Aktuelle Klima und Umweltnachrichten

klimareporter° klimareporter° ist ein unabhängiges Online-Magazin zu Klimawandel, Energiewende und Klimaforschung.

  • NRW hat den Schlüssel zum Kohle-Ausstieg
    am 15. August 2018 um 10:36

    Selbst sein Klimaziel für 2030 kann Deutschland nur erreichen, wenn der Kohleausstieg jetzt beginnt und in zehn bis 15 Jahren abgeschlossen ist, ergibt eine heute veröffentlichte Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Die Experten schauten vor allem auf Nordrhein-Westfalen, das hiesige […]

  • Tropische Zecken in Deutschland gefunden
    am 15. August 2018 um 7:52

    In diesem Jahr wurden in Deutschland bereits sieben Exemplare einer tropischen Zeckengattung gefunden, die auch Krankheiten übertragen kann. Wissenschaftler erwarten, dass sich durch den Klimawandel immer mehr wärmeliebende Zeckenarten bei uns ansiedeln. […]

  • Welt steht vor Hitzejahren
    am 15. August 2018 um 3:00

    In den kommenden fünf Jahren dürfte sich die Erde noch stärker erwärmen, als durch den menschengemachten Klimawandel zu erwarten ist. Grund ist die natürliche Klimavariabilität, die immer mitschwingt und nun nach oben ausschlägt. […]

  • Politiker mit CO₂-Schleudern unterwegs
    am 14. August 2018 um 11:10

    Kein deutscher Spitzenpolitiker fährt einen Dienstwagen, der im realen Verbrauch den EU-Grenzwert einhält. Die Deutsche Umwelthilfe kritisiert, dass es immer mehr spritschluckende Plug-in-Hybride unter den Dienstautos gibt. […]


 

Warum sind wir unfähig, über die existenziellen Folgen des Klimawandels zu sprechen?

Ein interessanter Beitrag in piqd von Ralph Diermann:
piqd.de/klimawandel/

Schon den großartigen, schockierenden, deprimierenden Langtext „Losing Earth“ von Nathaniel Rich aus dem New York Times Magazine gelesen? Alexander Krützfeldt hat ihn vor ein paar Tagen hier gepiqt; Tanja Krämer hat heute früh in diesem Kanal einen Riffreporter-Artikel empfohlen, der zusammenfasst, was Klimaschützer an diesem Text kritisieren – und warum die Kritik nicht ganz nachvollziehbar ist.

„Spiegel“-Autor Georg Diez nimmt „Losing Earth“ zum Anlass, eine so irritierende wie naheliegende Frage zu stellen: Warum sprechen wir so wenig vom Klimawandel? Darüber, dass eine Erderwärmung von drei Grad die Küstenstädte der Welt ausradieren wird? Eine Erwärmung von vier Grad weite Teile der Erde unbewohnbar werden lässt?

Wie kann es sein, dass der Untergang der Menschheit so wenig Interesse erweckt und die Titelseiten sich in dieser Woche, wie in den Wochen und Jahren zuvor, eher mit der Partymetropole Berlin oder dem Elend der Patchwork-Familie beschäftigen als mit der im Grunde einzigen und überwölbenden und schrecklichen Realität unserer Zerstörung des Planeten?

Diez führt drei Erklärungen an, ganz knapp zusammengefasst:

  • Die Komplexität des Themas überfordert uns dermaßen, dass wir nicht mal in der Lage sind, es zu benennen.
  • Der Neoliberalismus verhindert, Lösungen zu entwickeln.
  • Das Problem ist so existenziell, dass wir unfähig sind, es zu erfassen – denn uns fehlen Bilder, Visionen, Sprache und Geschichten dafür (dazu auch ein interessanter Text aus der SZ, €).

Diez verknüpft seine Thesen mit einer Kritik am Journalismus, der es von wenigen Ausnahmen (der „Guardian“) abgesehen nicht geschafft habe, Formen zu finden, die die Bedrohung durch den Klimawandel wenigstens teilweise erklären. Und liefert dafür gleich eine Erklärung: die Scheu der Journalisten, zu Aktivisten zu werden.

Der Sommer der Extreme

aus der klimafakten.de-Redaktion

Feuer, Hitze, Dürre überall. In Griechenland sterben mehr als achtzig Menschen, die von der Flammenwalze eines Waldbrandes eingeschlossen wurden. In weiten Teilen Europas gefährdet monatelange Trockenheit die Ernten.

Wetterextreme wie diese werden infolge des Klimawandels häufiger – und wie sehr die Erdüberhitzung voranschreitet, zeigt auch eine Infografik des britischen Meteorologen Ed Hawkins, von der wir erstmals eine Version mit Daten für Deutschland veröffentlicht haben.
Und dann sind da die riesigen Waldbrände in Schweden. Mehr als alle anderen Hitzenachrichten dieses Sommers sind es die Bilder aus Schweden, die mir Angst machen. Vielleicht weil sie meine private Vorstellung von dem skandinavischen Land als eines sicheren, stabilen Rückzugsortes, als einer Art sicherer Hafen in einer Welt zunehmender Wetterextreme in Frage stellen. Angst: Nach Jahren der intensiven, beruflichen Auseinandersetzung mit dem Klimawandel springt mich dieses dunkle Gefühl in diesem Extremsommer geradezu hinterrücks an. Davon zu sprechen, fällt mir nicht leicht. Auch der Ausweg, die Angst wie gewohnt rational einzuhegen, will mir diesmal nicht recht gelingen. Allerdings:  Ungute Gefühle zu benennen und darüber ins Gespräch zu kommen, erscheint mir als ein erster Schritt der Auseinandersetzung.

Diese Auseinandersetzung wollen wir künftig auch bei klimafakten.de in einem neuen Format führen: So wollen wir Menschen, die auf die eine oder andere Art in der Klimakommunikation aktiv sind, künftig regelmäßig zu ihren Erfahrungen und Erlebnissen – und auch zu ihren Gefühlen befragen. Den Anfang unserer neuen Rubrik „Sechs Fragen an …“ macht der ARD-Meteorologe Karsten Schwanke.
Dass das Gespräch eine geradezu therapeutische Funktion hat, weiß auch der Wiener Umweltmediziner Hans-Peter Hutter. Im Interview mit klimafakten.de-Autor Claus Reitan sagt er: Angesichts der drohenden Erdüberhitzung sollten Ärzte mit ihren Patienten über die Folgen des Klimawandels für die Gesundheit sprechen – und auch öffentlich, politisch Stellung beziehen. Nach der politischen Sommerpause wird also weiter über Klimapolitik zu sprechen sein.
Mit, trotz allem, guten Wünschen für den Sommer,

Carel Carlowitz Mohn
aus der klimafakten.de-Redaktion