Rekordjahr 2016: die wichtigsten Daten und Grafiken, die jeder kennen sollte

Neulich auf einer Party. Alle schimpfen über Donald Trump. Wie dumm der doch ist, wie verhaltensgestört.
 Dann kommen wir auf das Thema Klimawandel, ob das ein dringliches Thema ist. "Ich glaube das Klima hat sich schom immer geändert, damit haben wir nichts zu tun. Aber ich weiß, du bist da etwas esoterisch, ich halte es mehr mit der Wissenschaft.

Ich war geschockt. Trump "akternative Fakten" in Reinkultur. Die anschließende Diskussion offenbarte eine Unwissenheit über das Thema "Klimawandel" die einfach nur erschreckend genannt werden kann.
 Gut gebildet, sehr wohlhabend, "white old man".

Hier mal so einige Ereignisse die der Wissenschaftler Stefan Rahmstorf in seinen Blog gestellt hat.

Das Jahr 2016 war global das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen im 19. Jahrhundert. Darin stimmen sämtliche Datensätze der Oberflächentemperaturen überein. Das gilt übrigens ebenso in allen Satellitendaten für die Temperaturen der Troposphäre.

Abb. 1 Die fünf gängigen Datensätze der globalen Oberflächentemperatur. Jahreswerte bis einschließlich 2016. Grafik: Gavin Schmidt, NASA.

Die globale Erwärmung schreitet also immer weiter voran – wer sich Hoffnungen auf eine Verlangsamung gemacht hat, ist Wunschdenken erlegen. Drei Rekordjahre in Folge (2014, 2015 und 2016) hat es noch nie gegeben.  Laut NASA hat unser Planet 16 seiner 17 wärmsten Jahre seit 2001 erlebt. (Die einzige Ausnahme unter den Top 17 ist 1998 – der bislang größte kurzfristige Ausreißer dank eines Rekord-El-Niño im tropischen Pazifik.) Auch 2016 hat durch El Niño einen zusätzlichen Push nach oben bekommen – nach verschiedenen Abschätzungen zwischen 0,12 °C und 0,17 °C. Der allergrößte Teil der Wärmeanomalie ist also eine Folge des vom Menschen verursachten langfristigen Erwärmungstrends. Auch ohne El Niño hätten 2015 und 2016 Rekorde gesetzt.

Die verschiedenen Studien, die die relativen Anteile von natürlichen Schwankungen und anthropogener Erwärmung seit 1950 abgeschätzt haben, erhalten konsistent einen anthropogenen Anteil von um die 100%. Die Rekordwärme fällt mit einer besonders schwachen Sonnenaktivität zusammen (Stichwort „kalte Sonne“), die manche – wohl vor allem politisch motivierte – Autoren in den letzten Jahren schon von einer Abkühlung fabulieren ließ.

Abb. 2 Temperaturabweichung in 2016 vom Mittelwert 1951-1980. Daten: Berkeley Earth, Grafik: Robert Rohde.

Ein Blick auf den Pol enthüllt zwei interessante Aspekte der Erwärmung. Erstens sieht man auch 2016 die Kälteblase im Nordatlantik, die von einer wachsenden Zahl von Klimaforschern auf eine Abschwächung des Golfstromsystems zurückgeführt wird. Zweitens sieht man die horrende Erwärmung der Arktis, wo die Wärmeanomalie in größeren Gebieten teils deutlich über fünf Grad betrug. Diese überproportionale Erwärmung der Arktis geht mit dem rapiden Schwund des Meereises dort einher. Wobei wir schon beim nächsten Thema wären.

Das Meer- und Landeis

Die Eisdecke auf dem arktischen Ozean hat in ihrem Sommerminimum im September knapp den Negativrekord von 2012 verfehlt und ist „nur“ auf Rang zwei gelandet (gleichauf mit 2007). Dafür gab es dann im Oktober und im November weniger Eis als je zuvor in diesen Kalendermonaten seit Beginn der Satellitenmessungen.

Abb. 3 Eisausdehnung in der Arktis im Sommerminimum 2016. Zum Vergleich die mittlere Eisgrenze im Sommerminimum der Jahre 1981-2010 (goldene Linie). Grafik: NASA.

Dazu ist auch am anderen Ende der Erde die Eisdecke auf dem Südpolarmeer regelrecht abgestürzt und hat im November ein Rekordtief erreicht. Die folgende Grafik zeigt die gesamte Meereisdecke von beiden Polen zusammen. Im November/Dezember liegt sie weit unterhalb von allem, was früher gemessen wurde.

Abb. 4 Jahresgang der globalen Meereisausdehnung seit dem Beginn der Satellitenmessungen 1978.

Der Meereisschwund hat keinen direkten Einfluss auf den globalen Meeresspiegel, da das Meereis bereits im Wasser schwimmt. Allerdings geht mit dem Meereis ein Spiegel verloren, der die Polargebiete auch im Sommer kalt hält, indem er den größten Teil der ankommenden Sonnenstrahlen reflektiert. Der Eisverlust bedingt die in Abb. 2 gezeigte extreme Erwärmung der Arktis, die dann auch das Landeis von Grönland angreift. Auch diese gigantische Eismasse hat – Sie ahnten es – 2016 einen Negativrekord erreicht (Abb. 5).

Abb. 5 Die Eismasse Grönlands in Milliarden Tonnen, relativ zur Masse zu Beginn der GRACE Satellitenmission 2002. Quelle: NASA.

Auch das Kontinentaleis auf der Antarktis verliert immer mehr Masse.

