Nach den COP21 Klimaverhandlungen

Brot für die Welt in Klima Allianz: Die Verabschiedung des Klimaabkommens von Paris ist ein politischer Erfolg, auch wenn es allein die Welt nicht retten wird. Insbesondere der Schutz, den das Abkommen den ärmsten und verletztlichsten Menschen bietet, war ein Punkt, den Brot für die Welt und seine Partner während der Verhandlungen immer wieder gefordert hat, sagt Klimaexpertin Sabine Minninger von Brot für die Welt. Und Joachim Fünfgelt sieht im Abkommen ein Fahrplan für eine globale Energiewende.

Rheinland-Pfalz will starke Maßnahmen

Umweltministerin Ulrike Höfken und Klimaschutzministerin Eveline Lemke:

„Das 1,5-Grad-Ziel ist ein Weckruf, jetzt muss die Umsetzung folgen.” Nach Einschätzung der Ministerinnen wurden in Paris zwar starke Ziele verabredet, diese seien aber noch nicht mit starken Maßnahmen verbunden. Dies hänge jetzt von den einzelnen Vertragsstaaten ab.

„Ein wichtiges Ergebnis der Verhandlungen ist, dass die Entwicklungsländer in diesem Umsetzungsprozess unterstützt und entsprechende Finanzmittel von den Industrieländern bereit gestellt werden“, erklärte Höfken. Die breite Allianz für ein ambitioniertes Klimaschutzabkommen, die sich in Paris erstmals auch zwischen Industrie- und Entwicklungsländern bildete, mache deutlich: „Die Staaten wollen mit dem Klimaschutz ernst machen und sich nicht länger an den wenigen Bremsern ausrichten.“

Wirtschafts- und Klimaschutzministerin Eveline Lemke verwies auf die Beiträge von Rheinland-Pfalz in diesem Prozess: „Wir haben unsere Verantwortung erkannt und sind beim Klimaschutz gut vorangekommen.“ Als eines der ersten Bundesländer in Deutschland habe Rheinland-Pfalz ein Klimaschutzgesetz verabschiedet, in dem verbindliche Reduktionsziele gesetzlich verankert wurden. In einem breiten gesellschaftlichen Dialog wurde ein Klimaschutzkonzept erstellt. „Jetzt müssen wir alles dran setzen, diese Ideen in Rheinland-Pfalz auch im Alltag umzusetzen. Da geht es dann um ganz konkrete Dinge wie zum Beispiel die energetische Sanierung von Landesgebäuden, damit die Landesverwaltung bis 2030 klimaneutral wird. Oder um die energetische Verwertung von Abfällen. Nur wenn wir alle beim Klimaschutz anpacken, kommen wir voran“, so Lemke.

„Wir wollen, dass die Energiewende nachhaltig im Einklang mit Natur- und Umweltschutz vor sich geht und die Menschen in der Land- und Forstwirtschaft insbesondere im ländlichen Raum von den erneuerbaren Energien durch neue Arbeitsplätzen und höhere Einkommen profitieren“, ergänzte Umwelt- und Landwirtschaftsministerin Höfken. Die Ministerinnen wiesen darauf hin, dass sich der Klimawandel in Rheinland-Pfalz bereits bemerkbar mache. Die mittlere Jahrestemperatur im Land sei seit 1881 um 1,4 Grad gestiegen, damit liege Rheinland-Pfalz weit über dem Bundesschnitt. Für die Zukunft sei mit einem weiteren Temperaturanstieg, längeren Trockenperioden und häufigeren Extremwetterereignissen zu rechnen. Darunter leiden die Forstwirtschaft, die Landwirtschaft und der Weinbau. 73 Prozent der Waldbäume im Land sind vor allem aufgrund der Klimakrise geschädigt. Höfken und Lemke: „Um unsere Lebensqualität aufrecht zu erhalten und gleichzeitig die natürlichen Ressourcen für kommende Generationen zu bewahren, müssen wir unsere Klimaschutzziele erreichen. Rheinland-Pfalz soll in diesem Prozess eine Vorbildfunktion einnehmen.“ Quelle: Ministerium Mainz

Mitbringsel aus Paris

Alle Fotos zur freien Verwendung, 12.12.2015 Reinhard Sczech

Motivation und Erleichterung

Ich war drauf und dran zu verzweifeln. Kann die Menschheit denn wirklich so blöd sein? Jetzt bin ich wieder hoch motiviert. Das waren lehrreiche Tage in Paris.

