Rekordjahr 2016: die wichtigsten Daten und Grafiken, die jeder kennen sollte

Neulich auf einer Party. Alle schimpfen über Donald Trump. Wie dumm der doch ist, wie verhaltensgestört.
 Dann kommen wir auf das Thema Klimawandel, ob das ein dringliches Thema ist. "Ich glaube das Klima hat sich schom immer geändert, damit haben wir nichts zu tun. Aber ich weiß, du bist da etwas esoterisch, ich halte es mehr mit der Wissenschaft.

Ich war geschockt. Trump "akternative Fakten" in Reinkultur. Die anschließende Diskussion offenbarte eine Unwissenheit über das Thema "Klimawandel" die einfach nur erschreckend genannt werden kann.
 Gut gebildet, sehr wohlhabend, "white old man".

Hier mal so einige Ereignisse die der Wissenschaftler Stefan Rahmstorf in seinen Blog gestellt hat.

Das Jahr 2016 war global das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen im 19. Jahrhundert. Darin stimmen sämtliche Datensätze der Oberflächentemperaturen überein. Das gilt übrigens ebenso in allen Satellitendaten für die Temperaturen der Troposphäre.

Abb. 1 Die fünf gängigen Datensätze der globalen Oberflächentemperatur. Jahreswerte bis einschließlich 2016. Grafik: Gavin Schmidt, NASA.

Die globale Erwärmung schreitet also immer weiter voran – wer sich Hoffnungen auf eine Verlangsamung gemacht hat, ist Wunschdenken erlegen. Drei Rekordjahre in Folge (2014, 2015 und 2016) hat es noch nie gegeben.  Laut NASA hat unser Planet 16 seiner 17 wärmsten Jahre seit 2001 erlebt. (Die einzige Ausnahme unter den Top 17 ist 1998 – der bislang größte kurzfristige Ausreißer dank eines Rekord-El-Niño im tropischen Pazifik.) Auch 2016 hat durch El Niño einen zusätzlichen Push nach oben bekommen – nach verschiedenen Abschätzungen zwischen 0,12 °C und 0,17 °C. Der allergrößte Teil der Wärmeanomalie ist also eine Folge des vom Menschen verursachten langfristigen Erwärmungstrends. Auch ohne El Niño hätten 2015 und 2016 Rekorde gesetzt.

Die verschiedenen Studien, die die relativen Anteile von natürlichen Schwankungen und anthropogener Erwärmung seit 1950 abgeschätzt haben, erhalten konsistent einen anthropogenen Anteil von um die 100%. Die Rekordwärme fällt mit einer besonders schwachen Sonnenaktivität zusammen (Stichwort „kalte Sonne“), die manche – wohl vor allem politisch motivierte – Autoren in den letzten Jahren schon von einer Abkühlung fabulieren ließ.

Abb. 2 Temperaturabweichung in 2016 vom Mittelwert 1951-1980. Daten: Berkeley Earth, Grafik: Robert Rohde.

Ein Blick auf den Pol enthüllt zwei interessante Aspekte der Erwärmung. Erstens sieht man auch 2016 die Kälteblase im Nordatlantik, die von einer wachsenden Zahl von Klimaforschern auf eine Abschwächung des Golfstromsystems zurückgeführt wird. Zweitens sieht man die horrende Erwärmung der Arktis, wo die Wärmeanomalie in größeren Gebieten teils deutlich über fünf Grad betrug. Diese überproportionale Erwärmung der Arktis geht mit dem rapiden Schwund des Meereises dort einher. Wobei wir schon beim nächsten Thema wären.

Das Meer- und Landeis

Die Eisdecke auf dem arktischen Ozean hat in ihrem Sommerminimum im September knapp den Negativrekord von 2012 verfehlt und ist „nur“ auf Rang zwei gelandet (gleichauf mit 2007). Dafür gab es dann im Oktober und im November weniger Eis als je zuvor in diesen Kalendermonaten seit Beginn der Satellitenmessungen.

Abb. 3 Eisausdehnung in der Arktis im Sommerminimum 2016. Zum Vergleich die mittlere Eisgrenze im Sommerminimum der Jahre 1981-2010 (goldene Linie). Grafik: NASA.