Meeresspiegel

Womit wir beim globalen Meeresspiegel wären, der ebenfalls von Satelliten aus gemessen wird. Und der leider ebenfalls im Jahr 2016 ein Rekordniveau erreicht hat. Er steigt derzeit etwa um 3,4 Zentimeter pro Jahrzehnt.

Abb. 6 Globaler Meeresspiegel seit Beginn der Satellitenmessungen im Jahr 1993. Quelle: University of Colorado.

Für frühere Zeiten gibt es die Pegelmessungen und für frühere Jahrhunderte Proxydaten u.a. aus Küstensedimenten. Sie zeigen, dass der Anstieg im 20. Jahrhundert ein mehrfaches größer war als in den vorangegangenen 28 Jahrhunderten. Das ist logisch: ein Meeresspiegelanstieg ist eine zwingende physikalische Folge einer Klimaerwärmung (das Ozeanwasser dehnt sich bei Erwärmung aus, Landeis geht verloren), und die Erwärmung seit Beginn der Industrialisierung ist einmalig seit vielen Jahrtausenden.

Weblink

Guardian: We’re now breaking global temperature records once every three years

Offener Brief von über 700 US-Physikern an Donald Trump

„Alternative Fakten gefährden Demokratie“

Beitrag aus Klimaretter.info

Am 22. April, dem „Earth Day“, wollen Wissenschaftler in vielen Städten weltweit für die Freiheit der Wissenschaft auf die Straße gehen – in einem „Science March“. Die Bewegung begann in den USA, deren neuer Präsident Donald Trump den Klimawandel ebenso wie die Evolutionstheorie infrage gestellt hat und unter anderem anordnen ließ, dass die Umweltbehörde EPA keine Presseerklärungen mehr herausgeben und ihre Internetseite nicht mehr aktualisieren darf.

Auch in Deutschland soll es einen Science March geben. Ein Gespräch mit einem der Initiatoren, dem Bochumer Autor Claus Martin.

klimaretter.info: Herr Martin, wieso haben Sie Angst vor Donald Trumps „alternativen Fakten“?

Claus Martin: Der konstruktive Dialog ist eine elementare Grundlage unserer Demokratie. Wenn wissenschaftlich anerkannte Fakten angezweifelt, relativiert oder „alternativen Fakten“ gegenübergestellt werden, gerät diese Grundlage ins Wanken.

marchScience
Weltweite Organisation

Deshalb betrifft eine solche Entwicklung nicht nur Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, sondern unsere Gesellschaft als Ganzes.

Meinen Sie, Trump wird sich beeindrucken lassen? 

Der deutsche Science March richtet sich nicht gegen bestimmte Persönlichkeiten, politische Parteien oder Entscheidungen. Wir verstehen uns auch nicht als „Ableger“ unserer amerikanischen Kollegen. Es geht uns darum, für den Wert der Wissenschaft ganz allgemein zu demonstrieren.

Wie ist der Zuspruch in Deutschland?

Der Zuspruch ist außerordentlich groß. Innerhalb nur einer Woche haben wir Rückmeldungen aus zehn großen deutschen Städten bekommen.

Gibt es denn Interesse von den klassischen Wissenschaftsorganisationen? 

Wir sind im Gespräch mit zahlreichen großen Wissenschaftsorganisationen, die alle unserem Anliegen sehr positiv gegenüberstehen. Inwiefern es zu einer organisatorischen Zusammenarbeit kommen wird, ist derzeit noch offen.

marchScienceFrankfurt
March For Science Frankfurt am Main 22. April 2017

Wie groß ist das Interesse in anderen Ländern außerhalb der USA?

Der 22. April, der Earth Day, wird ein Tag sein, an dem Wissenschaftler auf der ganzen Welt für ihr gemeinsames Ziel auf die Straße gehen. In mehr als 100 Städten in vielen Ländern wird dieser Tag derzeit vorbereitet.

Allein diese Vielzahl und das globale Interesse dokumentiert, dass es um viel mehr geht als um eine Protestaktion gegen einen einzelnen Politiker.

BildAm Tag der Erde – am „Earth Day“ – soll dieses Jahr auch für die Freiheit und Würde der Wissenschaft demonstriert werden. (Foto: NASA/Wikimedia Commons)

In welchen Wissenschaftsbereichen ist die Gefahr am größten? Klimaforschung, Soziologie, Medizin? Beim Klimawandel ist Trump etwas zurückgerudert, er sagte, es könne doch einen gewissen Zusammenhang mit menschlichen Aktivitäten geben …

Ob in dem einen oder anderen Bereich die Gefahr größer ist oder nicht, können wir nicht einschätzen. Wir beurteilen das, was wir beurteilen können – und das ist die Situation der Wissenschaft insgesamt.

Herr Martin, Sie sind selbst kein Wissenschaftler. Wieso engagieren Sie sich so stark für den „Science March“?

Die Sache geht jeden an, nicht nur Wissenschaftler. Sie muss im Vordergrund stehen, nicht Personen.

Ich beteilige mich an der Planung dieser Aktion mit einem großen Team, darunter natürlich viele Wissenschaftler. Uns allen ist Wissenschaft und der Umgang mit Fakten aus den genannten Gründen wichtig.