ClimateJustice_2015_12_12_Paris_23Ein Gruß an alle Freunde der Hunsrücker Höhenwind Gesellschafter und Bertram Fleck: In einem Pariser Café habe ich einen tollen holländischen Aktivisten getroffen, der voller Begeisterung die Entwicklung im Hunsrück wahrgenommen hat. Eine Botschaft an alle die jetzt noch gegen die Windenergie kämpfen: Ja, es gibt Beeinträchtigungen, ja das Landschaftsbild ändert sich, ja es gibt Fehlplanungen. Aber ihr könnt euch überhaupt nicht vorstellen, mit wie vielen Hoffnungen Menschen aus aller Welt auf Deutschland schauen.

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Der Hunsrück exportiert erneuerbare Energie. Nachhaltig! Bitte macht mit, oder wenn ihr schon nicht mitmachen wollt, macht den Weg frei. Ihr wollt die Heimat erhalten wie sie ist – aber Zerstörungen währen die Folge, die unsichtbar für unsere Kameras und Reporter bei den ärmsten der Armen angefangen haben und auch uns erreichen werden.

Die Prinzen

Saudi-Arabien alimentiert 7000 (geldgierige?) Prinzen. Prinz al-Walid Bin Talil, seine Frau und seine Kinder wohnen in 320 Zimmern in einem sandfarbenen Palast, der mit italienischem Marmor ausgekleidet ist, mitten in Riad.

Kleine Umfrage

Sind Sie im Vergleich zu vor fünf Jahren mehr oder weniger optimistisch, dass es der Menschheit gelingen wird, den gefährlichen Klimawandel zu vermeiden?
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Dazu kommen drei Hallen-Schwimmbäder, Tennisplätze, 250 Fernseher, ein Kinosaal und fünf Küchen, die 2000 Gäste auf einmal beköstigen können. In der Garage des Prinzen stehClimateJustice_2015_12_12_Paris_31en 200 Luxusautos, darunter Rolls-Royce, Ferrari und Lamborghini. Dieser Reichtum wird von Öl gespeist. Könnt ihr euch vorstellen, welcher Kampf es war die Zustimmung der Saudis zu bekommen? Könnt ihr euch vorstellen, wie bitter die neusten Abschätzungen der Klimaforscher sind, um selbst ein Kopfnicken zu bekommen, das Saudi Arabiens Geschäftsmodell völlig in Frage stellt?

 

2050 „klimaneutral“

Die Koalition der „Ambitionierten“ hat sich in Paris durchgesetzt. Beschlossen wurde, dass die Menschheit ab 2050 „klimaneutral“ lebt. Ursprünglich sollte im Vertrag stehen, dass die Menschheit ab 2050 „Treibhausgas-frei“ lebt. Aber das scheiterte an den erdölproduzierenden Ländern. „Treibhausgas-frei“ hätte bedeutet, dass diese Länder bald kein Erdöl mehr fördern dürften. Der jetzige Beschluss besagt, dass die Treibhausgase, die nach 2050 noch entstehen, kompensiert werden müssen – etwa durch Aufforstung oder neue Technologien.

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Climate Justice! Now!ClimateJustice_2015_12_12_Paris_35

„Die Weltgemeinschaft hat verstanden, dass die Gefahren durch den Klimawandel viel größer sind als zuvor angenommen“, sagte Bill Hare, der Chef des Forschungsinstituts Climate Analytics. „Das Paris-Abkommen ist ein historischer Wendepunkt für die ganze Welt.“

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Die roten Linien werden gezogen: Clim Acts aus Australien

Ärmel aufkrempeln

„Wir sind extrem glücklich“, erklärte EU-Klimakommissar Miguel Arias Cañete. Die Schweizer Bundesrätin Doris Leuthard sagte: „Für die Schweiz war es wichtig, dass alle Verantwortung übernehmen und die Zweiteilung aufgehoben wird.“ Aber auch Südafrikas Umweltministerin Edna Molewa sieht einen „Wendepunkt zu einer besseren und sichereren Welt“. ClimateJustice_2015_12_12_Paris_36

Frankreichs Präsident François Hollande sagte sogar: „Wir haben heute die beste und friedlichste Revolution geschafft – eine Revolution für den Klimaschutz“. Und Bubu Pateh Jallow, einer der Chefunterhändler der ärmsten Staaten, sagte: „Der Vertrag ist eine wirklich gute Arbeitsbasis“.

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„Die Unterschrift ist nur der Anfang, jetzt geht es darum, ihn auch umzusetzen.“ Russlands Umweltminister Sergej Donskoj betonte: „Jetzt steht uns die Ratifikation bevor!“ Der hintere Teil der Vereinbarung nämlich, zwölf der 31 Seiten, muss zu nationalem Recht werden. Und das in jedem der 195 Mitgliedsländer, ein Prozess, der im Falle des Kyoto-Vertrages acht Jahre gedauert hat. Aber diesmal soll der Paris-Vertrag bereits ab 2020 gelten – in vier Jahren.

