Ökopsychologie: Warum machen wir so wenig, obwohl wir soviel wissen?

Der Öko-Psychologe Per Espen Stoknes im Gespräch mit
Alex Smith von EcoShock Radio. Video: Mashup vom Video “Disruption”: ‘When it comes to climate change, why do we do so little when we know so much?’

Links:

http://www.ecoshock.info/

http://watchdisruption.com/

http://www.reflecta.org/index.php/de/filme

taz: 2-Grad-Ziel adios

Bernhard Pötter, taz Redakteur für Wirtschaft und Umwelt begräbt in der taz Ausgabe vom 9. Mai 2015 das 2-Grad-Ziel. Ich glaube fürchterliche Wahrheit ist: er hat recht.

Seine Argumente:

Die Beschwörungsformel ist immer die gleiche: „Das 2-Grad-Ziel ist eine Herausforderung, aber immer noch machbar!“. Egal ob von der Weltbank, der UNO oder den Thinktanks – noch, so die Zuversicht, lässt sich die Erderwärmung unter der magischen Grenze von 2 Grad Celsius halten und der Klimawandel damit beherrschen.

Falsch, sagen nun immer mehr Experten und Analysten. Für sie ist das 2-Grad-Ziel tot und wird von der Politik nur noch künstlich am Leben erhalten. Längst seien die weltweiten Emissionen zu hoch, soeben erst ist die Konzentration des Klimagases CO2 wieder mal auf einen neuen Rekordwert geklettert.

Damit gerät die Grundlage der UN-Klimaverhandlungen ins Wanken. Und diese Woche setzte Oliver Geden, Klimaexperte bei der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) noch einen drauf: Die Wissenschaftler riskierten ihren guten Ruf, wenn sie das Spiel weiter mitmachen, schreibt Geden in der Zeitschrift Nature: „Die Klimaberater müssen ihre Integrität bewahren“, fordert er. Statt „falschen Optimismus zu verbreiten, müssen sie ihre intellektuelle Unabhängigkeit und Ergebnisse verteidigen – egal wie politisch unbequem diese sind.“

Für Geden leisten die Wissenschaftler Beihilfe zu einer Politik, die Entscheidungen scheut: „Die Politiker sind erfreut, zu hören, dass selbst nach 20 Jahren steigender Emissionen das 2-Grad-Ziel theoretisch noch in Reichweite liegt. Sie ignorieren einfach das Kleingedruckte der IPCC-Berichte.“ Jedes Jahr würden die Szenarien der Forscher in ihren Annahmen optimistischer, kritisiert der Politologe.

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Radikale Umgestaltung nötig

Seine Kritik teilen weltweit viele renommierte Forscher und in persönlichen Gesprächen auch viele Klimadiplomaten. Für EU-Klimakommissar Miguel Arias Cañete wäre die Klimakonferenz von Paris im Dezember nun schon „kein Fehlschlag“, wenn sie nur einen Fahrplan zu 2 Grad, aber nicht die dafür nötigen Emissionen festschriebe.

Die Zweifel am zentralen Ziel im Klimaschutz kommen zur unpassenden Zeit. Gerade läuft die diplomatische Maschine für Paris warm: Lange Texte werden eingedampft, Verbündete gesucht, das Thema wird auf die Tagesordnung der G 7 gesetzt. Alles mit einem Fokus: 2 Grad. Darauf zielen auch die Selbstverpflichtungen zum Klimaschutz, die die Staaten derzeit bei den UN abgeben.

Deshalb bemüht sich auch das Klima-Sekretariat der UN, das Feuer auszutreten: „Es gibt keinen Grund, dieses Ziel aufzugeben“, erklärt Sprecher Nick Nuttall. „Die internationalen Bemühungen müssen uns so weit entfernt wie möglich von dieser Grenze halten.“ Die UN-Experten haben gerade einen internen Bericht vorgelegt, der das Dilemma zusammenfasst. „Das 2-Grad-Ziel ist machbar und hat großen zusätzlichen Nutzen“, heißt es da.

Nötig sei dafür allerdings „ab sofort eine radikale Umgestaltung (tiefgehende Abkehr von der fossilen Wirtschaftsweise) und nicht nur leichte Veränderung aktueller Trends.“ Wer an eine solche schnelle radikale Umgestaltung glaubt, glaubt auch an das 2-Grad-Ziel. Wer nicht, der nicht.