Interview: Joachim Wille

1,5 Grad Ziel praktisch nicht mehr erreichbar

 In jeder Sekunde bläst die Menschheit 1.450 Tonnen CO2 in die Atmosphäre. Pro Jahr sind das rund 40 Milliarden Tonnen. Bleibt es bei der Menge und Geschwindigkeit, sind nur noch sechzehneinhalb Jahre übrig, um das Zwei-Grad-Limit einzuhalten. Das veranschaulicht die interaktive CO2-Uhr des Berliner Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC). Das MCC spricht von einem „engen Zeitrahmen für konkretes Handeln“.

Du bist Draufgänger [upper estimate]oder risikoscheu [lower estimate]?
Oben in der interaktiven Grafik kannst du mal verschiedene Optionen für 2 Grad und 1,5 Grad ausprobieren. 

Der Zeitrahmen ist womöglich sogar noch enger. Denn die gut 16 Jahre gelten nur für ein „mittleres Szenario“ und ein noch verbleibendes CO2-Budget von 760 Milliarden Tonnen. Nimmt man ein pessimistisches Szenario an, schrumpft das Emissions-Budget auf nur noch 430 Milliarden Tonnen – und es bleiben bloß neun Jahre und drei Monate. Bei einem optimistischen Szenario bleiben fast 1.000 Milliarden Tonnen und damit 20 Jahre.

Richtig eng wird es beim 1,5-Grad-Ziel. Dann bleiben bei einem mittleren Szenario nur noch ein Jahr und acht Monate – beziehungsweise vier Jahre und sieben Monate (optimistisch) oder sogar nur noch fünf Monate (pessimistisch).

Quellen:
www.klimaretter.info/

www.mcc-berlin.net/forschung/co2-budget.html

…. und wenn Du noch tiefer einsteigen willst, hier geht es deutlich gründlicher noch ungemütlicher in die Tiefe:
bitsofscience.org/observed-vs-real-global-temperature-series-conclusion-7180/

 

Buchtipp: Die Menschheit schafft sich ab

Ausbeutung der Bodenschätze, Verschmutzung der Weltmeere, Verpestung der Lufthülle, Klimaerwärmung: Wir Menschen zerstören unseren Planeten Erde mit großer Geschwindigkeit. Astrophysiker Harald Lesch, bekannt durch seine Wissenschafts-TV-Sendungen, zieht in seinem aktuellen Buch Bilanz und fragt: Schaffen wir uns allmählich selbst ab, wenn wir so weiter machen?

Seit 4,5 Milliarden Jahren zieht die Erde ungestört ihre Bahn. Das Leben gesellte sich viel später dazu. Erst seit rund 160.000 Jahren erschien der aufrecht gehende Homo sapiens, der Mensch, auf der Erdoberfläche. Mit Ackerbau und Viehzucht, Rohdungen und Bewässerungssystemen griff er immer radikaler in die Natur ein, vermehrte sich rasant und besiedelte entlegenste Gebiete. Seit einigen Jahren erörtern Wissenschaftler deshalb die Frage, ob der Eingriff des Menschen die Definition eines neuen Zeitalters rechtfertigt. Die Ursache, das Motiv? Energiehunger und virtuelles Kapital treiben einen zerstörerischen Kreislauf an.

Der Mensch sägt kontinuierlich am Ast, auf dem er sitzt
Geologen, Biologen, Meteorologen und Philosophen stellen die These auf, dass wir bereits im Menschzeitalter angekommen sind. Eines steht bereits fest: Noch nie – außer bei Asteroideneinschlägen und Ausbrüchen von Supervulkanen – hat ein Ereignis das Leben auf dem Planeten Erde so stark beeinflusst wie der Mensch. Immer tiefere hinterließ das sogenannte Anthropozän (Menschenzeitalter) in den letzten 2.000 Jahren seine Spuren. Doch erst seit kurzer Zeit (im jetzigen 21. Jahrhundert) erörtern wir das Thema und wissen, dass wir was ändern müssen.
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Über den Autor Harald Lesch ist Professor für Theoretische Astrophysik am Institut für Astronomie und Astrophysik der Universität München. Einer breiteren Öffentlichkeit ist er durch die im Bayerischen Fernsehen laufende Sendereihe „alpha-Centauri“ bekannt. Seit September 2008 moderiert er die ZDF-Reihe „Abenteuer Forschung“, die 2014 in „Leschs Kosmos“ unbenannt wurde. Er hat mehrere erfolgreiche Bücher veröffentlicht und betreibt bei Komplett-Media zusammen mit dem Physiker Joseph Gaßner den YouTube Channel „Urknall, Weltall und das Leben“.

Harald Lesch ist eine Art von postmodernem Phänomen der Wissenschaftskommunikation: seine Bühne kommt ohne den leicht zu durchschauenden Populismus aus. Sein Ziel: das humanistische  Anteilnehmenlassen an dem, was Alexander von Humboldt mit „Genuß“ in Form des Erlebens von Wissen bezeichnet hat. Er hat – auch für das aktuelle Buch – mit anderen Experten gesprochen, auch mit dem Meteorologen und Klimaforscher Prof. Dr. Mojib Latif, der beispielsweise die verursachte Klimaerwärmung von 1,5 Grad Celsius bestätigt.

Die Temperatur steigt also, der Meeresspiegel steigt, das Eis auf Grönland schmilzt, das Eis in der Antarktis schmilzt, die Gebirgsgletscher ziehen sich zurück. Das sind Fakten, die schön längst bekannt sind – und deshalb ist sein Buchtitel gerechtfertigt. Denn das ist für die Meisten noch keine direkte Bedrohung, kein Grund, das Verhalten drastisch zu ändern. Sollte es aber. Und so erklärt Harald Lesch in einem Interview im Blog.diare:

Wenn wir uns unsere tatsächlichen Handlungen anschauen, diese unfassbare Kluft zwischen dem, was wir wissen und machen könnten und dem, was tatsächlich passiert, ist leider erschreckend.