ClimateJustice_2015_12_12_Paris_39Dass dieses Ziel nun benannt wird, bedeutet: Die Weltgemeinschaft hat endlich realisiert, wie ernst die Warnungen sind, die die Klimaforscher aufgestellt haben. So weit, so gut, aber auch so unzulänglich. Denn diese Erkenntnis wird – zumindest noch – nicht ausreichend in konkretes Handeln umgesetzt.

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Fakt ist: Die Treibhausgas-Limits, die die Länder der Erde sich gegeben haben und die die Basis des Paris-Vertrags bilden, bringen die Welt nur auf einen Drei-Grad-Pfad – also auf einen Kurs, bei dem Elemente des Klimasystems destabilisiert würden, darunter der Grönland-Eisschild, die Permafrostböden und die Regenwälder. Höhere Ansprüche trauten sich die Architekten des Paris-Deals nach dem Kopenhagen-Debakel nicht mehr zu stellen.

Gewaltfrei und ohne Presse

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Tolle Tage in Paris, mit Wechselbädern der Gefühle

Tja Leute, wir haben uns das Demonstrationsrecht erkämpft. Entschieden und gewaltfrei. In der deutschen Presse habe ich noch kein Wort darüber gelesen. Über die Demo am Eifelturm wurde bischen berichtet. Aber die vorhergehende und  aus meiner Sicht wichtigere in der Avenue de la Grande Armée vor dem Arc de Triomphe wurde  fast ausschließlich über soziale Medien, wie diesen Blog transportiert.

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Sind wir mal milde, das Demonstrationsverbot hat natürlich dazu geführt, dass auch die Presse nicht über die Details der Planungen informiert war.

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Ein Tourist aus China macht auch spontan mit. „Very big problems in China“
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und Mainz trifft auf Oppenheim (on the left side Esmathe Gandi, Président ATTAC Togo)

 

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und Mainz trifft auf Oppenheim (on the left side Esmathe Gandi, Président ATTAC Togo)
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zum Abschluss wird ergreifend mitreißend gesungen

Quellen

Klimaretter.Info

Skeptical Science

350.org   

Video von der Demo

DemocracyNOW

ARD Tagesschau COP21 live Blog

SonnenSeite

germanwatch

Paris 2015 kann die Welt ändern

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Die Demonstranten sind entschlossen

Die politische Führung der Pariser Polizei hat die Situation richtig eingeschätzt. Die Demonstranten waren zwar nicht in riesengroßen Massen, aber dafür umso fester entschlossen ein Zeichen zu setzen.

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Es wurde klar gemacht, um 12 Uhr werden wir auf die Avenue de la Grande Armée strömen, den Verkehr stoppen und auf der breiten Prachtstraße vor dem Arc de Triomphe unsere roten Linien ziehen.

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1,5 Grad oder Chaos

Wir fordern Klimagerechtigkeit. Jetzt.

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Ami Goodman von Democracy Now interviewt ein Paar. Democracy Now hat eine fantastische Berichterstattung während des Gipfels gemacht.

Ich saß schon eine Stunde vorher am vereinbarten Treffpunkt unserer Gruppe im Café Victor Hugo. Schnell erkannte ich an den roten Utensilien wer wohl noch alles zu bereit ist, sich über das Demonstrationsverbot hinwegzusetzten.

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Wir brachen auf. In den Nebenstraßen viel Polizei, alle schwer bewaffnet aber entspannt. Wir wussten: diese Auseinandersetzung haben wir gewonnen. Auf der Avenue de la Grande Armée angekommen, war ich einfach nur überwältigt. Die Straße war uns.

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Die Straße gehört uns
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Vorne ringen Clowns den Polizisten ein lächeln ab.

 

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… jetzt bin ich etwas schlapp und trinke mal zur Feier des Tages einen guten Rotwein.

Blockade bei den Klimaverhandlungen in Paris

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Broschüren mit Gesundheitshinweisen und rechtlichen Infos werden verteilt

Ich bin völlig fasziniert mit welcher Entschlossenheit, Mut, sozialer Kompetenz und vor allen Dingen Phantasie und Intelligenz hier in kleinen Gruppen die Aktionen für morgen vorbereitet werden.

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An alle Aktivisten wird eine rote Blume verteilt

Ich habe aber auch Angst vor der französischen Polizei. Tipps wie „wickele dir Zeitungen ums Schienbein, da hauen die gerne drauf“ beunruhigen mich Schisser eher. Es wird ein Aktionsbereitschaft ermittelt. In die eine Ecke des Raumes gehen die, die sich zutrauen vorne mit dabei zu sein, in die zweite Ecke die, die mehr zuschauen. Dann können sich auch Kleinstgruppen auf dieser Raumachse dazwischen positionieren. Ich stehe im Raum, aber sehr nahe an Ecke zwo.

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Tag der Vorbereitungen, durchdacht und klasse organisiert

Was ist eine Demonstration?