Dazu ist auch am anderen Ende der Erde die Eisdecke auf dem Südpolarmeer regelrecht abgestürzt und hat im November ein Rekordtief erreicht. Die folgende Grafik zeigt die gesamte Meereisdecke von beiden Polen zusammen. Im November/Dezember liegt sie weit unterhalb von allem, was früher gemessen wurde.

Abb. 4 Jahresgang der globalen Meereisausdehnung seit dem Beginn der Satellitenmessungen 1978.

Der Meereisschwund hat keinen direkten Einfluss auf den globalen Meeresspiegel, da das Meereis bereits im Wasser schwimmt. Allerdings geht mit dem Meereis ein Spiegel verloren, der die Polargebiete auch im Sommer kalt hält, indem er den größten Teil der ankommenden Sonnenstrahlen reflektiert. Der Eisverlust bedingt die in Abb. 2 gezeigte extreme Erwärmung der Arktis, die dann auch das Landeis von Grönland angreift. Auch diese gigantische Eismasse hat – Sie ahnten es – 2016 einen Negativrekord erreicht (Abb. 5).

Abb. 5 Die Eismasse Grönlands in Milliarden Tonnen, relativ zur Masse zu Beginn der GRACE Satellitenmission 2002. Quelle: NASA.

Auch das Kontinentaleis auf der Antarktis verliert immer mehr Masse.

Meeresspiegel

Womit wir beim globalen Meeresspiegel wären, der ebenfalls von Satelliten aus gemessen wird. Und der leider ebenfalls im Jahr 2016 ein Rekordniveau erreicht hat. Er steigt derzeit etwa um 3,4 Zentimeter pro Jahrzehnt.

Abb. 6 Globaler Meeresspiegel seit Beginn der Satellitenmessungen im Jahr 1993. Quelle: University of Colorado.

Für frühere Zeiten gibt es die Pegelmessungen und für frühere Jahrhunderte Proxydaten u.a. aus Küstensedimenten. Sie zeigen, dass der Anstieg im 20. Jahrhundert ein mehrfaches größer war als in den vorangegangenen 28 Jahrhunderten. Das ist logisch: ein Meeresspiegelanstieg ist eine zwingende physikalische Folge einer Klimaerwärmung (das Ozeanwasser dehnt sich bei Erwärmung aus, Landeis geht verloren), und die Erwärmung seit Beginn der Industrialisierung ist einmalig seit vielen Jahrtausenden.

Weblink

Guardian: We’re now breaking global temperature records once every three years

Offener Brief von über 700 US-Physikern an Donald Trump

Schwarzer Schnee

Die jetzt sich verstärkende Verdunkelung des grönländischen Eisschildes kann sich auf die ganze Welt auswirken. Weltweit führenden Experten, die die riesigen Eisflächen beobachten, sind fassungslos“. Im vergangenen Jahr  wurde das Eis  sehr viel dunkler.  Es besteht die Gefahr einer gefährlichen „Rückkopplungsschleife„. Es wird weniger Sonnenlicht reflektiert und die globale Erwärmung verstärkt.  Das kann mehr Waldbrände und noch mehr Ruß bringen.

Da die Arktis wärmer wird, brennen die Wälder im Norden wie nie zuvor in den letzten 10.000 Jahren.  Eine Bestandsaufnahme im August 2014:  Waldbrände und „schwere Dürren“ wechselten sich mit „Monsun“-Regenfällen in den westlichen Staaten der USA ab. Die extremsten Walbrände wüteten in den nördlichsten Gebieten unserer Erde: In Kanada, Sibirien und Schweden.

SchneeInGroenlandSchwarz

Mehr als 3,3 Millionen Hektar sind in diesem Jahr alleine in den kanadischen Northwest Territories verbrannt, fast neun Mal der langfristige Durchschnitt. Ergebnis: verkohlten Flächen,  größer als die US Bundesstaaten Staaten Connecticut und Massachusetts.

Für Kalifornien ist 2014 eines der schlimmsten Waldbrand-Jahre in der jüngeren Vergangenheit. Es ist bereits das dritte Jahr einer der schlimmsten Dürren in dem westlichen Bundesstaat seit Jahrzehnten. Durch starke Winde und extrem trockene Wälder werden die Brände weiter angefacht.

 

Mehr Infos:

darksnow.org

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