Das Anthropozän liefert uns jedoch die ideale Gelegenheit, Inventur zu machen und nachzuhaken: Was machen wir mit der Inventur? Was sollen wir tun? Wir können dem Anthropozän einen ethischen Platz einräumen. Ich weiß, das ist nicht so gerne gesehen. Ethische Themen sind immer schwierig. Warum? Weil sie keine einfachen Ja- und Nein-Antworten liefern. Bei einem ethischen Thema geht es darum, abzuwägen. Wie können wir in der Weltgemeinschaft, innerhalb einer Gesellschaft, Gerechtigkeit verhandeln?“

Und deshalb ist das Buch auch so wichtig: es stellt wichtige Fragen, deren Antworten bekannt und deren Akzeptanz entscheidend für unseren Fortbestand und auch dem der Erde ist.

Die Menschheit schafft sich ab
Die Erde im Griff des Anthropozän

Komplett-Media, 2016, 29,95 Euro

Kaufen bei Ecobookstore.de

Quelle: Utopia.de

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Die „fesselndste Klimagrafik aller Zeiten“ hat Geschwister bekommen

Seit dem Frühsommer verbreitet sich eine animierte Infografik zur Erderwärmung wie ein Lauffeuer im Internet: In ihr hat der britische Klimaforscher Ed Hawkins den Temperaturanstieg der vergangenen Jahrzehnte als immer stärker ausgreifende Spirale dargestellt – die Washington Post sprach von der „fesselndsten Klimagrafik aller Zeiten“. Zwei Wissenschaftler des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), Robert Gieseke und Malte Meinshausen, haben der Temperaturspirale nun zwei weitere, ebenfalls animierte Grafiken zur Seite gestellt (hier klicken für die animierte Fassung). kf3spirals_klick„Dieses Datenprojekt zeigt unseren Einfluss auf den Klimawandel“, titelt dazu ze.tt, das Jugendmagazin von Zeit-Online. Im zugehörigen Text werden die Grafiken vorgestellt, die Wirkungskette von Kohlendioxidausstoß zu Erderwärmung erläutert und nebenbei sperrige Begriffe wie „Kohlenstoffhaushalt“ und „Zwei-Grad-Grenze“ erklärt. Und ganz am Ende wird nochmal klargemacht, dass der Klimawandel kein fremdbestimmtes Schicksal ist – sondern der Mensch es durch zügige Emissionsminderungen noch in der Hand hat, ihn zu bremsen.

Quelle: Klimafakten.de

Ein großer Teil der globalen Erwärmung wird durch kurzfristige Faktoren maskiert. Die zu unserem jetzigen CO2 Gehalt in der Atmosphäre gekoppelte Temperatur ist deutlich höher als das was wir aktuell messen und an Verwerfungen erfahren. Es gibt eine Verzögerung von ca. 30 Jahren in der Wirkung. Abschätzungen gehen von 0,5 bis 1 Grad Celsius aus. Das ist bitter und hochdramatisch. Der jetzige CO2 Gehalt muss nicht stabilisiert, sondern reduziert werden.
Quelle: http://www.bitsofscience.org/observed-vs-real-global…/…
Der Journalismus und die Medienbranche versagen vollkommen bei der Berichterstattung über die Erderwärmung – und tragen daher die Hauptverantwortung dafür, dass Gesellschaft, Politik und Wirtschaft weiter das Klima zerstören. Die Medien lenken uns ab von den Themen, die die Richtung unseres Lebens bestimmen werden – und hin zu Themen von himmelschreiender Unwichtigkeit. Reihenweise häufen sich die Indizien dafür auf, dass der Klimawandel viel schneller abläuft, als es die Wissenschaft eigentlich erwartet hat: immer neue Rekorde bei der Erdmitteltemperatur, Arktisschmelze, Fluten, Hitzewellen – doch in den Medien fänden die sich allenfalls als Randnotizen. Oder die kommende Präsidentenwahl in den USA, die ist eine echte Richtungsentscheidung – während der Republikaner Trump den Klimawandel für Schwindel halte, verspricht die Demokratin Clinton eine ehrgeizige Energiewende. Doch die Zeitungsspalten und Sendeminuten von den Wahlparteitagen werden stattdessen vor allem mit belanglosen Trivialitäten gefüllt.
Auf vielen Ebenen sind die Medien parteiisch – aber am bedeutsamsten ist ihre Voreingenommenheit gegen Relevanz. Wenn die Menschheit bei der Begrenzung des Klimawandels versage, dann werde nicht die Öl- oder Kohleindustrie, nicht die Verkehrsbranche oder die Landwirtschaft die Hauptschuld tragen. Wenn es die Öffentlichkeit zulässt, dass diese Wirtschaftszweige das Klima zerstören, dann liege das vor allem am Versagen der Medien. Das größte Problem ist die Branche, in die ich früher so große Hoffnungen gesetzt habe.

Hansen: Eisschmelze und Superstürme

Eisschmelze, Meeresspiegel Anstieg und Superstürme sind Themen im Video von Dr. James Hansen.