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Drastische Sofortmaßnahmen

Es ist eine akademische Debatte mit sehr konkreten Auswirkungen. Denn die „two degrees“ gelten als Meisterwerk der politischen Kommunikation. Es hat eine schwammige Formulierung aus der Klimarahmenkonvention von 1992 („gefährlichen menschengemachten Klimawandel verhindern“) in ein konkretes Ziel umgewandelt. Doch inzwischen wäre es nur noch mit drastischen Sofortmaßnahmen zu erreichen. Das hat 2014 in aller Deutlichkeit der jüngste Bericht des UN-Klimarats IPCC beschrieben.

Das Gremium, in dem Wissenschaftler und Delegationen aller UN-Staaten die Zusammenfassungen abstimmen, macht klar: Die Emissionen, die bisher jährlich um etwa 2 Prozent zunehmen, müssten schnell um bis zu 6 Prozent pro Jahr sinken, was außer in Kriegszeiten noch nie passiert ist. Der Anteil von Wind-, Atom- und Solarenergie weltweit müsste sich bis 2030 verdoppeln bis verdreifachen, riesige Wälder aufgeforstet werden und umstrittene und unerforschte Techniken wie die Speicherung von Kohlendioxid (CCS) ab 2050 in großem Stil eingeführt werden.

Vor allem an der Speicherung mit dem Kürzel BECCS (Bio-Energie mit CCS) und dessen „negativen Emissionen“ entzündet sich die Kritik. Die Idee: Bäume filtern CO2 aus der Luft, das Holz wird in Energie umgewandelt und das CO2 aus ihrer Verbrennung gespeichert – unterm Strich würde damit der Atmosphäre Kohlenstoff entzogen. Ob diese Technik im großen Maßstab machbar und bezahlbar ist, bleibt völlig unklar. Um wirksam zu werden, würden dafür allerdings „500 Millionen Hektar benötigt, 1,5-mal die Fläche Indiens“, schreibt Geden.

Auch andere Wissenschaftler haben darauf hingewiesen, wie zweifelhaft es sei, auf „negative Emissionen zu wetten“, so Sabine Fuss vom Berliner Mercator Institut für Klimawandel. Werden die Flächen nicht für Lebensmittel oder als Lebensraum für Tiere und Pflanzen gebraucht? Gibt es genug Wasser für den Anbau und genug sichere Lagerstätten? Akzeptiert die Bevölkerung die Kosten und die Technik?

Kritik von allen Seiten

Die Wissenschaftler des IPCC wehren sich gegen den Vorwurf, sie lieferten der Politik ein Alibi fürs Nichtstun. „Wer meint, wir würden uns bei der Politik lieb Kind machen, hat die Diskussionen nicht mitbekommen“, meint Ottmar Edenhofer. „Wir haben uns da im Gegenteil extrem unbeliebt gemacht.“ Edenhofer ist Klima-Ökonom, Vizechef des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung und Kovorsitzender der Arbeitsgruppe 3 des IPCC, die zu diesen Fragen arbeitet.

„Wir haben die Bedingungen formuliert, unter denen das 2-Grad-Ziel zu erreichen ist“, sagt Edenhofer. „Dafür müssten die Emissionen drastisch sinken, wir brauchen mittelfristig einen globalen Preis für CO2, negative Emissionen, großflächige Aufforstung und massiven Ausbau erneuerbarer Energien. Was die Politik davon umsetzt, ist ihre Entscheidung.“

Die Optionen liegen auf dem Tisch und viele der IPCC-Szenarien erreichen unter diesen Umständen das 2-Grad-Ziel. Edenhofer bestreitet, dass die Politik die Wissenschaftler zu positiven Rechnungen gedrängt habe. „Unsere Aufgabe besteht nicht darin, die Untätigkeit der Politik in den Szenarien schon vorwegzunehmen. Damit würden die Szenarien zu sich selbst erfüllenden Prophezeiungen. Bei allen Gesprächen mit den Regierungen habe ich klargemacht: Wir sind auf einem Pfad weit über 2 Grad, sogar auf dem Weg in eine 4-Grad-Welt.“ Er findet es eine „absurde Debatte“, ob das 2-Grad-Ziel aufzugeben sei. „Was kommt danach, eine Diskussion um das 3-Grad-Ziel?“

