Schockierendes Interview mit James Hensen in CNN

Es kommt viel schneller, sehr viel dicker als gedacht – wenn wir nicht endlich ernsthaft, radikal und schnell handeln.

 

 

James Hansen ist immer für eine Überraschung gut. In jedem Fall horcht alle Welt auf, wenn sich der umtriebige Klimawissenschaftler (ehemals NASA, jetzt am Earth Institute der Columbia University) zu Wort meldet. Und das hat er jetzt wieder: Nur wenige Monate vor dem Klimagipfel in Paris veröffentlicht er eine gemeinsam mit anderen Wissenschaftler/innen verfasste Studie zum Meeresspiegelanstieg. Interessanterweise ist die Studie nicht – wie sonst eher üblich – „peer reviewed“, sondern das wissenschaftliche Review findet live und öffentlich zu verfolgen als interaktive Diskussion auf der Website des Open Access Journalis Atmospheric Chemistry and Physics Journals statt.

Hansen selbst begründet dieses Vorgehen mit dem Zeitfaktor: Die Ergebnisse seien dermaßen alarmierend, dass man es sich schlicht nicht leisten könnte, Monate zu warten, bis sie veröffentlicht werden. Die Politik soll vor dem Klimagipfel in Paris Kenntnis haben von dem, was er und sein Team herausgefunden haben.

Die Studie wird bereits seit Tagen in den Medien diskutiert, u.a. in der Washington Post und in der Huffington Post. Die beunruhigenden Fakten, die die Wissenschaftler/innen auf den Tisch legen: Erdgeschichtlich haben Zeiten, in denen es nur 1°C wärmer war als heute, zu einem Meeresspiegelanstieg von 5 bis 9 Metern geführt. Das liegt wohl an der Erwärmung der Ozeane, mit denen die Eisschollen Kontakt haben. Wir können uns laut Hansen auf mehrere Meter Meersspiegelanstieg in den kommenden 50 Jahren sowie erhebliche Stürme einstellen. Das liegt weit über den Annahmen des letzten Sachstandsberichts des Weltklimarats.

Hansen und sein Team kommen zum Schluss:

„We conclude that 2 °C global warming above the preindustrial level, which would spur more ice shelf melt, is highly dangerous.“

Zu einer ähnlichen Schlussfolgerung sind auch die Expert/innen des „Structured Expert Dialogue (SED)“ der UN Klimarahmenkonvention (UNFCCC) gekommen. Sie haben im Mai 2015 ihren technischen Bericht vorgelegt, nachdem sie zwei Jahr lang geprüft hatten, wie adäquat das 2°C-Ziel ist

Was machen unsere Staats- und Regierungschefs und -chefinnen nun, wenn ihnen die Wissenschaft auf der einen Seite erklärt, dass das 2°C-Limit weder ein Ziel sein sollte noch uns in irgendeiner Weise ausreichend vor katastrophalem Klimawandel schützen wird, und auf der anderen Seite die Stimmen derjenigen lauter werden, die sagen, das 2°C-Ziel sei politisch und technologisch nicht zu halten; man müsse sich halt auf einen „Overshoot“ einstellen und planen, mit Geoengineering zusätzliches CO2 aus der Atmosphäre zu holen?

Darauf gibt es keine einfache Antwort. Aber zumindest ein paar einfache Nachfragen seien erlaubt: Was bitteschön ist denn „politisch realistisch“? Ist es politische realistisch, eine Welt mit einem 10 Meter höheren Meeresspiegel, häufigen Extremwetterereignissen und Milliarden von Klimaflüchtlingen zu „managen“? Ist es politisch realistischer, dass sich die Regierungen kleiner Inselstaaten und Bürgermeister/innen großer Küstenstädte um die Umsiedlung von Millionen von Menschen kümmern, als dass sich ein paar Millionen Europäer/innen, Nordamerikaner/innen, Australier/innen und Japaner/innen mit weniger und sauberer Energie sowie weniger Flugreisen zufriedenstellen lassen?

Ja, eine schnelle, radikale und endgültige Dekarbonisierung unserer Wirtschaft und Lebensweisen ist möglich. Schwer dabei ist nur die Überwindung des Widerstands derjenigen, die dabei viel zu verlieren haben.