James E. Hansen ist ein US-amerikanischer Klimaforscher. Von 1981 bis 2013 war er Direktor des Goddard Institute for Space Studies (GISS) der NASA und Professor für Erd- und Umweltwissenschaften an der Columbia University. Bekannt wurde Hansen besonders in den 1980ern als einer der ersten Wissenschaftler, der eindringlich vor den Gefahren der globalen Erwärmung warnte. Er beendete im April 2013 sein Engagement bei der NASA, um sich fortan vorrangig auf politischer und juristischer Ebene für die Verringerung von Treibhausgasemissionen einzusetzen. 2008 veröffentlichte Hansen eine Studie, die besagt, dass der Gehalt von Kohlenstoffdioxid in der Erdatmosphäre einen Wert von 350 parts per million (ppm) nicht überschreiten dürfe, wenn das 2-Grad-Ziel noch zu erreicht und ein Kippen des globalen Klimasystems mit irreversiblen Folgen verhindert werden soll.  Der derzeitige Wert mit rund 403 ppm liegt bereits deutlich über der von Hansen genannten Grenze.  Wikipedia

 Titelbild: Website James Hansen

Vertrauen wichtiger als Information

„Mit Argumenten allein lässt sich der Klimawandel nicht stoppen. Klimapsychologen setzen vermehrt darauf, Emotionen zu wecken – besonders bei Konservativen.“

In der Süddeutschen Zeitung vom 5. Juni 2016 setzt sich Christopher Schrader unter der Überschrift „Vertrauen ist beim Thema Klimawandel wichtiger als Information“ deutlich fundierter mit dem Thema Klimawandel auseinander als es in regelmäßigen Abständen in SPIEGEL ONLINE Axel Bojanowski macht. Ebi schreibt vielleicht noch was zu seinen Erfahrungen bei Informationsveranstaltungen, meinte er heute in einem Mainzer Café.

Aus dem SZ Artikel:

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Mainz: Silent Climate Parade 2015

Mitten im Interview wird der Becher in der Hand von George Marshall zum Beweisstück der Anklage: „Sehen Sie, ich habe mir gerade einen Kaffee gemacht. Der Strom, den ich dafür gebraucht habe, setzt Schadstoffe in die Luft frei. Und wissen Sie was? Es ist mir egal.“

Wer Marshall kennt, wird bei diesen Worten den Atem anhalten. Natürlich stellt das Heißgetränk keine ernsthafte Gefahr dar. Und der Brite ist auch keiner dieser Zeitgenossen, die breitbeinig ihr vermeintlich angeborenes Recht vertreten, die Ressourcen dieser Welt auszubeuten – denen ginge es ohnehin eher um die Tankfüllung ihres Geländewagens. George Marshall ist ein Veteran der Klimaschutzbewegung, hat bei Greenpeace gearbeitet, sich für den Regenwald engagiert und die britische Organisation Climate Outreach mitbegründet.

Marshall möchte vielmehr die eigenen Reihen provozieren. Er bekennt, dass zwar viele Klimaschützer den Kampf gegen die globale Erwärmung als moralisches Gebot betrachten, es aber im Privatleben auch nicht schaffen, ihre Handlungen an ihren Überzeugungen auszurichten. Sie sind darum keine Heuchler, sondern: Menschen. Und so sollten sie auch Zuhörer sehen, die ihre Überzeugung nicht teilen.

Menschen möchten nicht schräg angeschaut werden, weil sie am Konsens der Gruppe rütteln

„Wer an den Klimawandel glaubt, tut das meistens, weil es gut zu ihm passt. Die anderen haben auch gute Gründe für ihre Einstellung. Sie sind keine Idioten, weil sie nicht an den Klimawandel glauben“, sagt der Brite. Es geht ihm darum, einen Zugang zu ihnen zu finden. Bei der Lösung für die Klimaprobleme müssen alle zusammen und aus innerer Überzeugung anpacken. Verzicht zu predigen, wird kaum jemanden überzeugen.2015-05-29_SilentClimateParadeMainz_7

Diese Einsicht könnte nach Ansicht Marshalls einen Strategiewechsel einleiten. Die gravierenden Folgen des Klimawandels abzufedern, ist für Aktivisten wie ihn kein naturwissenschaftliches oder technisches Problem mehr, sondern ein soziales. „Die menschliche Reaktion auf den Klimawandel zu verstehen, ist genauso wichtig, wie den Klimawandel selbst zu verstehen“, sagt der norwegische Psychologe Per Espen Stoknes. „Wir alle tun so, als seien wir rational, wenn wir uns irrational benehmen.“ Marshall, Stoknes und andere beschwören die zweite Stufe der Klimaforschung. Statt Physik, Chemie und Ozeanografie sollen nun Gesellschaftswissenschaften und Psychologie im Mittelpunkt stehen. Diese decken eine Reihe systematischer Denkfehler und mentaler Schleichwege auf. Es sind universelle, aber weitgehend unbewusste Mechanismen. Der menschliche Geist ist demnach auf kaum eine Gefahr so schlecht vorbereitet wie auf den Klimawandel; er findet lauter Ausflüchte, nicht darauf zu reagieren.

Ein typisches Problem sei zum Beispiel diese verbreitete Haltung: Was soll ich mich einschränken, wenn es die anderen nicht tun? Das bringt Nachteile für mich, aber keine messbaren Vorteile für die Umwelt. Doch diese Überlegung verkennt, dass Menschen in anderen Lebensbereichen solche Nachteile in Kauf nehmen. Sie gewähren einander im Verkehr den Vortritt oder weisen eine Kassiererin darauf hin, dass sie zu viel Wechselgeld herausgegeben hat. Ihnen ist es genug, wenn sie so ein besseres Gewissen haben oder sogar als Vorbild wirken können.