Auch vom anderen Ende der Welt kommt Kritik am 2-Grad-Ziel. Es sei „unangemessen“ und die UN sollten es überdenken, erklärte letzte Woche das Climate Vulnerable Forum in Manila. In ihm sind 20 Länder wie Kenia, Vietnam, Barbados oder Bangladesch zusammengeschlossen, die besonders verwundbar gegenüber dem Klimawandel sind. Sie lehnen das Ziel allerdings aus einem anderen Grund ab: Es ist ihnen zu hoch. Der Anstieg um 2 Grad sei „eine ernste Bedrohung für fundamentale Menschenrechte“. Schon 2 Grad, heißt es etwa aus Bangladesch, „verurteilen viele Millionen von armen Menschen in den Entwicklungsländern zum Elend.“

Ende Gelände

Vergangenes Wochenende haben sich in Deutschland mehr als 6.000 Menschen die Hand gereicht, um eine Menschenkette gegen den Kohleabbau zu bilden – nachstehend ein paar Bilder und die Möglichkeit, mehr über die nächste Massenaktion gegen Kohle zu erfahren: Ende Gelände.

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Am Samstag kamen wir aus ganz Deutschland, Belgien, Polen, den Niederlanden und weiteren Ländern zusammen, um auf die Ungerechtigkeit durch den Braunkohletagebau des Rheinlands aufmerksam zu machen. Wir haben uns einer Industrie entgegengestellt, die nicht nur ganze Gemeinden entwurzelt und Luftverschmutzung in gigantischem Ausmaß verursacht, sondern auch den Klimawandel schneller vorantreibt als jeder andere CO2-Verursacher in Europa.

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Das zu erleben war ernüchternd und ermutigend zugleich. Ich habe verlassene Dörfer besucht, die evakuiert wurden, nur um die weitere Ausdehnung des Tagebaus zu ermöglichen, und auf Getreidefeldern gestanden, die es bald schon nicht mehr geben wird.
Doch da war auch dieser kraftvolle,  inspirierende Widerstandsgeist aller Menschen vor Ort, als wir buchstäblich eine Linie in die Erde zogen, um den größten Schaufelradbaggern der Welt die Grenze aufzuzeigen: “Bis hierher und nicht weiter!”
Genau wie ihr und ich, so haben auch all diese Menschen verstanden, dass wir nur dann für ein stabiles Klima und einen echten Übergang zu 100 % erneuerbaren Energien sorgen können, wenn wir die Förderung fossiler Brennstoffe wie Braunkohle endlich und endgültig einstellen.

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Und genau aus diesem Grund ruft jetzt ein Zusammenschluss verschiedener Basisgruppen zu einem kühnen Akt massenhaften zivilen Ungehorsams auf, der eine Menschenkette sogar noch übertreffen wird. Auch diese Aktion wird wieder im Rheinland stattfinden, und zwar vom 14. bis 16. August.
An diesem Wochenende werden dort Gruppen aus ganz Europa eintreffen, um sich Schulter an Schulter den weltweit größten Schaufelradbaggern in den Weg zu stellen.
Ende Gelände wird unüberhörbar dazu auffordern, Europas Kohle angesichts der zunehmenden Bedrohung durch den Klimawandel im Boden zu lassen.
Meldet euch jetzt an, wenn ihr mehr zu dieser Massenaktion gegen den Kohleabbau erfahren wollt!

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So wie wir zu Tausenden am vergangenen Wochenende Fremden die Hand gereicht haben, um gegen Kohle einzutreten, so ist Ende Gelände eure Chance, gegen eines der zerstörerischsten Projekte Europas zu protestieren.
Allen, die sich anmelden, werde ich schon bald nähere Einzelheiten zukommen lassen.
Ich danke euch,
Emma Biermann

https://ende-gelände.org/

350.org baut eine globale Bewegung von unten auf, um die Klimakrise zu lösen. Bleib mit uns in Kontakt via Facebook und unseren Email Updates. Hier kannst du unsere Arbeit unterstützen, indem du bei unseren lokalen Kampagnen direkt mitmachst und/oder unsere Arbeit via Spenden unterstützt.

Was bedeutet 350? Geh zu unserer Webseite um mehr über die wissenschaftlichen Hintergründe, die hinter der 350 Bewegung stehen, zu erfahren.