Demonstrationen sind morgen in Paris strengstens verboten. Was ist eine Demonstration? Wenn mehr als zwei Menschen die gleiche politische Meinung kundtun. Deshalb werden wir alle nur zu zweit losschwärmen.

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Neben den roten Blumen wird es morgen viele rote Regenschirme, Jacken und Schals geben, um die symbolischen roten Linien zu ziehen.

Zum Abschluss der Klimaverhandlungen werden also Tausende von Menschen paarweise auf die Straßen ziehen, um das letzte Wort zu haben und um zu zeigen, dass wir unsere Zukunft selbst in die Hand nehmen. So schaffen wir die Voraussetzungen für weitere Aktionen im Jahr 2016.

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So soll es ablaufen: Gegen 11:45 Uhr treffen wir uns auf den Bürgersteigen entlang der Avenue de la Grande Armée zwischen der Place de Etoile und Porte Maillot. (nicht am Arc de Triomphe — dort werden Versammlungen sofort aufgelöst).

 

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Folgen den roten Pfeilen entlang der Straße, um zum Veranstaltungsort zu gelangen

12:00 Uhr sollen Signale eines Nebelhorns ertönen, dann schlendern wir paarweisen Fußgänger auf die Avenue de la Grande Armée bis es anfängt zu strömen. Dort den roten Schirmen und Pfeilen die uns leiten hinterher. Auf der Straße, so der Plan, Tausende roter Tulpen verteilen, riesigen Transparente entrollen und eine lange „rote Linie” bilden.

Wenn die Nebelhörner ein zweites Mal ertönen, heißt es zwei Minuten lang schweigend innehalten, bis Blaskapellen anfangen zu spielen. Danach legen wir unsere Blumen zum Gedenken an die Opfer des Klimawandels auf die Straße.

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Hochkonzentriert werden im Plenum Fragen gestellt und beantwortet
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Der Plan für morgen: Wie auch immer das Gipfeltreffen ausgehen mag, Folgendes gilt weiterhin: Es sind nicht Politiker*innen die Bewegungen anführen – sondern die Menschen.

Der Veranstaltungsort wurde bis jetzt geheim gehalten, damit  effektiv mobilisiert werden kann. Nachdem jetzt alle Details feststehen und noch 24 Stunden bleiben, ist es an der Zeit, dass die Öffentlichkeit über die Aktionen informiert wird.

Die Lösungen liegen auf der Hand: Wir müssen aufhören, fossile Brennstoffe zu fördern und zu verbrennen. Stattdessen, wo immer möglich, erneuerbare Energien ausbauen und Sorge tragen, dass die am schlimmsten vom Klimawandel betroffenen Regionen über die nötigen Ressourcen verfügen um der Krise zu begegnen. Dies könnte ein Wendepunkt sein – dafür kämpfen die Demonstranten in Paris.

 

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noch einige juristische Hinweise zum mitschreiben

ARD-Reporter Werner Eckert hat beim Klimagipfel eine Veranstaltung von Wissenschaftlern besucht, die Auswirkungen des künftigen Klimavertrags untersuchen. Hier sind seine Eindrücke: „Gefährlich bis tödlich nennt Professor Kevin Anderson vom „Tyndall Center for climate change“ den derzeitigen Verhandlungsstand. Fünf wissenschaftliche Institute sind sich einig: dass darin maximal 1,5 bis zwei Grad Erderwärmung als Ziel festgeschrieben werden, ist gut, aber für sich genommen nur eine Hausnummer. Alle konkreten Vorgaben für die Staaten sind bereits aus dem Entwurf gestrichen. Das ist alles vage und setzt keine klaren Signale, sagt Professor Johan Rockström von der Universität Stockholm. Er rechnet vor: Wenn nur die bereits eingereichten, freiwilligen Selbstverpflichtungen der Länder umgesetzt werden, dann führt das die Welt auf mehr als drei Grad zu. Und da es bis 2030 auch keine Verbesserungen geben muss, wird bis dahin so viel Co2 ausgestoßen, dass damit auch die Chance vertan ist, jemals unter zwei Grad zu bleiben.

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Die Zukunft des Kindes dass dieses Bild zum Klimagipfel gemalt hat, steht auf der Kippe. Bitte auf das Bild doppelt klicken um es zu vergrößern.