Dahinter steht die Erkenntnis von Psychologen, dass Menschen ihr Verhalten und ihre Meinungen stark an ihrer sozialen Gruppe ausrichten, meist ohne es zu bemerken. Sie möchten nicht plötzlich von ihren Freunden schräg angeschaut werden, weil sie am Konsens der Gruppe rütteln. Und das erklärt auch, wieso Wissenschaftler und Umweltschützer häufig ihre Botschaft nicht anbringen können. Sie argumentieren mit Daten und Messungen, aber ihre Warnungen prallen am Publikum ab – woraufhin sie noch mehr Fakten vorlegen.wokamod2-verkl

Wie sich die Trägheit der Masse überwinden lässt

Bei dieser Kommunikationsstrategie ist schon die Grundannahme falsch: dass die Menschen zu wenig wissen, mit genügend Informationen aber den Ernst der Lage begreifen. Tatsächlich sei es so, sagt die Psychologie, dass die Zuhörer alle neuen Informationen filtern. „Wenn es einen Konflikt zwischen den Fakten und den Wertvorstellungen eines Menschen gibt, werden die Fakten verlieren“, sagt Stoknes. Was nicht passt, erhält keinen Platz im Denkgebäude.

Oft hängt es von der Quelle ab, ob ein Mensch überhaupt richtig zuhört. „Schon bevor jemand den Mund aufmacht, ist entschieden, was ich von seiner Botschaft halte“, so Stoknes. „Vertrauen ist wichtiger als Information“, ergänzt George Marshall. Freunden, Verwandten, dem Pastor oder einem geschätzten Politiker glaubt man. Journalisten der vermeintlich linksorientierten Zeitung glaubt man nicht, und erst recht nicht Umweltschützern, die einem das Auto wegnehmen wollen.

Wissenschaftler können schon durch ihre Wortwahl unglaubwürdig werden: Viele Begriffe, Konzepte und Ideen lösen Assoziationen mit anderen Dingen aus. Schon das Wort „Klima“ kann zur Abwehr führen. Das Erwähnen von Temperaturen führt zur Assoziation mit der von Klimaskeptikern behaupteten Erwärmungspause. Und wenn ein Forscher von möglichen Messungenauigkeiten spricht, hört mancher Laie nur heraus, die Ergebnisse seien unsicher.angst_Mz

Soziale Normen bestimmen auch das Verhalten. Die Psychologie kennt zum Beispiel den sogenannten Zuschauer-Effekt. Sie erklärt damit, warum bei Notfällen oft die Hilfsbereitschaft von Unbeteiligten umso geringer ist, je mehr Menschen das Ereignis wahrnehmen. Jeder einzelne sucht dann in der Menge nach Hinweisen, was zu tun sei. „Je mehr Leute von einem Problem wissen, desto mehr neigen wir dazu, unser eigenes Urteil zu ignorieren und die geeignete Reaktion am Verhalten der anderen abzulesen“, sagt George Marshall. Macht niemand den ersten Schritt, oder sprechen sich Meinungsführer gar aktiv gegen das Eingreifen aus, passiert eben nichts.

„Auf das satte Röhren eines Mustang V8 müssen wir wohl verzichten.“

Dieser Herdentrieb führt dazu, dass Menschen den Klimawandel bestenfalls als ein Problem unter vielen ansehen. Das gilt wider Erwarten auch für Deutschland. Zwar erklären etwa in Umfragen des US-Meinungsforschungsinstituts Pew Research Center 55 Prozent der Deutschen, sie seien wegen des Klimawandels sehr besorgt. Werden die Leute jedoch nach den ernsten globalen Problemen gefragt, wie etwa im Frühjahr 2015, landet der Klimawandel hinter dem IS, den Spannungen mit Russland, einer möglichen iranischen Bombe und Cyberattacken auf Platz fünf.green2

Menschen können sich nur eine begrenzte Anzahl von Sorgen machen. Darum führt eine neue Angst wie die vor dem islamistischen Terror dazu, dass die globale Erwärmung weniger bedrohlich erscheint. Ganz oben auf der Skala bleiben – vermeintliche oder echte – Gefahren, die Emotionen auslösen: die Angst vor Jobverlust, Verbrechen oder Krankheit. „In der Klimadebatte haben wir noch immer keine Möglichkeit gefunden, auf gleiche Weise das fühlende Gehirn anzusprechen“, bekennt George Marshall. Die Suche nach einem Ansatz gleiche „der Alchemie, die unedle Daten in emotionales Gold verwandeln will“.

[taz.spot] Unser roter Faden from taz.die tageszeitung on Vimeo.

