade mit den beiden großen Spitzen der Nahrungsmittelpreise auf dem Weltmarkt zusammenfallen. Auch die Weltbank findet in einem Report aus dem letzten Jahr einen Zusammenhang des „arabischen Frühlings“ mit den durch Missernten bedingt hohen Nahrungsmittelpreisen plausibel, wenn auch kaum beweisbar. Was die Lage in Syrien angeht: Fakt ist, dass das Land in den Jahren 2007 bis 2010 von der schlimmsten Dürre in der mehr als 100-jährigen Geschichte der dortigen Wetteraufzeichnungen heimgesucht wurde. Ernten blieben aus, sehr viel Vieh verendete.

Was genau geschah in Syrien als Folge davon?
Rund anderthalb Millionen Menschen flohen aus Not aus den ländlichen Gebieten Syriens und suchten Zuflucht in der Peripherie großer Städte wie Homs und Aleppo. Dort gab es Arbeitslosigkeit, Überfüllung, unzureichende Infrastruktur und Kriminalität, und daher eine massive Unzufriedenheit. Dort lag dann auch die Keimzelle der syrischen Revolte – die aber, das muss noch mal betont werden, natürlich eine ganze Reihe von Gründen hatte.

Welche Schuld trägt das Assad-Regime an der Eskalation?
Die Eskalation war im Wesentlichen sicher eine politische. Aber schon im Vorfeld der Dürre gab es Fehler. Eine dieses Jahr in den renommierten Proceedings of the National Academy of Sciences der USA erschienene Studie sieht einen wichtigen Grund für den massiven Einbruch der Landwirtschaft in einer verfehlten, nicht nachhaltigen Agrarpolitik: wie Satellitendaten zeigen wurden die Grundwasservorräte übernutzt, was Syrien dann sehr anfällig in der Dürre machte. Der Fluss Chabur, ein Zufluss des Euphrat, trocknete aus. Später versagte das Regime dann dabei, den von der Dürre betroffenen Menschen zu helfen.

Die globale Erwärmung führt nach Voraussagen des UN-Klimarats IPCC verstärkt zu Dürren und Missernten. Könnten dadurch weitere „Syriens“ entstehen?
Die schon genannte Studie zeigt, dass bereits die schwere syrische Dürre wahrscheinlich eine Folge der globalen Erwärmung war. Da die Dürren weiter zunehmen werden und es in absehbarer Zeit auch weiterhin fragile Staaten geben wird, dürfte durch die globale Erwärmung die Zahl der Flüchtlinge in den nächsten Jahrzehnten weiter zunehmen. Der Klimawandel ist hier ein zusätzlicher Faktor, aber natürlich haben Flüchtlingsströme immer mehrere Auslöser.

28 Billionen Dollar Blase

Unternehmen aus dem fossile Energiesektor sind laut einer Studie der Großbank Kepler Chevreux um 28 Billionen Dollar überbewertet

Wenn das Zwei-Grad-Ziel erreicht werden soll, muss der Großteil der heute bekannten fossilen Rohstoffe im Boden bleiben.  Schätzungen gehen von deutlich über 60 Prozent aus.

Blase
Bild: © shutterstock.com-Panacea Doll

Experten sprechen von der Carbon Bubble die durch aufgeblähte Unternehmen verursacht wird, deren Investitionen in eine fossile Zukunft mit der Realität nicht mehr vereinbar sind. Sie verursachen sehenden Auges stranded Investments – in Billionenhöhe.

BundeshaushaltCO2Blase
CO2 Finanzblase im Vergleich zum Haushalt der Bundesrepublik Deutschland, 2014

Der Fossil-Sektor wurde in den letzten hundert Jahren zu einem gigantischen Anker der Finanzmärkte, einer der nach unten zieht. Es drohen Verluste für Anleger und Aktionäre. Ganze Städte und die größten Pensionsfonds weltweit streben daher nach einem neuen Ziel – dem Divestment. Die Verantwortung für die Zukunft wird ernst genommen – Geld darf nicht in die Zerstörung dieser Zukunft fließen.

350.org Aktionsplan Pariser Klimagipfel

RtP-Timeline-GraphicMehr Infos auf der Website con 350.org

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Meldung des ersten „Power Through Paris workshop“ in Europa: Josefsstr. 12 in Mainz/Germany am 11 Oktober 2015.

Anmeldung in Mainz am 1. November

 

350.org ist eine vom US-amerikanischen Autor und Umweltaktivisten Bill McKibben gegründete internationale Klimaschutz-Organisation. Ziel von 350.org ist der Aufbau einer weltweiten Graswurzelbewegung zum Klimaschutz. Neben der Bewusstseinsbildung hinsichtlich der menschengemachten globalen Erwärmung sowie der Folgen des Klimawandels, geht es der Organisation auch darum, die Argumente von Klimaskeptikern wissenschaftlich zu widerlegen.

350.org entlehnt seinen Namen einer 2008 veröffentlichten Studie des NASA-Klimaforschers James Hansen, die besagt, dass der Gehalt von Kohlenstoffdioxid in der Erdatmosphäre 350 parts per million (ppm) nicht überschreiten darf, wenn das 2-Grad-Ziel erreicht und ein Kippen des globalen Klimasystems mit irreversiblen Folgen verhindert werden soll.[1][2] Da der derzeitige Wert mit rund 400 ppm bereits deutlich über der von Hansen genannten Grenze liegt, fordert 350.org eine sofortige und drastische Reduktion der CO2-Emissionen[3], den Verbleib von 80 Prozent aller weltweiten fossilen Brennstoff-Reserven im Boden[4] sowie das Binden von bereits in der Atmosphäre befindlichem CO2 mittels Geo-Engineering.

Im September 2014 wurde die Organisation, gemeinsam mit Ihrem Gründer Bill McKibben, mit dem Right Livelihood Award, dem sog. Alternativen Nobelpreis, „für die erfolgreiche Mobilisierung einer wachsenden zivilgesellschaftlichen Bewegung für weitreichende Maßnahmen gegen den Klimawandel in den Vereinigten Staaten und weltweit“ ausgezeichnet.

Quelle: Wikipedia.de

Mainz, Wiesbaden und Umgebung

Auf nach Paris am 12.12.2015

nach der sehr erfolgreichen EndeGelände Aktion im rheinischen Braunkohlerevier, an der auch vielen Menschen aus dem RheinMain-Gebiet beteiligt waren, will eine Initiativgruppe euch gerne zu einem Treffen in Mainz einladen um gemeinsam zu schauen wie wir weitermachen.

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Das Interesse an der Aktion, die Veranstaltungen im Vorfeld und die schon an verschiedenen Stellen aufpoppenden Diskussionen über Sinn und Unsinn des Gipfelprotests in Paris machen deutlich das es ein Interesse in der Region gibt klimapolitisch aktiv zu werden und evtl. sogar eine lokale Klimagruppe auf die Beine zu stellen.

Deshalb würden wir uns gerne treffen um weiter mit euch ins Gespräch zu kommen und gemeinsam zu diskutieren was dahingehend so möglich ist, wie wir zur Mobilisierung in Paris stehen und welche Projekte es sonst geben könnte.

Kohleausstieg jetzt!

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Ein paar Leute aus Mainz haben sich deshalb auf dem Klimacamp im Rheinland zusammen gesetzt und wir sind zu dem Schluß gekommen, dass wir uns gerne treffen würden um weiter ins Gespräch zu kommen.

Mehr Infos über          klimarheinmain   @    riseup   .  net

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