Ungenügend nennt auch Professor Hans Joachim Schellnhuber vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung die konkreten Vorgaben für den Klimaschutz. Er vertritt allerdings die Auffassung, dass die Atmosphäre vorübergehend mehr CO2 vertragen würde, wenn man es anschließend – durch Aufforstung zum Beispiel – wieder herausholt. 1,5 Grad erscheinen nach Angaben der Wissenschaftler unrealistisch. Dazu müsste der Kohle-, Öl- und Gasverbrauch der gesamten Welt schon 2020 seinen Höhepunkt erreichen und danach stark sinken, spätesten 2050 „0“ sein. Die Wissenschaftler sind auch enttäuscht davon, dass von „Dekarbonisierung“, also vom Abschied von fossilen Brennstoffen, nicht mehr die Rede ist. Stattdessen ist nun von „Treibhausgas-Neutralität“ die Rede. Das unterstellt nämlich, dass Wälder und Ozeane CO2 aufnehmen. Steffen Kallbekken von der Universität Oslo nennt das riskant. Bislang speichere der Ozean nämlich 55 Prozent der Treibhausgase. Aber erstens wird er dadurch immer saurer und zweitens werde das nicht unbeschränkt weiter so gehen.“

 

 

Climate Action Zone ZAC

Fotos: Reinhard Sczech, 10.12.2015

Wie bei allen meinen Reisen: etwas abgehetzt und vermutlich was Wichtiges vergessen, Einstieg in den IC, Mainz Hauptbahnhof Richtung Mannheim, von dort mit dem französischen TGV weiter. In Schnellzugsteige n in Saarbrücken fünf fett bewaffnete französische Polizisten ein. Sofort Unruhe, kurz darauf Schreie und Sc20151210_solutions_3himpfen. Dann Ruhe. Auf dem Sitz links vor mir, schläft ein junger Mann. Ich wundere mich, warum er trotz dem Lärm nicht einmal den Kopf hebt. Dann kommen drei Beamte zu uns. Sehen mich kurz an, rütteln an dem jungen Mann: „Passport?“. Der etwa 19-jährige schüttelt den Kopf. „Nationality?“ „Afghanistan“. Routiniert zieht einer den Jungen aus dem Sitz, mit traurigem Gesicht und stumm lässt er es geschehen, alle verschwinden im nächsten Wagen. Eine Frau schimpft auf französisch. Zwei Minuten später „außerplanmäßiger Halt in Forebach“. Die Polizisten und sechs junge Männer verlassen den Zug. Die verbleibenden schauen sich betroffen an.
So verlaufen die ersten Stunden meiner Reise zum Klimagipfel nach Paris. Wir fahren gerade 311 Kilometer pro Stunde.

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Solutions COP21

Nachmittags besuche ich das offizielle Rahmenprogramm für den Weltklimagipfel: „Solutions COP21“ im Grand Palais. Wegen Kontrollen wie am Frankfurter Flughafen eine Stunde Wartezeit, obwohl nicht besonders viel los ist. Das Programm finde ich großenteils enttäuschend. 20151210_solutions_2Einige Firmen sind echt bemüht, aber beispielsweise bei Coca Cola werde ich reflexartig misstrauisch. Von einem Schweizer Forscher der „Horizon Social Media Analytics“ nehme ich am meisten mit. Darüber werde ich einen eigenen Beitrag schreiben.

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Viele Kameras, viele Reden, wenig Publikum bei den Solutions COP21
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Bei der Rheinland-Pfalz Ausstellung in Mainz war deutlich mehr los als bei den Lösungen für die Weltrettung in Paris 2015
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Ein spannendes Gespräch, wie man die Stimmungen in den Social Media analysiert
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In der ZAC war nun aber richtig was los

Climate Action Zone (ZAC)

In der ZAC sollte eigentlich von den Umweltgruppen die gr20151210_ZAC_6oße Klimaschutzdemonstration am Ende des Klimagipfels vorbereitet werden. Bündnisse aller Schattierungen rund um den Globus hatten ihre Mitarbeit angekündigt. Dann kamen die Terroranschläge am 13. November wie eine Seuche über Paris. Vollständiges Demonstrationsverbot.

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Überwiegend junge Menschen interessiert die Rettung der Zivilisation, die anderen kämpfen mit den Alltagsproblemen

Als Alternative werden nun fantasievolle, gut organisierte, gewaltfreie aber entschiedene Aktionen geplant. Als ich ins ZAC komme, ist die Plenumshalle rappelvoll. Es wird diskutiert was zu tun ist und wie die Lage politisch einzuordnen ist. Im Plenum sitzt auch Naomi Klein. Die anderen kenne ich nicht, viele der Redebeiträge sind in französisch. Sprachbegabung hat man mir leider nicht mit in die Wiege gelegt.

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Diese Menschen zu erleben…. ich bin froh, doch nach Paris gefahren zu sein

Naomi Klein räumt freimütig ein, dass auch sie erst vor 10 Jahren die volle Brisanz des Klimawandels begriffen hat.