Divest Fossil Fuels – Studenten gegen Fossile Brennstoffe

Von Florian Müller – Am 17. Apr. 2015 – unter Umwelt      Neopresse

Was in der Politik nur ab und an hitzig debattiert wird, ist in der Gesellschaft vor allem bei jungen Menschen ein sehr ernstgenommenes Thema: der Wandel vom Zeitalter fossiler Energieträger hin zu einem nachhaltigeren Zukunftsmodel. Speziell an Universitäten und Colleges werden die bedrohlichen Zukunftsszenarien eines möglichen Klimawandels ernst genommen und im größeren Rahmen der “Divest Fossil Fuels”-Bewegung behandelt.

Vor allem in den USA und Großbritannien organisieren sich Studenten an mehr und mehr Universitäten, um Pläne für eine baldig realisierte Zukunft frei von fossilen Energien zu schmieden. Viele der Universitäten haben Investments in fossile Energien, so zum Beispiel das King’s College London mit 8 Millionen Pfund. Andere Hochschulen mit Divestment-Bewegungen sind Harvard, UC Berkeley, Brown und die Edinburgh University, aber auch weniger bekannte Lehranstalten.*

Die Lehranstalten sind meist nicht selbstständig bereit, sich um Veränderungen zu bemühen und Beziehungen zu z.B. der Ölindustrie zu beenden. So argumentiert das King’s College, dass es Beziehungen mit Firmen solange aufrecht erhalten wird, solange sie offen mit der Gefahrenthematik umgehen und sich bemühen den Schaden zu verringern.“ Diese Position wird verständlich, da der stellvertretende Schulleiter Chris Mottershead in seiner beruflichen Laufbahn bereits 30 Jahre für British Petroleum (BP) tätig war.

Zur Durchsetzung ihrer Interessen bedienen sich Studenten, Alumni und Mitarbeiter alter Methoden. So wird an der Swarthmore Universität symbolisch eine historische Halle in Form eines Sit-Ins besetzt, um die Administratoren zurück an den Verhandlungstisch zu bewegen.

Einer der größten Erfolge ist sicher der Rückzug von Investments der Standford University aus der Kohleindustrie. Hier handelt es sich laut dem time.com Portal um eine Summe von US $18,7 Milliarden(!). Auch von prominenter Seite bekommt die Bewegung Unterstützung: am King’s College engagiert sich der ehemalige Student, Friedensnobelpreisträger und nun Erzbischof Desmond Tutu für ihre Ziele.

*Eine globale Übersicht zu Divestment-Bewegungen befindet sich auf Gofossilfree.org und Studentsdivest.org.

Quellen:
http://time.com/3419456/fossil-fuel-divestment-climate-change/
http://www.theguardian.com/environment/2015/mar/31/desmond-tutu-intervenes-over-kings-college-londons-refusal-to-divest
http://www.theguardian.com/environment/2015/mar/19/students-occupy-swarthmore-college-in-fossil-fuel-divestment-protest
http://divestharvard.com/

KfW Geld für Klimakiller

Staatsbank steckt Geld in Klimakiller

Die KfW-Gruppe finanziert Umwelt- und Klimaschutz über den Kauf von „Green Bonds“. Aber sie investiert auch kräftig in Kohlekraftwerke.

HAMBURG taz | Die größte Förderbank der Welt hat ein Imageproblem: Auf der Bilanzpressekonferenz der KfW in Frankfurt versuchte der Vorstandsvorsitzende Ulrich Schröder am Mittwoch den Spagat zwischen „grünen“ Investitionen und der Finanzierung von „schmutzigen“ Kohlekraftwerken.

Noch im zweiten Quartal will Schröders KfW „Green Bonds“ für 1 Milliarde Euro kaufen. Das wird vom Bundesumweltministerium unterstützt. Durch den Kauf der Wertpapiere soll die KfW „geeignete Klima- und Umweltschutzprojekte mitfinanzieren“, erklärte Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD). Es geht um Abfallwirtschaft, umweltverträgliche Transportsysteme und erneuerbare Energien.

„Wir beschäftigen uns seit Langem mit Nachhaltigkeit im Kapitalmarkt“, versicherte eine Sprecherin der KfW-Bankengruppe. Deutschlands drittgrößtes Kreditinstitut finanziert Windmühlen und Solarenergie, fördert die Energieeffizienz von Fabriken und den Bau von Nullenenergiehäusern.

Die Bank, die zu 80 Prozent dem Bund und zu 20 Prozent den Ländern gehört, ist auch weltweit nachhaltig unterwegs: Sie investiert in einen Windpark in Uruguay, in ein „grünes“ Stromnetz in Südafrika und in die Energiewende in Marokko. Aber: Die deutsche KfW-Bank unterstützt auch Neubauten von klimaschädlichen Kohlekraftwerken im Ausland mit Milliardensummen.

