Die Welt brennt, aber die Versprechen der Staaten für Paris sind nicht einmal gut genug für das 2-Grad Ziel

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Dies erklärte Christiana Figueres, die Exekutivsekretärin der UN Rahmenkonferenz zum Klimawandel im Oktober. „Die Intended Nationally Determined Contributions“ (die beabsichtigten national festgelegten Beiträge) können den vorhergesagten Temperaturanstieg auf rund 2,7 Grad bis zum Jahre 2100 begrenzen, aber auf keinen Fall ausreichend.“ http://www.smh.com.au/environment/un-climate-conference/paris-2015-carbon-promises-lock-in-27-degrees-of-warming-un-says-20151030-gkmuw5.html

Auf diese Äußerung stieß mich wieder einmal der Umwelt-Journalist für die gemeinnützige, nutzerfinanzierte Nachrichtenquelle Truthout, Dahr Jamail. Jedes Jahr fasst er die neuesten, wissenschaftlich belegten Fakten zum Klimawandel zum Jahresende hin prägnant zusammen. Dieses Jahr kann man sein Résumée finden unter

http://www.truth-out.org/news/item/33756-cop21-too-little-too-late-temperature-co2-thresholds-breached-as-climate-disruption-intensifies

Als erstes zitiert er mehrere Quellen, die darauf hinweisen, dass die bisher schon in die Atmosphäre verbrachte CO2-Menge mindestens die von Frau Figueres zitierten 2,7 Grad Erwärmung verursachen wird, dass aber, wie James Hansen andere Wissenschaftler warnen, schon eine Erwärmung von einem Grad Celsius unaufhaltsame Feedback-Schleifen in Gang setzen könnten (siehe: http://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0081648 )

und dass dem Meterologischen Amt Großbritanniens zufolge in diesem Jahr dieses eine Grad Celsius globalen Temperaturanstiegs bereits überschritten wurde (siehe: UK Metereological Office: temp. rise more than 1°C).

Danach, und zwar unter dem Titel

The faux goal of 2 degrees Celsius continues to be discussed. Meanwhile, the planet burns.

weist Dahr Jamail auf die Folgen dieser globalen Erwärmung um ein Grad hin: Der Planet brennt.

Im übertragenen Sinn zeigen Hurricanes nie dagewesener Stärke (Hurricane Patricia in Mexiko) und noch nie aufgetretener Örtlichkeit (zwei Hurricanes in weniger als einer Woche in Jemen) die Wirkung dieses Brennens.

Chapalla Rainfall
Satellite-estimated rainfall totals from Tropical Cyclone Chapala.
 In den Ozeanen führt die Erwärmung zum rapiden Artensterben auf Korallenriffen, im offenen Meer und in der Arktis und Antarktis, und überall, von Papua Neu Guinea bis Alaska, von  Äthiopien bis Subsahara Afrika bedrohen Dürren oder Ernterückgänge als Folge des Klimawandels die Ernährung von Millionen von Menschen (50 Millionen allein in Afrika nach UN-Schätzungen).

 

Aber die Erde brennt auch ganz wörtlich. 2015 brachte die schlimmste Waldbrandsaison in USamerikanischer Geschichte, und in Indonesien gab es bis Mitte Oktober mehr als 100.000 einzelne Feuer, die bis dahin einen Schaden von über 30 Milliarden Dollar anrichteten und offiziell als die schlimmste Feuersbrunst der indonesischen Geschichte gilt.  Die folgende Weltkarte zeigt, wie sehr von die menschengemachte Klimaerschütterung Feuer auf der südlichen Halbkugel nährt.

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aktuelle Weltfeuerkarte, siehe: www.fire.uni-freiburg.de/current/globalfire.htm

Für uns Menschen beginnt in manchen Teilen der Erde die Luft schon zu brennen. In Ländern der Golfregion wie Quatar, Saudi Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate wird die Hitze und Feuchtigkeit bald nicht mehr zu ertragen sein. future temp in southwest Asia projected to exceed threshold for human adaptibility (die zukünftige Temperatur in Südwestasien wird voraussichtlich die Schwelle menschlicher Anpassungsfähigkeit überschreiten)

Golfregion
Die Hitze könnte in einem Jahrzehnt fast das ganze Jahr über die jetzt schon öfter erreichten, unerträglichen 45 °C und mehr erreichen.

Aber auch da, wo es immer kalt war und immer noch relativ kalt ist, brennt die Welt lichterloh. In Kanada, dem Norden der Vereinigten Staaten, in Eurasien gehen die Wälder, die ein Drittel des Weltwaldbestandes ausmachen, überraschend stark zurück. Man hat dies zuerst am zunehmenden Wegsterben des Elches festgestellt und nimmt mittlerweile an, dass sein gesamtes Ökosystem, der nördliche Wald, tiefen Veränderungen unterworfen ist, da die Durchschnittstemperatur gerade in den Polregionen und im Norden doppelt so stark zugenommen hat, wie im Rest der Welt. dramatischer Rückgang der nördlichen Wälder der Welt

Damit einher gehen die längst bekannten, aber selbst vom UN Klimarat immer noch nicht ausreichend berücksichtigten Feedback-Gefahren der Methanemissionen als Folge des Tauens der Permafrost-Regionen. Methan-Emmissionen-Gefahr

Und schließlich verweist Dahr Jamail darauf, dass und wie die Welt durch Wasser brennt, durch die vom El Nino ausgelösten sintflutartigen Regenfälle in Südkalifornien, Mexiko, Jemen zum aktuellsten Beispiel, aber auch und langfristig mit noch dramatischeren Folgen durch das Ansteigen der Meere aufgrund des beschleunigten Schmelzens der Eiskappen Grönlands und der Antarktis. Siehe:  Das schmelzende Antarktiseis könnte zu einem Meeresanstieg von 3 Metern führen und Der schnelle Rückzug des Zachariae Isström im Nordosten Grönlands