Was den Menschen zum Handeln motiviert, beschreibt der Psychologe Daniel Gilbert von der Harvard University mit dem PAIN-Schema (personal, abrupt, immoral, now – auf Deutsch etwa: persönlich, plötzlich, unmoralisch und gegenwärtig). Menschen reagieren demnach stark darauf, wenn Täter und/oder Opfer ein bekanntes Gesicht haben, wenn sich die Verhältnisse unerwartet und schnell ändern, wenn ethische Werte verletzt sind und das Ganze in diesem Moment passiert. Terrorismus drücke jeden dieser vier Knöpfe, stellt Gilbert nüchtern fest: Bärtige Männer mit Maschinenpistolen oder Sprengstoffgürteln können jederzeit plötzlich auftauchen. Der Klimawandel drückt dagegen keinen der Knöpfe. Täter sind kaum auszumachen, die Opfer sind anonyme Menschen auf entfernten Erdteilen, viele Warnungen vor den Folgen der globalen Erwärmung zielen auf das Jahr 2100, die Veränderungen sind graduell. „Die globale Erwärmung ist nur darum eine tödliche Bedrohung, weil sie im Gehirn keinen Alarm auslöst“, sagt Gilbert. „Sie lässt uns in einem brennenden Bett ruhig weiterschlafen.“puten

Immer mehr Investoren schrecken vor fossilen Energien zurück

Unter diesen Umständen sein Leben ohne Änderungen weiterzuleben, sei eine menschliche Reaktion, sagt der norwegische Psychologe Stoknes. Hinter der Tatenlosigkeit stehe oft eine kognitive Dissonanz. „Wir empfinden einen Widerspruch zwischen dem, was wir tun, und dem, was wir wissen. Um zu vermeiden, uns als Heuchler zu fühlen, sperren wir das Wissen in unserem Kopf ein.“

Das Steuer lässt sich nur herumreißen, glaubt Stoknes, wenn eine kulturelle Transformation der Gesellschaften erfolgt. Vorbild sind jene Massenbewegungen, die Rassentrennung in den USA und Apartheid in Südafrika auf den Müllhaufen der Geschichte gefegt haben. Oft ging es nach Jahrzehnten ohne Fortschritt plötzlich überraschend schnell, weil die Causa in sehr vielen Gruppen der Gesellschaft und politischen Strömungen angekommen war. Ähnliches könnte beim Klimawandel passieren. Ein Beispiel ist der aktuelle Ruf nach Devestition, also der Rückzug von Einlagen aus der Fossile-Energien-Industrie. Ihm folgen bereits immer mehr Geldanleger.

Parallel dazu muss sich der Ton der Debatte ändern, also die Rahmenerzählung, die dem Klimawandel seinen Platz im gesellschaftlichen Diskurs gibt. „Dass die Menschen massenhaft aktiv werden, erreichen wir nicht durch Narrative von Feindschaft“, sagt George Marshall. „Wir müssen stattdessen Narrative von Kooperation, geteilten Interessen und gemeinsamer Menschlichkeit entwickeln.“ Seine Organisation Climate Outreach entwickelt deshalb neue Strategien, wie man mit Konservativen über Klimaschutz sprechen könne. Die Diskussion solle mit Werten beginnen, nicht mit Zahlen, heißt es. Es müsse um Integrität und Sicherheit, Gleichgewicht und Verantwortung gehen, besonders das Konzept „Vermeiden von Verschwendung“ im Zusammenhang mit dem Energieverbrauch habe sich bewährt. Außerdem sprächen solche Gruppen gut auf persönliche Geschichten an, in denen sie ihr Weltbild wiederfinden. Die sonst von Klimaschützern gern genutzten Warnungen vor Opfern in fernen Ländern oder der Tierwelt stießen Konservative hingegen eher ab.

Marshall ist überzeugt, dass die Klimaschützer alter Schule die Lufthoheit über das Thema aufgeben müssen. „Es kann nur funktionieren, wenn in jeder sozialen Gruppe die jeweiligen Meinungsführer ihre Version von Klimaschutz verbreiten“, sagt er. In vielen Fällen darf dabei das Wort Klimabotschaft„Klima“ nicht auftauchen. Stattdessen könnte es zum Beispiel um Energie-Unabhängigkeit, saubere Luft oder Wetterextreme gehen. „Den Erfolg werden wir daran erkennen“, sagt Marshall, „dass über das Thema auf eine Art geredet wird, die uns überhaupt nicht gefällt.“

Eine Kröte gilt es gleich am Anfang zu schlucken: Man müsse es Menschen zugestehen, um das Zeitalter der fossilen Energien zu trauern. Diese Melancholie ist Marshall selbst nicht fremd. „Die Zukunft wird viele neue Genüsse bereithalten. Aber auf das satte Röhren eines Ford Mustang V8 müssen wir wohl verzichten.“

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Der Öko-Psychologe Per Espen Stoknes im Gespräch mit
Alex Smith von EcoShock Radio. Video: Mashup vom Video „Disruption“: ‘When it comes to climate change, why do we do so little when we know so much?’

Links:

http://www.ecoshock.info/

http://watchdisruption.com/

http://www.reflecta.org/index.php/de/filme

Erderwärmung als Spirale – „die fesselndste Klimagrafik aller Zeiten“

Eine Vielzahl von Grafiken zur Erderwärmung haben Klimaforscher und Wissenschaftskommunikatoren in den vergangenen Jahren produziert. Mal wurde der Anstieg der Erdmitteltemperatur seit Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert als aufstrebende Zick-Zack-Linie dargestellt, mal als ansteigende Treppe, mal als YouTube-Clip, in dem verschiedene Gegenden der Erde sich zunehmend rot verfärben.

Nicht dass all diese Grafiken unverständlich wären oder schlecht – aber eine Visualisierung, die jetzt der Klimaforscher Ed Hawkins von der britischen University of Reading geschaffen hat, sticht deutlich heraus: Er hat die Abweichungen der Temperatur vom langjährigen Durchschnitt in Kreisform dargestellt, hat dabei jeden Monatswert seit 1850 verzeichnet. Das Ergebnis ist ebenso verblüffend wie eindrücklich: ein Kreisel, der zwar merklich wackelt (was die natürliche Variation des Klimasystems zeigt), sich aber über viele Jahrzehnte in relativ engen Bahnen dreht. Doch ab etwa 1940 und nochmal ab 1970 werden die Ringe deutlich größer – und ab den neunziger Jahren wird der Kreisel zu einer regelrechten Spirale.