Druck von Sigmar Gabriel

Aktuell ist sie nach Angaben von Nichtregierungsorganisationen am Neubau von einem Dutzend Kohlekraftwerken, Kohleminen und Kohleinfrastrukturprojekten beteiligt. Zwar hatte im September Umweltministerin Hendricks für die KfW-Entwicklungsbank das Ende der Kohlefinanzierung bei Neubauten verkündet. „Doch das sind bestenfalls marginale Einschränkungen“, kritisierte Kathrin Petz, Energieexpertin der Organisation Urgewald, gegenüber der taz. Der weit größere Teil werde über die Exportfinanzierung der KfW-„Tochter“ IPEX-Bank abgewickelt. Petz: „Auf Druck der Industrie hat sich Wirtschaftsminister Gabriel gegen Umweltministerin Hendricks durchgesetzt.“

Energiekonzerne und Maschinenbauer in Deutschland sind traditionell besonders stark im internationalen Kohlegeschäft aktiv und erwarten dank der KfW-Kredite große Exportaufträge. Es liegen Anträge für KfW-Kohleprojekte aus Australien, Indonesien, Kasachstan, Südkorea, Kroatien, Philippinen, Polen, Südafrika und weiteren Ländern vor. Dies geht aus der Antwort der Bundesregierung Ende März auf eine Kleine Anfrage der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen hervor.

Die KfW verteidigt ihre Kohlefinanzierung in einem Strategiepapier als „Baustein für wirtschaftliche Entwicklung und damit für Armutsbekämpfung“ in Entwicklungs- und Schwellenländern. Außerdem, so eine KfW-Sprecherin, senke eine modernisierte Kohleinfrastruktur den Ausstoß von CO2-Emissionen erheblich. Für die Finanzierung stelle die KfW „höchste Ansprüche an deren Umwelt- und Sozialverträglichkeit“. Das bezweifeln Kritiker. Petz von Urgewald kritisiert „die sogenannten Umweltkriterien“ als schwammig.

 

Wir zerstören die Grundlagen unserer Existenz schneller als die Natur sie reparieren kann

Menschenkette gegen Kohle

Menschenkette gegen Kohle im Braunkohle-Tagebau Garzweiler II

am 25. April 2015, 13:00 Uhr

Mit unserer Menschenkette stärken wir die breite Bürgerbewegung gegen Kohle und unterstützen den lokalen Widerstand. Kommen Sie am 25. April 2015 zur Menschenkette und zur anschließenden Kundgebung mit Konzert und zeigen den Baggern und Klimakillern die rote Linie auf.

Gemeinsam bieten wir der Kohlelobby die Stirn!

Die wichtigsten Infos für den 25.04.2015 finden Sie hier:

ANREISE

PLAN DER KETTE

PROGRAMM

PODIUMSDISKUSSION

ABSCHLUSSKUNDGEBUNG

BITTE BEACHTEN:

Entgegen der vorherigen Ankündigungen gibt es neue Veranstaltungsorte für die Podiumsdiskussion am Freitag
und das Anti-Kohle-Camp der BUNDjugend!

Kohle besteuern

Der 64jährige Professor für Energie und Umweltpolitik am University College London (UCL) und UNEP-Preisträger Paul Ekins plädiert in einem Artikel in der Süddeutschen Zeitung dafür, dass ” mehr als 80 Prozent der verbliebenen Kohle nicht verbrannt werden dürfen”, wenn wir die Zwei-Grenze nicht überschreiten wollten. Gabriels Vorschlag einer moderaten Besteuerung alter Braunkohle-Kraftwerke hält Ekins für “eine ebenso glaubwürdige wie sinnvolle Blaupause”.

Weil Deutschland sein international sehr beachtetes Ziel, den CO2-Ausstoß bis 2020 gegenüber 1990 um 40 Prozentzu senken, zu verfehlen drohe, komme die Bundesregierung nicht umhin, “die Verstromung von Kohle, in erster Linie von Braunkohle, zu reduzieren”. Wenn Deutschland sich dafür entscheide – und Ekins lobt Gabriel für seinen Vorschlag, denn die deutsche Regierung habe sich “wissenschaftlichen Einsichten auf diesem Gebiet nie verweigert” –  werde das weithin wahrgenommen und die Führungsrolle Berlins stärken. Denn laut Ekins ist dieses Jahr “für den Klimaschutz eminent wichtig” – er spielt vor allem auf die Klimakonferenz in Paris an. In seinen Augen führt kein Weg an einem Ausstieg aus der Kohle vorbei – die Logik dafür sei “in Deutschland ebenso wie im Rest der Welt unerbittlich”.