Klick gemacht

Wenn ich tief in mich gehe, muss ich gestehen bei mir sind es weniger als fünf Jahre her bis es „klick“ machte. Was eigentlich schon beschämend ist, da ich als Ingenieur sowohl mit Regelkreisen wie auch Statistik und nichtlinearen Simulationsverfahren reichlich Erfahrung sammeln durfte. Aber trotz vielfältiger Literatur hat mein Gehirn sich einfach geweigert die bittere Wahrheit voll zu realisieren. Wie auch. Da liest du eine alptraumhafte Analyse, die menschliche Zivilisation ist dabei sich auszulöschen, das sechste große Massensterben auf dem Planeten hat begonnen, du schaltest den Fernseher an, „und nun die Lottozahlen“.

Sicher, ich war schon viele Jahre vorher umweltbewusst, habe in Windenergie investiert (und damit sehr gut verdient), Müll getrennt, dicke Autos vermieden, Greenpeace unterstützt, die Grünen (oft sehr zähneknirschend) gewählt und nur Ökostrom durch die Steckdosen gejagt. Aber begriffen hatte ich es nicht wirklich.
Jetzt bin ich in Paris, um die Luft um den Weltklimagipfel einzuatmen und ein Gefühl dafür zu bekommen: Wie groß sind die Chancen der Menschheit die Kurve zu bekommen?
Es muss zweifellos eine sehr scharfe Kurve sein, eine Revolution. Die Zeit zum herumzackern haben wir nun wirklich nicht mehr.

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Etwas wehmütig kommt mir der Eiffelturm vor

Afrikanische Stimmen zum Klimawandel

Letzten Montag ist parallel zum Start der Pariser Klimakonferenz meine Informationsplattform „African Climate Voices – Afrikanische Stimmen zum Klimawandel“ online gegangen, und ich würde mich sehr über Ihr Feedback und eine eventuelle Weiterleitung dieser Informationen an interessierte Kolleginnen und Kollegen freuen.

Herzliche Grüße aus Hannover !

Björn Jürgensen

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„African Climate Voices“ – Afrikanische Stimmen zum Klimawandel – jetzt online

 

Die Informationsstelle Südliches Afrika (issa) begleitet den Weltklimagipfel in Paris (November/Dezember 2015) mit einem Informationsportal zum Klimawandel im südlichen Afrika. Die „African Climate Voices“ richten sich an die in diesem geografischen Gebiet aktiven Eine-Welt-Initiativen, Afrikagruppen, Klima- und Umweltschutzorganisationen und Institutionen. Zudem wollen wir alle am südlichen Afrika und an Klimafragen interessierten Personen erreichen. Ziele der Plattform sind die Intensivierung des (trans-)nationalen Süd-Nord-Austauschs im Kontext des UN-Klimagipfels in Paris im Dezember 2015, die entwicklungspolitisch bedeutende Informationsvermittlung über den Klimawandel und dessen Folgen im südlichen Afrika und die Dokumentation und Verbreitung der Stimmen aus dem südlichen Afrika.

http://africanclimatevoices.com/

Klimaschutz und Gerechtigkeit

Du hast einen schrulligen Onkel der immer noch sagt „Hör‘ mir auf mit Klimawandel, die Wissenschaftler sagen jedes Jahr was anderes? Einen Kollegen,  der kundtut „alles halb so schlimm, was geht mich der Klimawandel an“?  Einen Chef der ruft: „Wachstum ist am wichtigsten für uns, später werden wir schon was gegen den Klimawandel erfinden“?

Der RBB Film Klimaschutz und Gerechtigkeit ist bestens geeignet für Aufklärung zu sorgen.

Klimaschutz und Gerechtigkeit

16.11.2015 | 28:53 Min. | UT | Verfügbar bis 16.11.2016 | Quelle: Rundfunk Berlin-Brandenburg

KlimaschutzUndGerechtigkeit3Trotz der blutigen Anschläge will Frankreich Ende des Monats Gastgeber des Klimagipfels in Paris bleiben. Die hohen Kohlenstoffwerte in der Atmosphäre und die Erderwärmung zwingen zum Handeln. Der heißeste Sommer seit Beginn der Messungen brachte Deutschland Tornados, brennende Getreidefelder und einen riesigen Flüchtlingsstrom. Gibt es da Zusammenhänge?

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Öl-Lobby sponserte Kriegsverbrecher

Klasse Beiträge gibt es von der RBB OZON Redaktion.

Populäre Wissenschaft
Auf allen weiteren Montags-Sendeplätzen setzt die Redaktion Wissenschaft/Bildung populäre Wissenschafts-, Tier- und Naturfilme ein, die selbst produziert oder von anderen ARD-Anstalten übernommen werden.

WissensZeit im rbb
Das Bildungsangebot des rbb Fernsehens, montags bis freitags, 6:20 Uhr bis 6:50 Uhr.

nano
Die Redaktion arbeitet am 3sat-Wissenschaftsmagazin „nano“ mit, das gemeinsam von ARD, ZDF, ORF und dem Schweizer Fernsehen produziert wird. Das rbb Fernsehen sendet  „nano“ montags bis freitags um 6:50 Uhr.