Grundlage der Grafik ist der Datensatz HadCRUT4 zu den Lufttemperaturen direkt über Land und Ozeanen, den das Hadley-Center des Meteorologischen Dienstes Großbritanniens (MetOffice) und die Climatic Research Unit (CRU) der University of East Anglia produzieren. Visualisiert sind die Daten von Januar 1850 bis März 2016, dargestellt als Abweichung vom Mittel der Jahre 1850-1900; Quelle: Ed Hawkins/ClimateLabBook

Diese Grafik macht jedem Laien klar, wie außergewöhnlich die Temperaturrekorde der letzten Monate und Jahre sind. Natürlich, in den Nachrichten werden immer wieder die wissenschaftlich korrekten Werte transportiert: So lag 2015 um 0,9 °C über dem langjährigen Mittel, damit wurde das vorherige Rekordjahr 2014 nochmals um 0,16 °C übertroffen. Im März 2016 dann betrug die „Anomalie“ bereits 1,07 °C. Aber wem sagen solche Zahlenwerte wirklich etwas? In Hawkins Temperturspirale hingegen ist auf einen Blick erkennbar, wie atemberaubend weit die Linie zuletzt ausschlägt. Und dass die Erde einem Anstieg um 1,5 °C gegenüber dem vorindustriellen Niveau (in der Grafik als roter Kreis eingezeichnet) bereits bedrohlich nahekommt.

Die Temperaturspirale verbreitet sich viral im Netz

Seit Hawkins die Grafik am Montag dieser Woche veröffentlichte, ist sie auf Twitter bereits vieltausendfach geteilt worden. Der Server seines Blogs „Climate Lab Book“ brach unter der Last der vielen Seitenaufrufe zeitweise zusammen. Der vielgelesene Design- und Technologie-Blog Gizmodo nennt Hawkins Grafik „eine der überzeugendsten Klimavisualiserungen, die wir je gesehen haben“, die Washington Post spricht gar von der „fesselndsten Klimagrafik aller Zeiten“. Und das Online-Magazin ClimateHome fragt, unter Bezug auf das Dateiformat der Grafik: „Kann ein GIF unser Denken über die Erderwärmung verändern?“

Quelle: Klimafakten

SPIEGEL kontra Klimaretter

SPIEGEL ONLINE Wissenschaft, da hoffe ich doch: „Qualitätsjournalismus“.  Die informieren verantwortungsvoll und verständlich. Und „Wikipedia“? Na klar, ausgewogen und solide. Aber was ist mit „klimaretter.info“?

In Wikipedia las ich gestern zu klimaretter.info:

Spiegel Online beschreibt die Position des Magazins als „alarmistisch“ und „aggressive“ Umweltagitation.

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WIKIPEDIA zu Klimaretter.info, der Verweis auf SPIEGEL-ONLINE ist inzwischen ersetzt durch „Seit 2015 hat die Frankfurter Rundschau die Berichterstattung zu Klima und Umwelt mit Beiträgen des Online-Magazin klimaretter.info intensiviert.“

Huch?

Das klingt aber richtig böse und unseriös.

Wikipedia bezieht sich auf einen SPIEGEL ONLINE Wissenschaft Beitrag von Axel Bojanowski. Überschrift:

„Streit über Umwelt-PR: So irreführend sind die Wissenslücken der Klimaforscher“.

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SPIEGEL ONLINE WISSENSCHAFT 8.9.2015

Schon diese Überschrift erweckt den Eindruck, na ja, diese Wissenschaftler, die streiten sich doch nur über den Klimawandel. Keiner weiß was genaues. Axel Bojanowski geht mit keinem Satz darauf ein, worüber bei den Klimaforschern Konsens besteht. Er vermittelt nicht den Eindruck dass es allerhöchste Zeit ist, schnellstens mit der Dekarbonisierung in allen Bereichen der Gesellschaft voran zu machen. Im Gegenteil. Überall streut er Zweifel in einer sehr subtilen Art. Am besten charakterisiert mit einem Zitat des österreichischen Wissenschaftlers und Nobelpreisträgers Wolfgang Pauli:

„Das ist nicht nur nicht richtig, es ist nicht einmal falsch!“

Nun denke ich, Axel Bojanowski hat den Bericht einige Monate vor dem Pariser Weltklimagipfel geschrieben und würde heute anders formulieren. Ich bin gespannt. Denn leider ist traurige Gewissheit: Die Daten sind eindeutig und gehen dramatisch in die falsche Richtung. Schon bald könnte der Punkt erreicht sein, an dem der Klimawandel unumkehrbar wird. Es ist die Aufgabe eines guten Journalismus die komplexen Zusammenhänge zu erklären.

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Axel Bojanowski würde bestimmt jammern, wenn jemand so eine Grafik mit folgender Schlussfolgerung machen würde: „Je abhängiger eine Organisation von klimaschädlicher Industrie ist, umso verharmlosender und verwirrender berichtet sie über den globalen Klimawandel und seine Gefahren für die menschliche Zivilisation“

 

An alle Leser: Macht euch selbst ein Bild. Ich empfehle ausdrücklich Klimaretter.info und spende monatlich, weil mir soetwas im deutsche Medienwald gefehlt hat.

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