Nun habe Deutschland alle anderen Regierungen darauf verpflichtet, alles zu unternehmen, damit die Zwei-Grad-Grenze eingehalten werden könne, aber der derzeitige Emissionspfad führe bis 2100 zu einer Erwärmung vier oder gar fünf Grad. Nicht nur laut Ekins belegen Studien, dass wir über viel “mehr fossile Reserven verfügen, als wir jemals verbrennen dürfen” (unburnable carbon), sollten wir die Zwei-Grad-Grenze wirklich ernst nehmen. Dieses “Kohlenstoff-Budget” sei der Ausgangspunkt für ein Forschungsprojekt gewesen, das er am UCL geleitet und das untersucht habe, welche fossilen Vorkommen im Boden bleiben sollten.

Ekins hat seine Ergebnisse in Nature veröffentlicht: Ohne CCS- und CCU-Technologie – der Abscheidung, Lagerung und Nutzung von CO2 seien 90 Prozent der Kohle in Europa “unverbrennbar”.

 

 

Gewöhnliche Instinkte der Politiker unvereinbar mit Klima-Verpflichtungen
Ekins’ Abstract in Nature: “Die politischen Entscheidungsträger haben allgemein akzeptiert, dass der durch Treibhausgasemissionen verursachte globale Durchschnitts-Temperaturanstieg nicht mehr als 2° C über der globalen Durchschnitts-Temperatur der vorindustriellen Zeit liegen soll. Die Chance wird auf mindestens 50 Prozent geschätzt, dass die Erwärmung im 21. Jahrhunderts unter 2° gehalten werden kann. Dafür müssen aber die kumulierten Kohlenstoff-Emissionen zwischen 2011 und 2050 auf rund 1.100 Gt CO2 begrenzt werden.  Allerdings sind die in vorliegenden Schätzungen der weltweiten fossilen Reserven enthaltenen Treibhausgas-Emissionen etwa dreimal höher. Deshalb ist die unverminderte Nutzung aller aktuellen Reserven an fossilen Brennstoffen mit einer Erwärmungsgrenze von 2° nicht kompatibel…
Unsere Ergebnisse legen nahe, dass weltweit zwischen 2010 und 2050 ein Drittel der Ölreserven, die Hälfte der Erdgasreserven und über 80 Prozent der derzeitigen Kohlereserven nicht genutzt werden sollten, um dem Ziel von 2° gerecht zu werden. Wir zeigen, dass die Ressourcenförderung in der Arktis und die Steigerung der unkonventionellen Ölförderung im Zusammenhang mit diesen Bemühungen unzureichend sind, die durchschnittliche globale Erwärmung auf 2° C zu begrenzen. Unsere Ergebnisse zeigen, dass die gewöhnlichen Instinkte der politischen Entscheidungsträger, ihre gesamten territorialen fossilen Brennstoffe schnell und vollständig zu nutzen, in der Summe unvereinbar mit ihren Verpflichtungen gegenüber dieser Temperaturgrenze sind. Die Umsetzung dieses Politikengagements würde beträchtliche Ausgaben für die Exploration fossiler Energieträger überflüssig machen, da alle neuen Entdeckungen nicht zu einer erhöhten gesamtwirtschaftlichen Produktion führen würden.

Koh­len­stoff­bud­ge­t

ZUKUNFT Zum Erreichen des 2-Grad-Ziels müssen riesige Energievorkommen in der Erde bleiben. EU, Golfstaaten und Russland Verlierer