 

Birgit Berg: „Wer sich das Denken abnehmen läßt, darf sich nicht wundern, wenn man ihm bald auch den Kopf abnimmt.“

Schau nach wo du wohnst

Welche Auswirkungen wird der Klimawandel in der Stadt oder in der Region haben, in der Du wohnst?
Welche Maßnahmen zur Anpassung sind vielleicht auch schon geplant?

Tools für ganz Deutschland:
Hier erhältst Du einen Überblick über Klimafolgen und kannst Dich über Karten orientieren.

KlimafolgenOnline (Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung)

Deutscher Klimaatlas (Deutscher Wetterdienst)

Regionaler Klimaatlas Deutschland (Helmholtz-Zentrum Geesthacht)Yields1

Informationen und Projekte für bestimmte Regionen:
Hier gibt es vertiefte Informationen für einzelne Regionen und Sektoren über Klimafolgen und Anpassung.

Klimzug – Klimawandel in Regionen (Bundesmin. für Bildung und Forschung)

Klimalotse (Umweltbundesamt)

INKAS Informationsportal KlimaAnpassung in Städten (Deutscher Wetterdienst)

Klimafolgen-Atlas für Europa

Ein Atlas, der die Auswirkungen einer Temperaturerhöhung um 2 °C für Europa darstellt:

https://www.atlas.impact2c.eu/en/Yields2

March 4Me

Statt großer Märsche, Kundgebungen und „Climate-Games“, müssen die Organisationen nun Improvisationstalent und Kreativität beweisen, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen: In den vergangenen Tagen fand eine „Schuh-Demonstration“, Adbusting und mehrere Menschenketten statt. Doch es blieb nicht immer friedlich: Bei Ausschreitungen am Sonntag setzte die Polizei Tränengas und Schlagstöcke ein, 208 Demonstranten wurden nach Angaben des Innenministeriums festgenommen.

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March for me

Angesichts der Auflagen und Schwierigkeiten auf den Straßen von Paris zu demonstrieren, entwickeln sich alternative Protestestformen im Internet. So bietet etwa die Plattform March for me Menschen in Paris die Möglichkeit, Aktivisten auf der ganzen Welt stellvertretend für sich selbst auf die Straße zu schicken. Rund 30.000 Menschen sind dort bereits registriert. Was bisher nur für die Demonstrationen am 28. und 29. November angelegt war, könnte auch beim Global Climate March am 12. Dezember für Klimaschützer in Paris eine Möglichkeit sein, ihren Forderungen Gehör zu verleihen.march4me_3

COP21: Schutzlos

Insel- und Entwicklungsländer kritisieren schärfer denn je: Das Zwei-Grad-Ziel reicht nicht, um ihr Überleben zu sichern

Text: Wolfgang Hassenstein

Man stelle sich vor, Deutschland sei ein Inselstaat in der Nordsee, und Wissenschaftler prognostizierten seinen vollständigen Untergang irgendwann in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts. Allen sei klar, dass der ungezügelte Ausstoß von Treibhausgasen in riesigen Staaten auf der anderen Seite des Planeten der Grund dafür ist. Auch die Menschen in diesen Ländern wüssten seit Jahrzehnten vom Schicksal der Germanischen Inseln, aber sie seien nicht bereit, ihren Lebensstil zu ändern.

Erst als es ihnen dämmert, dass der Klimawandel auch ihnen selbst ernste Probleme bereiten wird, einigen sie sich mit Ach und Krach auf ein sogenanntes „Zwei-Grad-Ziel“. Eine verzweifelte Kanzlerin erklärt auf großen Konferenzen immer wieder, dass die Deutschen ihr Land verlieren werden, wenn die Erde sich tatsächlich derart stark erwärmt. Ihr wird aber nur entgegnet, ein schärferes Klimaziel sei „unrealistisch“, dafür sei es jetzt leider schon zu spät.

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Die V20-Staaten fordern stellvertretend für viele besonders verwundbare Länder das 1,5-Grad-Ziel Karte: Carsten Raffel

Genau in dieser Situation befinden sich verschiedene kleine Inselstaaten wie Kiribati, Tuvalu, Vanuatu und die Malediven. Und nicht nur für sie ist die Erderwärmung eine existenzielle Bedrohung, sondern auch für große Länder wie Bangladesch mit seinen 160 Millionen Einwohnern. „Wir lehnen es ab, das Opfer der internationalen Gemeinschaft in Paris zu sein“, erklärte Anwar Hossain Manju, der Umweltminister des Landes, zur Eröffnung der Pariser Klimakonferenz. „Wenn unser Überleben hier nicht auf den Tisch kommt, wird damit eine rote Linie überschritten. Alle Parteien haben die Pflicht zu handeln. Es nicht zu tun, ist ein Verbrechen.“ Offensichtlich treten die durch den Klimawandel besonders gefährdeten Staaten auf der COP21 so entschlossen und stark auf wie nie zuvor.