Umfassende menschliche Tragödie

  • In Lindau versammelte Nobelpreisträger fordern in einer gemeinsamen Erklärung ein entschlossenes Vorgehen angesichts des Klimawandels.
  • Genau 60 Jahre zuvor war in Lindau mit dem „Mainauer Manifest“ vor den Gefahren durch Kernwaffen gewarnt worden.
Von Johanna Pfund SZ 3. Juni 2015

Zeit für weitere unverbindliche Absichtserklärungen gibt es nach Ansicht der Wissenschaftler nicht. „Wir können keine weiteren fünf Jahre so weitermachen“, sagte Schmidt. Er und seine Mitstreiter Steven Chu (Nobelpreis für Physik 1997 und von 2009 bis 2013 US-Energieminister), Peter Doherty (Nobelpreis für Medizin 1996), David Gross (Nobelpreis für Physik 2004) und George Smoot (Nobelpreis für Physik 2006) sind sich darin einig, dass die Daten alarmierend seien. Manche Regionen, etwa im Himalaya, litten bereits jetzt unter den Folgen der Klimaerwärmung, dazu kämen Dürren wie in Indien oder im mittleren Westen der USA. „Wenn wir dem nicht entgegensteuern, so wird die Erde schließlich nicht mehr in der Lage sein, den Bedürfnissen der Menschheit gerecht zu werden und unsere ständig zunehmende Nachfrage nach Nahrung, Wasser und Energie zu decken. Und dies wird zu einer umfassenden menschlichen Tragödie führen“, heißt es im Deklarationstext (hier finden Sie die vollständige Erklärung der Preisträger).

Welche Folgen die Erwärmung der Erde hat, das können auch die Wissenschaftler nicht genau vorhersagen. Es gebe große Risiken, sagte Chu, doch auch viele Unsicherheiten. Man könne aber nicht weiterhin abwarten. „Wollen wir weitere 50 Jahre warten, um uns absolut sicher zu sein, was passieren wird?“ Die notwendigen Technologien, um Energie zu sparen und damit den Ausstoß von Kohlendioxid zu begrenzen, seien vorhanden. Kosten entstünden vor allem durch weiteres Zögern, betonte Chu.

In der Pflicht sieht die Gruppe der Nobelpreisträger vor allem die Regierungen der beiden größten Umweltsünder, USA und China. Eines der größten Probleme sei es, Gerechtigkeit beim Energieverbrauch zu schaffen. Internationale Standards könnten Abhilfe schaffen. Der Klimawandel müsse auf jeden Fall gestoppt werden, erklärte David Gross. „Vor 60 Jahren warnte man hier bei der Tagung vor Atomwaffen, jetzt kommen wieder Preisträger zusammen, um vor dem Klimawandel zu warnen. Der ist eine ähnliche Katastrophe.“

Klimaherbst 2015

Kommt mit uns zu folgenden Großveranstaltungen:

26. September: Bundesweiter Aktionstag der Klima-Allianz

Ende November: Europaweite Aktionen anlässlich der Klimakonferenz in Paris

12. Dezember: Großdemo für verbindliche Klimaschutzziele in Paris

Nähere Informationen zu den Demos und Aktionstagen verlinken wir jeweils sobald sie uns vorliegen. Außerdem wird es Materialien und Aktionsvorschläge geben.
Kohleausstieg jetzt!

Protest-global-warming-prevention

Unsere Forderungen für das Abkommen in Paris:

  • Das Ziel, die Erderwärmung auf höchstens 2 Grad Celsius zu begrenzen, muss völkerrechtlich bindend verankert werden.
  • Es braucht ein Bekenntnis zu „Raus aus den fossilen und rein in die erneuerbaren Energien“.
  • Die internationale Finanzierung von Klimaschutzmaßnahmen muss für mehr Klimagerechtigkeit zwischen Nord und Süd ausgebaut und gestärkt werden.

Dafür gehen wir im Klimaherbst 2015 auf die Straße und wollen mit  Präsenz ein starkes Signal im Vorfeld der Klimakonferenz in Paris setzen!