VON BERN­HARD PÖT­TER

BER­LIN taz | Bei ei­nem ernst­haf­ten glo­ba­len Kli­ma­schutz wür­den vie­le Län­der und Kon­zer­ne ei­ne Men­ge Geld ver­lie­ren: Wenn die Er­wär­mung der At­mo­sphä­re bis 2100 bei 2 Grad Cel­si­us ge­stoppt wer­den soll, müs­sen ins­ge­samt 88 Pro­zent der welt­wei­ten Re­ser­ven an Koh­le, 52 Pro­zent der Gas­vor­kom­men und 35 Pro­zent der Öl­vor­rä­te im Bo­den blei­ben. Das ist das Er­geb­nis ei­ner Stu­die des bri­ti­schen Uni­ver­si­ty Col­le­ge in Lon­don, die jetzt in der Fach­zeit­schrift Na­tu­re ver­öf­fent­licht wur­de. Die Un­ter­su­chung zeigt auch, wel­che Re­gio­nen am meis­ten be­trof­fen wä­ren: Eu­ro­pa, die USA, Ja­pan und Aus­tra­li­en wür­den auf ih­rer Koh­le sit­zen blei­ben, die Mitt­le­re Os­ten auf sei­nem Gas und Ka­na­da auf sei­nen Teers­än­den. Auch die um­strit­te­ne Öl­su­che in der Ark­tis wä­re ein Ver­lust­ge­schäft.
Neu an der Un­ter­su­chung ist ein ge­nau­er Blick, wel­che Roh­stof­fe „un­brenn­bar“ sind, weil sie das „Koh­len­stoff­bud­ge­t“ der Er­de über­schrei­ten. Be­reits vor ei­ni­gen Jah­ren hat die In­ter­na­tio­na­le En­er­gie­agen­tur (IEA) in Pa­ris er­rech­net, dass et­wa zwei Drit­tel al­ler fos­si­len Brenn­stof­fe nicht ver­heizt wer­den dür­fen, wenn das von al­len Staa­ten ak­zep­tier­te 2-Grad-Ziel er­reicht wer­den soll. In dem ak­tu­el­len Pa­pier er­rech­nen die For­scher, wo Öl, Koh­le und Gas in den nächs­ten Jahr­zehn­ten noch so bil­lig zu för­dern sind, dass die­se Brenn­stof­fe auch un­ter ei­nem stren­gen Kli­mare­gime bis 2050 auf den Markt kä­men. Die kom­ple­xen Mo­del­le zei­gen gra­vie­ren­de Pro­ble­me für die En­er­gie­po­li­tik vie­ler Re­gio­nen: So müss­ten die Öl­staa­ten am Per­si­schen Golf auf die Aus­beu­tung von 38 Pro­zent ih­rer Re­ser­ven ver­zich­ten. In Ka­na­da rech­nen sich die um­strit­te­nen Teer­sand-Pro­jek­te nicht, 75 Pro­zent der Re­ser­ven blie­ben da­mit un­be­rührt. Die USA wie­der­um könn­ten über 90 Pro­zent des hei­mi­schen Öls för­dern, weil die Kos­ten für Pro­duk­ti­on und Ver­trieb ge­ring sind. Und al­lein aus öko­no­mi­schen Grün­den soll­ten „al­le ark­ti­schen Res­sour­cen als un­ver­brenn­bar ein­ge­stuft wer­den“.
Beim Gas könn­ten nach die­sen Mo­del­len die Golf­staa­ten, die Staa­ten der ehe­ma­li­gen So­wjet­uni­on und La­tein­ame­ri­ka rund 60 Pro­zent ih­rer Re­ser­ven nicht an­tas­ten. Vor al­lem aber wür­de ech­ter Kli­ma­schutz ei­nen Ab­schied von der Koh­le be­deu­ten: Die USA und Russ­land könn­ten nur noch 10 Pro­zent ih­rer Re­ser­ven aus­beu­ten, Chi­na und In­di­en nur noch 35 Pro­zent. Selbst die Ein­füh­rung der um­strit­te­nen und nicht er­prob­ten Ab­tren­nung und Spei­che­rung des CO 2 aus der Koh­le (CCS) hät­te dar­auf nur „ei­nen re­la­tiv be­schei­de­nen Ein­flus­s“. Ins­ge­samt sei der „In­stinkt der Po­li­ti­ker, schnell und voll­stän­dig die fos­si­len Brenn­stof­fe ih­rer Län­der aus­zu­beu­ten“, nicht mit dem Kli­ma­schutz zu ver­ein­ba­ren, schrei­ben die Au­to­ren. Auch Geld für neue Gas- und Öl­fel­der sei ver­schwen­det, denn „Ent­de­ckun­gen kön­nen nicht zu mehr Pro­duk­ti­on füh­ren“.
Der Zwei­fel am Sinn von In­ves­ti­tio­nen brei­tet sich in­zwi­schen auch in der Wirt­schaft im­mer wei­ter aus. Erst im De­zem­ber warn­te die In­ves­ti­ti­ons­bank Gold­man Sachs, welt­weit stün­den Öl­pro­jek­te für mehr als ei­ne Bil­li­on Dol­lar auf der Kip­pe, weil der Öl­preis un­ter 60 Dol­lar pro Fass ge­fal­len war. In­zwi­schen liegt er bei un­ter 50 Dol­lar.