Schon auf den letzten Klimagipfeln hatten etwa die „Allianz der kleinen Inselstaaten“ (AOSIS) sowie die „Gruppe der ärmsten Länder“ (LDC) ehrgeizigere Klimaziele eingefordert. Mehrfach machten ihre Vertreter mit flammenden Reden auf ihre Situation aufmerksam: „Für uns ist das hier nicht einfach ein Treffen. Es geht um Leben oder Tod“, erklärte 2009 Mohammed Nasheed, der damalige Präsident der Malediven, auf der Konferenz in Kopenhagen.

Kurz zuvor hatte er mit seinen Ministern medienwirksam die weltweit erste Kabinettssitzung auf dem Meeresboden abgehalten. „Bei einem Temperaturanstieg von mehr als 1,5 Grad wird mein Land untergehen, die Korallenriffe werden sich auflösen und unsere Ozeane versauern“, warnte Nasheed. „Das gesamte Klima des Planeten wird aus den Fugen geraten.“ Die Konferenz scheiterte trotzdem.

Und vor zwei Jahren erklärte bei der COP19 in Polen Yeb Saño, der Delegierte der Philippinen, mit tränenerstickter Stimme: „Die Klima-Krise ist ein Wahnsinn.“ Damals verwüstete pünktlich zum Konferenzauftakt der Monster-Taifun Haiyan mit nie dagewesener Wucht seine Heimat und riss tausende seiner Landsleute in den Tod. Saños emotionaler Ausbruch machte im Konferenzzentrum für einige Minuten die Klimarealität regelrecht spürbar: „Lasst uns diesen Wahnsinn stoppen“, rief er, „hier in Warschau“.

Diese „neue Klimarealität“ nehmen nun, auf der COP21, gleich mehrere Staatengruppen zum Anlass, das in Kopenhagen offiziell beschlossene Zwei-Grad-Ziel wieder in Frage zu stellen: Die Obergrenze der Erwärmung müsse auf 1,5 Grad Celsius abgesenkt werden, um das Überleben dieser Staaten zu ermöglichen.
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In einer zum Konferenzbeginn vorgestellten „Manila-Paris-Erklärung“ äußern sich die Staats- und Regierungschefs der Vulnerable Twenty Group (V20) „tief besorgt über die neue Klimarealität“. Neue Forschungsergebnisse hätten gezeigt, dass das derzeit geltende Zwei-Grad-Ziel „unangemessen“ sei.

Zur V20-Gruppe haben sich Länder aus Südasien, Afrika und Mittelamerika zusammengeschlossen, mehrere Inselstaaten im Pazifik und der Karibik sowie die Mongolei und Nepal. Sie sind von der ganzen Bandbreite der Klimafolgen betroffen: steigende Meeresspiegel und sterbende Riffe, Lawinen, Erdrutsche und Überschwemmungen, tropische Wirbelstürme, Dürren und Hitze. Die Forderung: 100 Prozent Erneuerbare bis 2050, eine „Dekarbonisierung“ der Weltwirtschaft nicht bis zum Ende, sondern schon bis zur Mitte des Jahrhunderts.

Dabei betonen sie auch die Chancen der globalen Energiewende: „Es ist ein Mythos, dass Einschnitte bei den Emissionen das wirtschaftliche Wachstum gefährden“, erklärte der Außenminister von Costa Rica mit Verweis auf entsprechende Erfolge im eigenen Land.

Überdies forderten im März in der „Kairo-Erklärung“ auch alle 54 Staaten Afrikas die Absenkung des globalen Klimaziels auf 1,5 Grad, und Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi, in dessen Land das fruchtbare Nildelta vom Untergang bedroht ist, trug die Forderung nach Paris. Unterstützung erhielten sie übrigens von UN-Experten, die vor der Pariser Konferenz erklärten, das 1,5-Ziel sei nicht nur empfehlenswert, sondern noch machbar. Nötig sei der politische Wille.

Dass sich die Weltgemeinschaft in Paris tatsächlich auf das ehrgeizigere Temperaturziel einigt, welches die Risiken des Klimawandels erheblich mindern würde, gilt als sehr unwahrscheinlich. Die verwundbaren Staaten werden deshalb in den kommenden Jahrzehnten versuchen müssen, sich an den Klimawandel „anzupassen“ – mit finanzieller Unterstützung der Industriestaaten.

Das Thema Geld wird deshalb in Paris eine entscheidende Rolle spielen. Zugleich steigt die Gewissheit, dass den Bewohnern niedrig liegender Inseln schließlich nichts anderes übrig bleibt als der Umzug.

Quelle Greenpeace Magazin