Beim Gas könn­ten nach die­sen Mo­del­len die Golf­staa­ten, die Staa­ten der ehe­ma­li­gen So­wjet­uni­on und La­tein­ame­ri­ka rund 60 Pro­zent ih­rer Re­ser­ven nicht an­tas­ten. Vor al­lem aber wür­de ech­ter Kli­ma­schutz ei­nen Ab­schied von der Koh­le be­deu­ten: Die USA und Russ­land könn­ten nur noch 10 Pro­zent ih­rer Re­ser­ven aus­beu­ten, Chi­na und In­di­en nur noch 35 Pro­zent. Selbst die Ein­füh­rung der um­strit­te­nen und nicht er­prob­ten Ab­tren­nung und Spei­che­rung des CO 2 aus der Koh­le (CCS) hät­te dar­auf nur „ei­nen re­la­tiv be­schei­de­nen Ein­flus­s“. Ins­ge­samt sei der „In­stinkt der Po­li­ti­ker, schnell und voll­stän­dig die fos­si­len Brenn­stof­fe ih­rer Län­der aus­zu­beu­ten“, nicht mit dem Kli­ma­schutz zu ver­ein­ba­ren, schrei­ben die Au­to­ren. Auch Geld für neue Gas- und Öl­fel­der sei ver­schwen­det, denn „Ent­de­ckun­gen kön­nen nicht zu mehr Pro­duk­ti­on füh­ren“.

Kein Geld für dreckige Energie

Reinhard Bütighofer hat gutes Material zu Divestment zusammengestellt: Die Argumente für ein Divestment aus fossilen Brennstoffen haben in den letzten Wochen eine große Anzahl bedeutender Institutionen, Unternehmen und Politiker überzeugt, so ein aktueller Artikel des Guardians. Einflussreiche Persönlichkeiten wie der Chef der Bank of England, Mark Carney, der britische Energie- und Klimaminister Ed Davey, der Weltbankpräsident Jim Yong Kim und kein geringerer als US-Präsident Barack Obama unterstützen mit der öffentlichen Anerkennung der Tatsache, dass nicht alle fossilen Brennstoffe verbrannt werden können, eine der Grundaussagen der Divestmentkampagne.
Sie unterstreichen damit die moralische und finanzielle Rationale der Divestmentidee. Divestment als Aspekt der Zukunftsverantwortung, weil wir nicht alle bekannten fossilen Ressourcen verbrennen können, ohne die Erwärmung der Erde weit über die anvisierten 2°C Grad zu treiben und damit katastrophale Folgen zu verursachen. Finanziell, weil eine baldige und schrittweise Umsteuerung und Transformation unseres Wirtschafts- und Finanzsystems entlang dieser Gedanken nachhaltiger funktionieren kann, als wenn die Notwendigkeit, die Verbrennung von Kohlenstoffträgern zu stoppen,  zu spät erkannt wird und Anlagen in dieser Branche rapide fallen – die CO2 Blase platzt.
Schon unterschiedliche Versicherer und Institutionen haben diese Notwendigkeit erkannt. Der Guardian möchte nun auch zwei der weltweit größten wohltätigen Stiftungen dazu bringen, ihr Anlageverhalten mit ihrer sonstigen Zielsetzung in Einklang zu bringen und ihr Stiftungsvermögen aus klimaschädlichen Anlagen abzuziehen. Daher startet er diese Woche die Petition “keep it in the ground”, um die Bill and Melinda Gates Foundation und den Welcome Trust zum Divestment zu bewegen. Beide Stiftungen investieren Millionenbetrage in Forschung und humanitäre Bereiche, jedoch auch in fossile Energieunternehmen.
Hier geht’s zum Link und zur Petition. 

Mehr deutschsprachige Neuigkeiten zu Divestment und der Carbon Bubble finden sich im Übrigen hier, mehr zu grünen Aktivitäten zum Thema hier, und Einblicke in die Exponiertheit des europäischen Banken-, Renten- und Versicherungssektors gegenüber CO2 intensiven Investitionen hier.

Photo CC by nedu503 (Pixabay)